Gericht: Jugendlicher verleumdete seine ganze Familie

Vorarlberg / 04.02.2022 • 09:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Jugendlicher verleumdete seine ganze Familie
Der junge Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe in der Höhe von 640 Euro verurteilt. Eckert

16-Jähriger hielt seine Erziehung für zu streng und zeigte Angehörige wegen häuslicher Gewalt an.

feldkirch Der Jugendliche macht als Angeklagter beim Prozess am Landesgericht Feldkirch einen freundlichen, höflichen Eindruck und spricht sehr gut Deutsch. Zurzeit ist er auf Lehrstellensuche. Er ist musikalisch, eine entsprechend anspruchsvolle Lehrstelle im Bereich Musik ist in Sicht.

Doch zuvor muss er noch auf der Anklagebank Platz nehmen. Schon einmal saß er vor Gericht, da gab es gemeinnützige Leistungen, die arbeitet er zurzeit noch ab. Dieses Mal geht es um Delikte gegen die Rechtspflege, ein Thema, bei dem der Gesetzgeber und die Justiz sehr streng sind. Zum einen verleumdete er seine Familie, bezichtigte Vater, Mutter und auch seinen Bruder, sie hätten ihm gegenüber jahrelang Gewalt ausgeübt. Zudem sagte er falsch aus, was als falsche Beweisaussage gilt.

„Wollte Leben genießen“

„Das war dumm und es tut mir auch leid, inzwischen haben wir uns wieder versöhnt, alles ist in Ordnung“, sagt der Teenager, der von einem Betreuer begleitet wird. Seine Eltern wären gerne mit zur Verhandlung gekommen. Corona zwinge sie aber, zu Hause zu bleiben.

Der junge Mann schildert nochmals, warum er diese Lügengeschichte erfunden hat. „Bei mir zuhause gab es ziemlich strenge Auflagen, wann ich zuhause sein musste und so, deshalb wollte ich unbedingt von zuhause weg und in so eine betreute Wohnstelle. Ich wollte mein Leben genießen“, so der Jugendliche.

Letzte Chance

„Sie hatten bereits einmal eine Diversion, viele Hoppalas dürfen Sie sich nicht mehr leisten“, macht Richter Richard Gschwenter dem Jugendlichen klar.

Letzterem ist bewusst, dass er seine Familie mit seinen Behauptungen in eine dumme Situation gebracht hat. Von vornherein kann die Polizei nicht wissen, ob nicht ein „Opfer“ wirklich misshandelt wurde. Sie muss jedem Hinweis nachgehen, ein ganzer Apparat von Polizei und Justiz muss tätig werden.

Geldstrafe

Der Jugendliche wird zu einer Geldstrafe von 640 Euro verurteilt. Mildernd sind die bisherige Unbescholtenheit, das reumütige Geständnis und sein jugendliches Alter. Erschwerend, dass er seine eigene Familie verleumdet hat und dass er gleich zwei Straftaten begangen hat. Bis zu dreieinhalb Jahre Haft wären theoretisch möglich gewesen. Der junge Mann bekommt eine reine Geldstrafe, die er in zehn Monatsraten abstottern kann. Nach „außen“ behält er aufgrund der geringen Strafe eine weiße Weste, das heißt, eine leere Strafkarte. Er soll keine Schwierigkeiten bei der Stellensuche haben, so der Richter. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.