Gericht: Mit Regenschirm gegen die Polizei

Vorarlberg / 05.07.2022 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Mit Regenschirm gegen die Polizei
Der Mann saß nicht als Angeklagter, sondern als “Betroffener” vor Gericht. Eckert

Ausraster wegen Alkohol und Psychose bescherten 60-Jährigem einen Prozess.

Feldkirch Fünf Monate lang war der 60-jährige Pensionist im Landeskrankenhaus Rankweil, seit Februar wohnt er in einer sozialen Unterkunft. Die Betreuung dort funktioniere sehr gut, so der Verteidiger des Mannes beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Der Rentner ist nicht Angeklagter, sondern Betroffener. Es ist kein normales Strafverfahren, dem er sich stellen muss, sondern ein Unterbringungsverfahren. Bei den beiden Vorfällen, um die es geht, war er nämlich nicht zurechnungsfähig. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft beantragt, dass er nicht bestraft, sondern in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden soll.

Küchenmesser in der Hand

Im August vergangenen Jahres sollte der Mann wegen akuter Fremd- und Selbstgefährdung in die Psychiatrie nach Rankweil gebracht werden. Doch er weigerte sich, leistete Widerstand und nahm zwei Küchenmesser in die Hand. Die Oberländer Polizisten drohten mit Pfeffersprayeinsatz. Plötzlich warf der psychisch Beeinträchtigte einen Regenschirm nach den Einsatzkräften. Diese sprangen zur Seite. Dann führte kein Weg mehr am Pfefferspray vorbei. Der Mann wurde überwältigt. Rechtlich ging es bei dem Vorfall um versuchten Widerstand gegen die Staatsgewalt und versuchte schwere Körperverletzung.

Mit spitzer Zange gedroht

Der nächste Vorfall ließ nicht lange auf sich warten. Im September gab es Ärger mit dem Vermieter, dabei ging es um die Aushändigung eines Zweitschlüssels. Der Mieter drohte dem Vermieter zwar nicht direkt, doch zu einem Bekannten sagte der Verärgerte: „Wenn der mir den Schlüssel nicht gibt, steche ich ihm beide Augen aus“. Dabei hielt der psychisch Kranke seinem Bekannten eine spitze Zange vor die Augen. So schildert jedenfalls Staatsanwalt Johannes Hartmann die beiden Vorfälle. Nach mehrstündiger Verhandlung fällt der Senat dann ein Urteil.

Einweisung unter Auflagen

Die Voraussetzungen für eine Einweisung sind erfüllt. Bei den Vorfällen lag eine Persönlichkeitsstörung, chronische Alkoholabhängigkeit und eine bipolar-affektive Psychose vor. Letztere zeichnet sich dadurch aus, dass manische und depressive Phasen einander abwechseln. Da der Mann seit einiger Zeit stabil ist, kann er in Freiheit bleiben, muss sich aber entsprechend der gerichtlichen Weisung regelmäßigen Kontrollen unterziehen, seine Arznei einnehmen und weitere Voraussetzungen erfüllen. Hält er sich nicht daran, muss er doch in eine Anstalt. Das Urteil ist rechtskräftig.