Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Kinder wären klüger

Vorarlberg / 07.12.2022 • 10:29 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Mann trägt eine schwarze Jacke über einer schwarzen Hose und schwarzen Schuhen. Seine Mütze ist – richtig – schwarz. Als ihn die junge Frau an diesem verregneten späten Abend beinahe überfährt und gerade noch ein bemerkenswertes Bremsmanöver zuwege bringt, reckt er die Faust in die Höhe und schreit ihr ein paar Wörter zu, die hier nicht wiedergegeben werden, weil unter Umständen ja auch Minderjährige die Zeitung lesen.

Apropos Minderjährige: Kleine Kinder täten das nie. Den Kindern setzen wir lustige Mützchen auf und hüllen sie in bunte Farben. Ihre Rucksäcke strotzen nur so von Reflektoren. Sie stehen am Straßenrand, schauen links, schauen rechts, dann halten sie die Hand in die Höhe. Sie mustern mit weiten offenen Augen ihre Umgebung und mümmeln nicht unter Kapuzen und dicken Schals in sich hinein. Sie laufen auch nicht handylesend einfach los, nur weil es ihnen gerade in den Sinn kommt. Täten sie es doch, dann würde es die elterliche Nachschulung in sich haben. Jedenfalls in der Mehrzahl der Fälle.

Wann also ereignet sich dieser Bruch im Heranwachsen? Gut, irgendwann wird aus Klein Groß, dann verlieren viele ihre Unbeschwertheit und das vorbehaltlose Wandern durch die Welt weicht einem zögerlichen Schritt. All das ist wahr. Aber dass manche eines Tages auch all ihren Verstand abschütteln, als wäre da nie was gewesen, ist schon erstaunlich.

Thomas Matt

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