Förderstunden blieben liegen
Bildungsressort bot Extrastunden an: In manchen Schulen fehlten dafür aber die Lehrer.
Wien, Bregenz Überlastung, Personalmangel und Überstunden gehören für Lehrerinnen und Lehrer mittlerweile zum Alltag. Eine Pensionswelle rollt an, es gibt Schwierigkeiten, Pädagogen für die Sommerschule zu finden, und auch bei den Extra-Förderstunden fehlte Personal. Das Bildungsministerium stellte im vergangenen Semester pro Klasse zwei zusätzliche Stunden zur Verfügung, um mit den Schülern Rückstände aufzuarbeiten, die auf Grund der Pandemie entstanden waren. Während die Abschlussklassen fast alle Förderstunden nutzten, waren es in den anderen Schulstufen zwei Drittel, wie das Bildungsministerium bestätigte. „In Vorarlberg waren es weniger“, sagt Andreas Kappaurer, pädagogischer Leiter in der Bildungsdirektion. Hier liege man zwischen 50 und 60 Prozent.
Mehr Stunden pro Klasse
Die Coronapandemie zwang die Schüler zweitweise in den Fernunterricht oder in den Schichtbetrieb. Viele forderte dies besonders. Das Bildungsministerium bot daher besagte Wochenstunden an, ab Jänner für Matura- und Abschlussklassen, ab März für alle Klassen.
In Vorarlberg wurde dieses Angebot nicht vollständig genutzt. Manche Schulen hätten keinen Bedarf angemeldet, da im Distance Learning gut gearbeitet worden sei und sich die Schüler auf einem guten Stand befänden, sagt Kappaurer. Auch der Schichtbetrieb habe mitgespielt, heißt es im Bildungsressort. In der Bildungsdirektion wird außerdem von einer Überlastung der Lehrer berichtet. Es sei auch nicht möglich gewesen unter dem Jahr einfach neue Pädagogen anzustellen, „weil es sie nicht gibt“, sagt Kappaurer.
Viel geleistet
In vielen Fällen hätte man dem Personal nicht weitere Überstunden aufbürden können. Sie leisteten bereits viele. Das zeigt die Statistik des Schuljahres 2019/20. Lehrerinnen und Lehrer in Österreich machten 4,8 Millionen bezahlte Überstunden, für die Kosten von 279 Millionen Euro entstanden. Davon entfielen fast 417.000 Stunden um 21,8 Millionen Euro auf Vorarlberg.
Für die Zusatzförderstunden plante Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) 117 Millionen Euro ein, 41 Millionen sind liegen geblieben. Abseits der Abschlussklassen hätten die höheren Schulstufen eher weniger Bedarf gezeigt, berichtet Kappaurer. Nutzten Schulen die Förderstunden, hätten sie diese vorwiegend in zusätzlichen Unterricht investiert, in dem Schüler Verpasstes aufholen konnten. „Einige haben spezielle Förderprogramme für Schüler mit Defiziten im Deutschunterricht eingerichtet.“
Programm läuft weiter
Das Bildungsministerium überließ den Schulen, wie sie Stunden einsetzen. Im kommenden Schuljahr läuft das Programm weiter, aber in leicht abgespeckter Form. Für die Volksschulen wird es nach wie vor zwei Extrastunden geben, für alle anderen sinkt das Angebot auf 1,5 Wochenstunden. „Ich hoffe, dass die Abrufquote höher wird“, sagt Kappaurer. Der große Vorteil sei, dass die Stunden nicht mehr mitten im Schuljahr kämen, sondern die Direktoren von Beginn an planen und verteilen können.
„Es war nicht überall möglich, den Lehrern Zusatzüberstunden zu geben.“
Stichwort Überstunden in Vorarlberg
Im Schuljahr 2019/20 leisteten die Vorarlberger Pflichtschullehrerinnen und -lehrer 312.254 Überstunden. In absoluten Zahlen schafften nur die Niederösterreicher mehr. Der Vorarlberger Anteil aller an österreichischen Pflichtschulen geleisteten Überstunden liegt somit bei 15 Prozent. In den Volksschulen alleine liegt er sogar bei 22 Prozent – das sind 87.888 Stunden. An den höheren Schulen ist der Vorarlberger Anteil mit vier Prozent (105.000 Überstunden) geringer. Bei den Mehrdienstleistungen für die Sommerschule entfielen rund zehn Prozent auf das Land. Im Zuge dessen verrichteten die Lehrer über 3800 weitere Stunden, österreichweit waren es 40.000.