„Wir sind keine Rosinenpicker!“ 

Vorarlberg / 12.07.2023 • 15:15 Uhr
„Wir sind keine Rosinenpicker!“ 
Wahlärztesprecher Lukas Kraus: “Die Patienten schätzen unsere Leistungen.” Ärztekammer

Ärztekammer ließ Zufriedenheit mit Gesundheitssystem und Wahlärzten erheben. 

Dornbirn Die Diskussion um die Versorgungswirksamkeit von Wahlärzten für das öffentliche Gesundheitssystem ist zum Dauerbrenner geworden. Immer wieder einmal poppt sogar die Forderung nach Abschaffung auf. „Absurd“, nannte sie Ärztekammerpräsident Burkhard Walla bei einer Pressekonferenz. Er stellte klar: „Die Kassenmedizin ist auf die Wahlärzte angewiesen.“ Ohne sie wäre die Patientenversorgung in der Niederlassung kaum mehr möglich.

„Wir sind keine Rosinenpicker!“ 

Der Kritik, die unter anderem auch aus Kreisen der Sozialversicherung kommt, hält die Ärztekammer nun eine Patientenumfrage entgegen, laut der es insgesamt eine hohe Zufriedenheit für die medizinische Versorgung im Land gibt. Das gilt auch für die Wahlärzte, denen die Befragten ein gutes Zeugnis ausstellten und daher eine Abschaffung für nicht gerechtfertigt halten. „Die Bevölkerung will eine Vielfalt in der Versorgung“, adressierte der Ärztekammerpräsident an die Politik.  

„Wir sind keine Rosinenpicker!“ 

Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung nehmen der Umfrage zufolge die Dienste von Wahlärzten in Anspruch. Die Gründe sind vielfältig. Am meisten genannt wurde: „Ich fühle mich in guten Händen.“ Ebenfalls häufig genannte Argumente waren die rasche Terminvergabe sowie die fachliche Kompetenz im Sinne eines Spezialisten. Mehr als 80 Prozent der Befragten zeigten sich mit der Behandlung zufrieden.

„Wir sind keine Rosinenpicker!“ 

Besser könnte nach Meinung der Patienten jedoch die Rückerstattung der Wahlarztkosten durch die Sozialversicherung sein. Zwei Drittel bemängelten die Höhe als zu niedrig. Ebenfalls zwei Drittel halten die Missbilligungen am Wahlarztsystem für überzogen.  

„Wir sind keine Rosinenpicker!“ 

Lukas Kraus ist Dermatologe, seit fünf Jahren Wahlarzt in Dornbirn und seit einem Jahr Wahlärztesprecher in der Ärztekammer. In die Niederlassung ging er, weil ihm die Karrieremöglichkeiten am Krankenhaus zu unscharf waren. Kraus hätte liebend gern eine Kassenstelle übernommen, bekam jedoch keine. Deshalb entschied er sich für eine Tätigkeit als Wahlarzt. „Die Patienten schätzen unsere Leistungen“, berichtete er aus der Praxis. Ihre Stimmen sollten gehört werden, statt permanent die Wahlärzte schlecht zu machen. Er verbat sich den Ausdruck „Rosinenpicker“, mit dem seine Zunft des Öfteren bedacht wird. Die Idee, Wahlärzte abzuschaffen, hält er für nicht durchdacht und schon gar nicht gerechtfertigt. 

„Wir sind keine Rosinenpicker!“ 

In Vorarlberg wurden seit 2012 mehr als 30 Kassenstellen finanziert. Damit ist vorerst Schluss, denn das Budget der Krankenkasse ist gedeckelt. „In diesem Jahr können keine zusätzlichen Stellen geschaffen werden“, sagte Burkhard Walla. Dennoch braucht es solche, um die Basisversorgung aufrechtzuerhalten. Dass immerhin 15 Prozent mit der Gesundheitsversorgung hadern, führt Walla vorrangig auf die Probleme im Kassenbereich zurück, wo oft nur noch schwer Termine zu bekommen sind.

„Wir sind keine Rosinenpicker!“ 

Wahlärzte in Vorarlberg

Facharztbereich: 263 Wahlärzte, davon 256 in der Niederlassung, 107 arbeiten in einer Wahlarztpraxis und haben zusätzlich einen Dienstgeber wie etwa das Krankenhaus 

Allgemeinmedizin: 54 Wahlärzte in der Niederlassung, zwölf Allgemeinmediziner haben zusätzlich einen Dienstgeber 

Patientenbefragung: Durchgeführt vom Institut für Management & Marketing Lustenau im Mai 2023, Online-Befragung, 483 gültige Fragebogen kam in die Auswertung