“Die gesetzten Ziele müssen auch umgesetzt werden”

Vorarlberg / 11.11.2022 • 07:00 Uhr
Johannes Hartmann investiert viel Zeit für die Demoplanung und andere Aktionen. <span class="copyright">Hartmann</span>
Johannes Hartmann investiert viel Zeit für die Demoplanung und andere Aktionen. Hartmann

Fridays for Future Organisator Johannes Hartmann zum Klimagipfel.

Schwarzach Der Vorarlberger Johannes Hartmann organisiert schon seit fast drei Jahren im Ländle die Demonstrationen für Fridays for Future (FFF). Angesichts des Klimagipfels haben die VN dem 26-Jährigen ein paar Fragen diesbezüglich gestellt.

Johannes Hartmann kommt aus Schoppernau und studiert in Wien. <span class="copyright">STEURER</span>
Johannes Hartmann kommt aus Schoppernau und studiert in Wien. STEURER

Was erwarten Sie sich vom Klimagipfel?

Das ist eine schwierige Frage, weil erwarten und erhoffen sind zwei verschiedene Dinge. Ich erwarte, dass die Zielsetzungen erneuert werden und verpflichtende Abkommen zustande kommen. Ich erhoffe mir, dass es nicht nur bei den Worten bleibt, sondern es auch umgesetzt wird, sodass es funktioniert.

Ist der Klimagipfel das richtige Format, um gewichtige Klimapolitik zu machen?

Ein internationales Treffen ist auf jeden Fall notwendig. Es hat sich 2015 gezeigt, dass der Klimagipfel das Potenzial hat, weitreichend wichtige Dinge zu sehen und festzuhalten. Er ist aber nicht geeignet – wie es sich gezeigt hat – dass die Umsetzung zustande kommt. Das müssen die Länder selbst machen. Es ist kein Druckmittel da. Diese Zielsetzung allein hat nicht die Wirkung. Es braucht zusätzliche Entscheidungen auf internationaler Ebene.

Denken Sie, dass der Ernst der Lage von den Menschen erkannt wird?

Ich glaube, einem Großteil der Menschen, zumindest bei uns hier, ist es bewusst. Die wenigsten wissen aber, wie schlimm es wirklich ist. Sie wissen, dass es ein Problem ist, aber sie haben sich nicht die Berichte durchgelesen, was auf uns zukommt, wenn wir so weitermachen.

Welche Ergebnisse wären denn wünschenswert?

Eins, das ich mir wünsche – oder wir von FFF – ist, dass Länder des globalen Nordens, da gehört auch Österreich dazu, den Ländern helfen, die die Krise mehr betrifft. Denn die meisten Emissionen finden im globalen Norden statt und leiden tun die Länder im Süden. Dafür müssen sie Verantwortung übernehmen und die anderen Nationen mit Zahlungen zum Beispiel unterstützen.

Verstehen Sie die Aufregung rund um die Proteste, auch die kürzlichen Aktionen mit den Gemälden?

Ich verstehe beide Seiten. Ich verstehe, dass Leute so verzweifelt sind, weil nichts passiert und Schritte machen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Aber ich verstehe, dass manche Menschen bestimmte Formen von Aktivismus stören und dass diese Formen manchmal zu hinterfragen sind. Ich finde es schade, dass darüber geredet wird, ob die Form in Ordnung ist, wobei das wichtige Thema die Bewältigung der Klimakrise wäre.

Was müsste auf Bundesebene passieren?

Was jetzt das Allerwichtigste ist, dass wir ein Klimaschutzgesetz bekommen. Seit fast 700 Tagen haben wir in Österreich keines. Das ist eines der wichtigsten Gesetze. Es würde Klimaziele für das Land und deren Erreichung näherrücken.

Wie sieht es in Vorarlberg aus? Was könnte man hier machen?

In Vorarlberg haben wir nach wie vor den großen Problemsektor Mobilität. Es braucht meiner Meinung nach eine grundsätzliche Bearbeitung des Mobilitätskonzepts und Einbettung des Konzepts in das Pariser Abkommen. Was aber gut ist, ist der Fahrradsektor. Da ist schon einiges passiert. Man könnte es aber noch ausbauen.