Reinhold Bilgeri

Kommentar

Reinhold Bilgeri

Frieden

Vorarlberg / 14.04.2022 • 10:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Eigentlich wollte Frau Ammann nur ein paar Minuten Frieden am Emsbach genießen, einfach nur ins Wasser schauen und in die Sonne, aber sie wird die Bilder nicht los. Hunderte Reporter hasten zwischen den Fronten, Millionen von privaten Handys schicken Bilder ins Netz, Echtes und Gefaktes. Der deutsche Geheimdienst gilt da als seriösere Quelle und liefert zu den Bildern noch Audio Files, abgehörte Funksprüche zwischen russischen Frontsoldaten und ihren Kommandeuren – man erzählt sich von Vergewaltigungen, „sie war sechzehn“, von Plünderungen „ganzer Haufen Kosmetika“, „wir haben grade einen Hund erledigt und gegessen, gar nicht so übel“ – von Erschießungen : „…die sind aber angezogen wie Zivilisten“ „hast du ein Problem damit? Verdammt, mach sie fertig“ „aber das sind Zivile!!“ „mach sie kalt !“ – da sprechen zum Teil 20-jährige Burschen, die schlecht vorbereitet (viele gingen anfangs von einem verlängerten Manöver aus) in ihre erste Schlacht taumeln.

Kanonenfutter

„Deutsche und österreichische Soldaten haben vor 80 Jahren, vielleicht im selben Gebiet, Ähnliches erlebt.“

Über den Funk hört man aber auch Ansätze von Kritik und erschöpfter Wut – „ich pfeife auf die Medaillen und das Geld, das er (Putin) uns versprochen hat, ich will nach Hause, wir sind doch nur Kanonenfutter“… eine Einstellung, die öfters kolportiert wurde in Sachen Kampfmoral der Angreifer. Und doch scheinen die Kommandanten mit martialischen Briefings ins Feld geschickt worden zu sein, wie einst Hitlers Wehrmacht in den Russlandfeldzug. Deutsche und österreichische Soldaten haben vor 80 Jahren, vielleicht im selben Gebiet, Ähnliches erlebt.


In jedem Krieg ist der Grat zu Zivilisationsbruch und Barbarei ein sehr schmaler und auch Goethes Land der Dichter und Denker war nicht gefeit davor. Allein die Waffen sind perfider und grausamer geworden. Den Flüchtlings-Bahnhof von Kramatorsk haben die Russen in voller Absicht mit einer Missile und Cluster-Munition beschossen, also einer Waffe, die „designed“ wurde, um so viele Menschen wie möglich zu töten. 52 (meist Frauen und 4 Kinder, die auf Evakuierung hofften) sind`s geworden.

Gipfel des Zynismus: Die Russen hatten den Angriff angekündigt und nachdem von vielen zivilen Opfern die Rede war, von ukrainischem „Selbstbeschuss“ gefaselt.

Geld

Die Irrationalität treibt täglich neue Blüten und es war, bei allem guten Willen, zu bezweifeln, daß Kanzler Nehammer oder irgendein Vertreter des demokratischen Westens Putin und seine Vasallen zur Besinnung bringen kann. Der versteht nämlich nur eine Sprache, und auf die angemessen zu antworten, kostet Geld, viel Geld – Wir werden am 22. April im Festspielhaus für die Ukraine singen und sammeln. Bernie Weber hat ein geiles Musik-Set zusammengestellt, bitte kommen, „We ARE ONE“.

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