“Wir haben noch viel zu tun”

Vorarlberg / 16.06.2023 • 20:57 Uhr
Das Achtal bleibt ein Thema für den Fahrradverkehr.VN/GER
Das Achtal bleibt ein Thema für den Fahrradverkehr.VN/GER

Landesrat Daniel Zadra über die brisanten Radverkehrsthemen der jüngsten Zeit.

Bregenz Das Thema Fahrradfahren bewegt die Vorarlberger. Das zeigten die zahlreichen Leserbriefe in diesem Zusammenhang. Ob Achtalweg, Pipeline, Radtunnel oder die Sicherheit im Allgemeinen, es gibt Diskussionsbedarf. Das sieht auch Mobilitäts- und Klimalandesrat Daniel Zadra so und stellte sich ihm im VN-Interview.

 

Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sind die Vorarlberger die fleißigsten Radfahrer in Österreich. Passiert beim Ausbau genug?

Zadra Beim Modal Split handelt es sich um die Aufteilung, mit welchen Verkehrsmitteln Wege zurückgelegt werden. Da lagen wir beim Fahrrad bei 16 Prozent, ein Spitzenwert in Österreich. Unser Ziel ist es, bis 2030 auf 21 Prozent zu kommen. Das klingt nach wenig, ist aber tatsächlich eine Riesenaufgabe. Es braucht ein Maßnahmenbündel. Stark im Fokus steht immer der Ausbau der Radinfrastruktur. Es geht auch um die Verbesserung der bestehenden Infrastruktur und die Sicherheit im Mischverkehr. Etwas ausgeblendet, aber mindestens so wichtig ist die Radkultur. Welches Image hat das Rad? Ich bin stolz auf die Vergangenheit, aber wir haben noch viel zu tun.

 

Schon lange wird über eine Radverbindung zwischen Bregenzerwald und Rheintal diskutiert. Nun kam auch wieder ein Weg durch das Achtal als eine von zwei Varianten ins Spiel. Die Grünen sahen das immer kritisch. Woher kommt der Sinneswandel?

Zadra Die Verbindung des Bregenzerwaldes ins Rheintal, auch mit einer guten Radweganbindung, ist für mich ein Herzensanliegen. Radwege und Radinfrastruktur sind mittlerweile auch ein Standortfaktor. Bei der Verbindung Bregenzerwald-Rheintal gibt es eine sehr lange Geschichte, die bis in die 1980er-Jahre zurückgeht. Die gesamte Schlucht ist unter Natura-2000-Schutz gestellt worden. Gleichzeitig hat es auch schon Überlegungen über eine Radwegverbindung gegeben. Die Diskussionen ziehen sich bis heute. Mir ist ein besonderes Anliegen, dass ich jeden Schritt mit der Regio Bregenzerwald abgesprochen habe. Die Gretchenfrage ist eine rechtliche: Natura-2000-Gebiet und Radverbindung, ist das kompatibel? Das möchte ich klären. Wenn wir dieses Gutachten haben, können wir das ein für alle Mal beantworten und dann auch Entscheidungen treffen.

Bis wann ist damit zu rechnen?

Zadra Wir gehen davon aus, dass es noch vor dem Sommer beauftragt wird. Bis Ende des Jahres sollte es vorliegen.

 

Für Aufsehen sorgt die fehlende Beleuchtung wegen des Insektenschutzes an dem neu geschaffenen Abschnitt der Pipeline in Bregenz. Darf nun beleuchtet werden?

Zadra Das Verfahren bei der Bezirkshauptmannschaft Bregenz läuft. Es hat sich offenbar die Norm im Oktober geändert, was Lichtverschmutzung anbelangt. Grundsätzlich ist das begrüßenswert. Aber wir haben eine internationale Bahnlinie, die teilweise beleuchtet ist, wir haben eine Straße, die beleuchtet ist, wir haben besiedelten Raum gleich danach. Ich hoffe schon, dass man da im Sinne der Radfahrerinnen und Radfahrer eine Lösung findet, die eine Beleuchtung zumindest in den frühen Nachtstunden zulässt.

 

Blicken wir auf die Radschnellverbindung Vorderland/amKumma. Bis 2028 soll der Bau umgesetzt werden, Blickfang ist der geplante Radtunnel im Bereich des Sattelbergs. Was ist der aktuelle Stand?

Zadra Wir sind im Zeitplan. Es benötigt eine gute Vorbereitung. Wir haben eine starke Agglomeration mit 65.000 Einwohnern. Die Verbindung gelingt bisher nur mit großen Umwegen im Mischverkehr. Das ist nicht das attraktive Netz, das wir brauchen, damit die Menschen auf das Rad umsteigen. Ich rede da vom täglichen Pendelverkehr. Wir wollen eine Radschnellverbindung. Ich brauche nicht ständig Ampelanlagen, bei denen ich absteigen und wieder neu anfahren muss. Ziel ist, auf gewissen Strecken mit dem Rad schneller als mit dem Auto zu sein. Und nun kommt der Clou.

 

Und zwar?

Zadra Es gibt eine Bundesförderung, aber auch die Schweiz bezahlt mit. Das ist ein Novum: Die Schweiz zahlt auf österreichischem Boden bei Radprojekten mit. Ganz konkret auch bei diesem Fall die Strecke Koblach, weil die Schweiz einen Nutzen für die Zukunft sieht. Da Angestellte hin und her fahren, da es einen Freizeitverkehr und einen regen Austausch gibt. Es handelt sich um das Aggloprogramm. Das Schweizer Rheintal hat sich mit dem Vorarlberger Rheintal in einem Verein zusammengeschlossen und Geld in Bern beantragt. Wir haben das vor einigen Monaten zugesprochen bekommen. Leuchtturmprojekt ist die Verbindung Au –Lustenau, die neue Radbrücke über den Rhein. Aber nicht nur das. Wir bekommen Geld aus Bern, wir bekommen Geld aus Wien, das ist schön. Wir brauchen allerdings auch immer eine Erhöhung der Landesmittel gleichermaßen.

 

Zuletzt gab es mehrere schwere, sogar tödliche Unfälle. Sehen Sie Handlungsbedarf?

Zadra Absolut. Wir kennen die neuralgischen Punkte. Ich muss da im Einklang mit dem Landesstraßenbauamt und den dortigen politischen Verantwortlichen arbeiten. Zwei Unfallhäufungsstellen können wir dieses Jahr sicher entschärfen. Das ist zum einen beim Ried. An der Autobahnabfahrt Lauterach gibt es eine sehr gefährliche Stelle. Die entschärfen wir mit einer Ampelanlage und einer Mittelinsel. Die zweite ist beim McDonald’s im Dornbirner Schwefel. Dort werden wir im Zuge einer Belagsanierung eine Entschärfung schaffen.

 

Wie kann das Zusammenspiel auf der Straße denn besser klappen?

Zadra Es gibt nicht mehr den Fahrradfahrer, sondern wir haben unterschiedliche Nutzerinteressen. Das Kind, der Rennradfahrer, der Genussradler, der Kiki, das Lastenrad, die Elektroroller und die E-Biker, die auf 26 km/h durchfahren. Das braucht Platz. Darum bauen wir Radschnellverbindungen, und diese viereinhalb Meter breit. Weil wir es nicht auf die Vergangenheit auslegen, sondern auf die Zukunft.

An der neuen Pipeline fehlt teilweise die Beleuchtung.VN/Paulitsch
An der neuen Pipeline fehlt teilweise die Beleuchtung.VN/Paulitsch
Landesrat Daniel Zadra setzt sich für den Radverkehr ein. VN/Hartinger
Landesrat Daniel Zadra setzt sich für den Radverkehr ein. VN/Hartinger