Warum mehr Menschen sterben

Vorarlberg / 06.02.2023 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Hohe Zahl hat eher mit Bevölkerungsgröße und Alterung zu tun als mit Corona.

SCHWARZACH In Vorarlberg hat es im vergangenen Jahr 3535 Sterbefälle gegeben. Ein Blick auf die Entwicklung seit 1946 zeigt, dass das so viele in einem Jahr waren wie noch nie.

Große Abweichung

Vor allem aber handelte es sich auch um mehr als in den ersten beiden Corona-Jahren 2020 und 2021. Und: In keinem anderen Bundesland kam es zu einer so großen Abweichung gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Vor-Corona-Jahre. Gegeben hat es freilich überall eine.

Warum mehr Menschen sterben

Was sind die Gründe dafür? Auch außerhalb Österreichs wird ein ähnliches Phänomen festgestellt, etwa auch in Deutschland und in der Schweiz wird Ursachenforschung betrieben: Hat es mit der Pandemie zu tun? Könnte es sein, dass nicht nur Menschen an oder mit Corona gestorben sind, sondern dass sich darüber hinaus zum Beispiel in Lockdowns vernachlässigte Gesundheitsvorsorge verhängnisvoll auswirkt?

Die Antwort scheint banaler zu sein. Besonders in Vorarlberg gibt es schon länger ein starkes Bevölkerungswachstum. In Verbindung mit einer deutlichen Alterung führt das zu einer beschleunigten Zunahme der Sterbefälle. Alexander Wisbauer von der Statistik Austria bestätigt, dass man vor diesem Hintergrund bereits 2019, als von Corona noch keine Rede war, prognostiziert hat, dass es hierzulande 2022 um rund acht Prozent mehr Sterbefälle geben könnte als in der Bezugsperiode 2015 bis 2019 im Schnitt pro Jahr.

Das würde die große Zahl im vergangenen Jahr zur Hälfte erklären. Gekommen ist es zu einem Plus von 16,5 Prozent. Weniger folgenreich wäre demnach Corona gewesen. 148 Sterbefälle werden aufgrund einer bestätigten Infektion unmittelbar mit der Pandemie in Verbindung gebracht. Das würde die Zunahme der Gesamtzahl zu einem kleineren Teil erklären. Dazu kam, dass in Hitzeperioden im Sommer und viel mehr noch in der Grippewelle im Dezember sehr viele Männer und Frauen gestorben sind.

Das sind beides Ereignisse, die immer wieder zu einer Übersterblichkeit führen. „In Phasen mit 30 Grad und mehr reicht es oft schon aus, wenn Angehörige nicht darauf achten, dass Gebrechliche genug trinken“, betont der Gesundheitsexperte Armin Fidler. Für diese Menschen könne das schnell lebensbedrohlich werden. Und bei der Grippe sieht er das Problem, dass hierzulande nur sehr wenige Personen geimpft sind im internationalen Vergleich. Dadurch komme es zu mehr schweren Erkrankungen.

Dass Sterbefälle auf eine eingeschränkte Gesundheitsversorgung in den Lockdowns zurückzuführen sind, glaubt Fidler nicht. Notwendige Behandlungen hätten immer stattgefunden, Untersuchungen hätten sich verzögert und Wahleingriffe seien lediglich verschoben worden: „Wenn eine Knieoperation vorgesehen war, wurde sie nach zwei Monaten nachgeholt. Dass jemand deswegen gestorben ist, halte ich für ausgeschlossen.“

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