Die Auseinandersetzung mit sich selbst

Vorarlberg / 03.04.2022 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Auseinandersetzung mit sich selbst
Kreativ: May Garzon ist wieder vermehrt in Filmen zu sehen. Zuletzt in der Erfolgsproduktion Vienna Blood. Vienna Blood

Ein Spagat vom Ebnit nach Wien. Und ein anderer von der Bühne zu den Menschen.

Wien May Garzon ist großteils in Wien aufgewachsen. Die Tochter einer Vorarlbergerin und eines Wieners verbindet dennoch ein „Gefühl von Heimat“ mit Vorarlberg. Zu Hause fühlt sie sich auf den Bühnen in Wien oder München, aber auch im Ebnit, wo sie den Entschluss fasste, Schauspielerin zu werden. „Ich verbrachte viel Zeit in Vorarlberg bei meinen Großeltern. An das Ebnit habe ich besonders schöne Erinnerungen. Wir haben dort als Kinder zur Familienunterhaltung regelrechte Shows abgezogen. Meine Tante meinte, so wie ich mich aufführe, sollte ich Schauspielerin werden.“

„Als Schauspielerin muss man immer in Bewegung bleiben, kann sich auf dem Erreichten nie ausruhen.“ <span class="copyright">Roland Wegerer</span>
„Als Schauspielerin muss man immer in Bewegung bleiben, kann sich auf dem Erreichten nie ausruhen.“ Roland Wegerer

Die 8-Jährige nahm sie beim Wort. Mit 15 hatte sie ihren ersten Schauspielunterricht am Konservatorium in Wien, wo sie später ihren Abschluss machte und auch selbst unterrichtete. Mit 17 stand sie zum ersten Mal für eine professionelle Produktion auf der Bühne. In New York lernte sie bei Susan Batson. Garzon bezeichnet ihren beruflichen Weg als langen Entwicklungsprozess. „Ich habe mein Leben immer der Schauspielerei gewidmet, habe jede Chance wahrgenommen und hart gearbeitet.“ Heute schreibt und produziert sie Stücke selbst, kennt die verschiedenen Blickwinkel des Theaters und muss nicht mehr alles ausprobieren. „Ich setze dann auch mal gern einen Haken drunter.“

Bewegung, Freiheit

Als wegen Corona Österreichs Kultur stillstand, baute sich Garzon ein zweites Standbein auf. „Die ständigen Absagen waren beängstigend. Also absolvierte ich die Ausbildung zum Life Coach. Mich interessieren Menschen, ich möchte mich in der Welt bewegen. So passt auch dieser Beruf gut zu mir.“ Jetzt, da die Bühnen Wiens offen sind und genannte Haken gesetzt, widmet sie sich mit der Erfahrung verschiedener Blickwinkel wieder intensiv dem Theater, aber auch dem Film. „In unserem Ensemble, im Off Theater Wien, kann ich künstlerisch etwas bewegen. Ich schätze die Freiheit, die wir bei der Umsetzung der Produktionen haben.“ Freiheit und Bewegung prägen auch ihr privates Leben. Sport, Reisen und Musik stehen auf dem Programm. „Ich reise viel, tanze oder spiele gern Ukulele und Klavier. Außerdem bin ich ein Workshop-Junkie.“

May Garzon feiert am 21. April mit dem Stück „NIX“ Premiere im Off Theater Wien.<span class="copyright"> Thomas Steineder</span>
May Garzon feiert am 21. April mit dem Stück „NIX“ Premiere im Off Theater Wien. Thomas Steineder

Garzon sucht die Auseinandersetzung mit sich selbst. „Wie soll ich eine neue Rolle kennenlernen, wenn ich mich selber nicht kenne?“ Als Darstellerin verlässt Garzon die Oberfläche, sie interessiert das Verborgene in den Figuren, die sie spielt. „Es braucht Empathie und Liebe zum Detail. Ich will in die Tiefe gehen.“ Dafür erfindet sie sich immer wieder neu, stößt an Grenzen und versucht, sich in Menschen hineinzuversetzen. „Es ist immer alles neu. Das ist zwar herausfordernd, aber ich liebe das.“ TON