Der Golm als Quelle der Inspiration

Vorarlberg / 25.01.2022 • 16:41 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Brigita Egger hat zwei Bücher geschrieben. Die zweiten Teile sind jeweils schon in Arbeit. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Brigita Egger hat zwei Bücher geschrieben. Die zweiten Teile sind jeweils schon in Arbeit. VN/JUN

Brigita Egger schrieb im Lockdown zwei Bücher.

Schruns Was tut man im Lockdown, wenn man nicht mehr arbeiten kann? „Ein Buch schreiben“, würde Brigita Egger sagen. Sie hat mit dem Schreiben erst im Lockdown begonnen, als sie nicht mehr im Berggasthof Golm arbeiten konnte. Dabei liebt sie doch den Kontakt zu den Menschen, kennt mittlerweile ihre Stammgäste. Golm ist ihr zweites Zuhause geworden, ein Zuhause, das über Monate hinweg geschlossen hatte. Als ihre Nichte sie über ihre Großeltern ausfragte, schrieb die gebürtige Slowenin ein paar Zeilen auf. Aus ein paar Zeilen wurden ganze Seiten. Brigita Egger konnte schließlich nicht
mehr aufhören zu schreiben, bis nach zwei Monaten ein ganzes Buch entstand.

Keine einfache Kindheit

Brigita Egger hat ihre ersten sieben Lebensjahre bei ihren Großeltern in Slowenien verbracht. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt zu ihrer Schwester nach Nenzing ausgewandert. Das Leben in Slowenien war damals alles andere als einfach. Die Familie hatte dort weder Strom noch fließend Wasser und die Unterkunft glich einer Baracke. Als dann ihre Großeltern starben, kam Brigita Egger zu ihrer Mutter nach Vorarlberg. Inzwischen hatten die zwei Schwestern dort ihre eigenen Familien gegründet. Da Brigita Egger schon von Anfang an ein innigeres Verhältnis zu ihrer Tante als zu ihrer Mutter hatte, übernahm ihre Tante schließlich die Mutterrolle. Ihr Onkel war daher wie ihr Vater.

Für Brigita Egger war das Leben in Nenzing wie ein Schlaraffenland. Da alle bei einer Textilfirma arbeiteten, hatten sie eine richtige Wohnung – „mit Badewanne, statt Eimer“, schwärmt Brigita Egger. „Ich musste mich erst einmal zurechtfinden.“

Handschriftlich statt getippt

Das Buch „Julia, wie alles begann“ handelt von ihrer leiblichen Mutter, die an Krebs gestorben ist, als Brigita Egger 14 Jahre alt war. Es ist keine Biografie, sondern ein Roman, weshalb Brigita Egger ihrer Mutter auch einen fiktiven Namen gegeben hat. Mit dem Buch verarbeitet die Schrunserin ihre Kindheit, indem sie ihre Erinnerungen aufgeschrieben hat – wohlgemerkt per Hand, da sie, wie sie selbst sagt, mit dem Computer seit Jahren zerstritten ist. In dem Buch geht es um die 17-jährige Julia und ihre Liebe zu Matej, einziger Sohn eines Grundbesitzers, der nicht nur das Leben des jungen Paares schwer machte. Auch die Zuwanderer, die an der slowenischen Grenze scheiterten und in dem kleinen Dorf Unterschlupf suchten, waren dem Grundbesitzer ein Dorn im Auge.

Als sie das Manuskript einer Freundin zum Durchlesen gab, war diese davon so begeistert, dass sie vorschlug, es einem Verlag zu schicken. Brigita Eggers Schwägerin tippte schließlich die handgeschriebenen Seiten ab. Der Romeon Verlag war schließlich an einer Veröffentlichung interessiert. „Ich habe echt gute Freunde, die hinter mir stehen und mich bei meinem Tun unterstützen“, freut sich Brigita Egger. „Besonders Chris möchte ich danken, der mich in allen Fragen beraten hat und für mich da war.“

Migranten hatten es schwer

Die 58-Jährige will mit ihrem Buch die jüngeren Generationen darauf aufmerksam machen, wie schwer es damals für Migranten war, in Österreich Fuß zu fassen und wie schwer sie dafür arbeiten mussten, damit die jetzigen Generationen ein so gutes Leben führen können. Damals war es gar nicht so einfach, überhaupt eine Arbeitsgenehmigung und Aufenthaltsbewilligung zu bekommen. Alle sechs Monate mussten diese erneuert werden. Gleiches galt für den Gesundheitspass. „Du brauchtest alle Papiere, sonst wurdest du wieder ausgewiesen“, erinnert sich Brigita Egger.

Golm ist ihr zweites Zuhause

„Ich habe schon viel erlebt im Leben und habe nun meinen Frieden im Montafon gefunden. Hier bin ich glücklich“, strahlt die Schrunserin auf dem Berggasthof Golm. „Ich liebe meine Arbeit am Golm und freue mich jeden Morgen, hinaufzufahren.“ Für sie ist der Golm ihre größte Inspiration und „wie meine zweite Heimat“.

Brigita Egger hat bereits den zweiten Teil ihres Romans angefangen zu schreiben. Dieses Mal handelt es sich um ihre eigene Lebensgeschichte. Im Dezember wird das Buch im Handel erhältlich sein. Während des Lockdowns hat sie aber auch noch ein zweites Buch geschrieben. Das Kinderbuch „Willy, die liebenswerte Ratte“ handelt von einer Ratte, die mit ihrem Freund Jakob Abenteuer erlebt und nur in Reimen sprechen kann. Auch da wird es einen zweiten Teil geben. „Meine Bücher kann man bei Thomas Jenny sowie bei Buch und Spiel in Schruns kaufen“, betont die Wahlmontafonerin. Aber auch in anderen Buchhandlungen sind ihre Bücher zu finden. VN-JUN

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