Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Viel Bau, keine Kunst

Vorarlberg / 21.05.2022 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In Bregenz baut man derzeit an allen Ecken und Enden. Ganz besonders am See. Der Uferbereich mit Radweg und Platz für Fußgänger an der Pipeline ist im zweiten Teilstück bereits übergeben, die neuen Straßengestaltungen in der Stadt sind abgeschlossen.

Die größten und kostenintensivsten Baustellen aber sind im Festspielbereich. Das Festspielhaus wird renoviert, es entsteht eine neue Tribüne, neue Technik und dazu auch ein neues Gebäude, eine Art Werkstatthalle. Kostenpunkt nach heutiger Rechnung: etwa 50 Millionen, von denen der Bund (im seit Anfang bestehenden „Festspielschlüssel“) 40 Prozent, das Land 35 Prozent und die Stadt 25 Prozent übernimmt. Es bleibt also noch ein recht großer Betrag für die Stadt, zudem ist die Stadt Bauherr. Und daneben entsteht gleichzeitig noch ein Superbau, das neue Hallenbad. Das soll, so schätzt man heute, etwa 70 Millionen kosten, dazu steuert das Land etwa 20 Prozent bei. Einfach gesagt: Am See werden in den nächsten Jahren etwa 120 Millionen Euro verbaut, nach derzeitiger Entwicklung der Baukosten wird es wohl noch einiges mehr werden.

Im alten Hallenbad findet sich nämlich die wunderbare Ausgestaltung durch Hubert Berchtold. Erfreulicherweise überlegt die Stadt, zumindest einen Teil davon in irgendeiner Form für den Neubau zu retten.

Nun gibt es eine Verordnung des Landes, dass bei Hochbauten ein Prozent der Nettoerrichtungssumme für Kunst bereitzustellen sei. Jedenfalls bei Landesbauten, empfohlen aber durchaus auch bei anderen, vor allem öffentlichen Bauten. Nachdem das Land sowohl bei den Festspielen also auch beim Hallenbad mit bezahlt, sollte man annehmen, dass dieses Prinzip auch hier angewandt wird. Doch weit gefehlt. Von Kunst ist – zumindest bei bisherigen Vorstellungen der Projekte durch die Stadt – nicht die Rede. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall.

Im alten Hallenbad findet sich nämlich die wunderbare Ausgestaltung durch Hubert Berchtold. Erfreulicherweise überlegt die Stadt, zumindest einen Teil davon in irgendeiner Form für den Neubau zu retten. Der Großteil aber wird wohl der Spitzhacke zum Opfer fallen. Dass dafür Ersatz im oder am Neubau stattfinden könnte, ist bisher nicht ersichtlich. Da wird nur Altes zerstört, Neues kommt nicht dazu. Gleiches im Festspielhaus, da ist von Kunst überhaupt nicht die Rede. Immerhin: Ein Prozent von 120 Millionen wäre ja eine schöne Summe für die Kunst. Aber leider: wäre. Denn es wird nichts geben. Und das ausgerechnet bei einem Kulturbau.

Man darf schon die Frage stellen, warum es solche Empfehlungen des Landes gibt, wenn sie nicht einmal im öffentlichen Bereich, nicht einmal von der Stadt angewendet werden, nicht einmal dort, wo das Land auch noch mit bezahlt. Aufgrund der Bausumme wären hier immerhin gut eine Million für die Kunst zu reservieren gewesen. Es ist aber wie so oft: Die Baubranche boomt, die Kunst schaut durch die Finger.

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.