Warum LH Wallner Schweizer Atommülllagerpläne so nicht will

Vorarlberg / 13.09.2022 • 16:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Warum LH Wallner Schweizer Atommülllagerpläne so nicht will

Der Landeshauptmann fordert eine überregionale Umweltverträglichkeitsprüfung für vorgesehenen Standort.

Bregenz, Zürich Die Nachricht hat das Land Vorarlberg aufgeschreckt: Die Schweiz hat den Standort eines künftigen Atommüllendlagers bestimmt. Er liegt in der Region Nördlich Lägern, die sich über die Kantone Zürich und Aargau erstreckt, nur 100 Kilometer entfernt von der Landesgrenze.

An dieser Stelle im Ort Stadel ist das Atommüllendlager für Schweizer Kernkraftwerke vorgesehen. <span class="copyright">Reuters</span>
An dieser Stelle im Ort Stadel ist das Atommüllendlager für Schweizer Kernkraftwerke vorgesehen. Reuters

Während sich Antiatomkraftaktivistin und Russ-Preisträgerin Hildegard Breiner (86) sowie Umweltlandesrat Daniel Zadra (37, Grüne) bereits sehr skeptisch zum Standort geäußert haben, hat sich nun auch Landeshauptmann Markus Wallner (55, ÖVP) zu Wort gemeldet.

Grundwasserströme

Wallner richtet diesbezüglich eine klare Forderung an die Schweizer. “Ich will und kann mich zur Eignung dieses Standorts zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern, aber ich fordere eines, und das ist eine überregionale Umweltverträglichkeitsprüfung, in die auch wir eingebunden sind.” Aus Sicht des Vorarlberger Landeshauptmanns kann es nicht sein, dass die Schweiz allein die Entscheidung über den Standort eines Atommüllendlagers trifft. “Wenn da etwas schiefläuft, dann ist ja nicht nur die Schweiz betroffen, sondern auch die Nachbarländer”, argumentiert Wallner. Er gibt zu bedenken, dass man in diesem Gebiet vor allem die Grundwasserströme genau analysieren müsse. “Alles, was da in die Umwelt geraten könnte, hätte schließlich große Auswirkungen.”

Ich fordere eine überregionale Umweltverträglichkeitsprüfung, in die wir eingebunden sind.”

Markus Wallner, Landeshauptmann

Absage an Kernenergie

Sicherheitslandesrat Christian Gantner (41, ÖVP) äußert sich zur Schweizer Standortentscheidung für das Atommüllendlager ebenfalls reserviert. “Diese Entscheidung ist zu respektieren, aber es müssen dort auch im Interesse Vorarlbergs höchste Sicherheitsstandards umgesetzt werden”, betont Gantner. Er unterstreicht einmal mehr, dass Vorarlberg die Nutzung der Kernkraft für Energiezwecke konsequent ablehne und auf den Ausbau erneuerbarer Energieträger setze. Entsprechende Maßnahmen zur Langzeitsicherheit des Tiefenlagers seien daher von essenzieller Bedeutung, macht Gantner deutlich.

Langes Procedere

Bis ein Atommüllendlager errichtet werden könnte, sind jedoch auch in der Schweiz noch einige Hürden zu nehmen. Erst müssen entsprechende Bauunterlagen erarbeitet und eingereicht werden. Das könnte bis 2024 passieren. Mit einer Genehmigung des Projekts rechnet das Bundesamt für Energie (BFE) um das Jahr 2030 herum. Schließlich muss das Vorhaben nicht nur von Regierung und Parlament abgesegnet, sondern auch zu einer Volksabstimmung vorgelegt werden. Mit einer Inbetriebnahme des Endlagers wäre nicht vor 2050 zu rechnen.