Wohnkosten: Vorarlberg ist gewarnt

Vorarlberg / 02.02.2024 • 18:55 Uhr
In Vorarlberg ist in den letzten Jahren viel gebaut worden. Das ist ein Glück. Damit sind viele Wohnungen verfügbar. WIFO-Mann Klien sieht jedoch eine kritische Entwicklung. <span class="copyright">Foto: VN/Paulitsch</span>
In Vorarlberg ist in den letzten Jahren viel gebaut worden. Das ist ein Glück. Damit sind viele Wohnungen verfügbar. WIFO-Mann Klien sieht jedoch eine kritische Entwicklung. Foto: VN/Paulitsch

Stadt Salzburg zeigt: Werden Wohnkosten zu hoch, kommt es zu Abwanderung.

SCHWARZACH Der Dornbirner Michael Klien ist „der“ Wohnexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO. Als solcher hat er sich im Auftrag der Salzburger Arbeiterkammer gerade mit den Entwicklungen in dem Bundesland befasst. Besonderes für die Mozartstadt sind die Ergebnisse alarmierend: Die Wohnkosten sind so hoch geworden, dass es sich immer mehr Menschen nicht leisten können oder wollen, hier zu leben. Auch wenn in Vorarlberg einiges anders ist, ist es gewarnt, wie der 41-Jährige im Gespräch mit den VN bestätigt.

Im Land Salzburg sind die Wohnkosten weit überdurchschnittlich im bundesweiten Vergleich, die Einkommen jedoch eher nur durchschnittlich. Das bedeutet, dass den Leuten weniger übrig bleibt für sonstige Ausgaben. Im Mittel handelt es sich um 2379 Euro pro Haushalt und Monat, wie Klien ermittelt hat. In Vorarlberg ist Wohnen ebenfalls teuer, sind die Einkommensverhältnisse alles in allem aber besser, sodass unterm Strich mit 2557 Euro im Mittel etwas mehr herauskommt als in Salzburg.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Infogram angezeigt.

Die Extreme in Österreich bilden jedoch das Burgenland und Wien mit 2952 bzw. 1979 Euro. Dafür gibt es viele Gründe. Im Burgenland etwa sind die Wohnkosten niedrig, in Wien die Haushaltseinkommen; und zwar auch, weil es sich häufiger um Single-Haushalte handelt.

Die Problemlage in der Stadt Salzburg ist eine andere und sie trägt dazu bei, dass es im vergangenen Jahr sogar zu einem Bevölkerungsrückgang gekommen ist. Wohnen ist zu vielen Haushalten schlicht zu teuer geworden und es ist auch nichts Leistbares zu finden. Es kommt daher zu Abwanderung. Das ist ein Phänomen, das für einen urbanen Raum ungewöhnlich ist, wie Klien erklärt.

„Wohnen kann ein Hemmschuh für einen Wirtschafts- und Industriestandort sein, der dazu führt, dass nicht die Leute daherkommen, die es braucht“, sagt Michael Klien. <span class="copyright">Foto: WIFO</span>
„Wohnen kann ein Hemmschuh für einen Wirtschafts- und Industriestandort sein, der dazu führt, dass nicht die Leute daherkommen, die es braucht“, sagt Michael Klien. Foto: WIFO

In Vorarlberg gibt es nach wie vor ein Bevölkerungswachstum. Wohnraum ist zwar teuer, aber verfügbar und für viele erschwinglich. Zur Verfügbarkeit trägt laut Klien bei, dass in den vergangenen Jahren viel gebaut worden ist; und zur Leistbarkeit, dass nicht zuletzt auch aufgrund der Nähe der Schweiz und Liechtensteins alles in allem bessere Einkommensmöglichkeiten bestehen als in anderen Bundesländern.

„Wohnen kann ein Hemmschuh für einen Wirtschafts- und Industriestandort sein, der dazu führt, dass nicht die Leute daherkommen, die es braucht“, stellt Klien im Gespräch mit den VN fest. Diesbezüglich sieht er auch für Vorarlberg etwas, was seines Erachtens genauer analysiert gehört: „Dass es nicht gelungen ist, Lehrer aus dem Burgenland anzuwerben, hängt möglicherweise auch mit den Wohnkosten zusammen. Die Unterschiede sind brutal. Das sollte man sich anschauen.“

Die Wohnkostenunterschiede könnten Lehrerinnen und Lehrer davon abgehalten haben, vom Burgenland nach Vorarlberg zu wechseln, meint Klien. Die Unterschiede seien "brutal". <span class="copyright">Foto: APA</span>
Die Wohnkostenunterschiede könnten Lehrerinnen und Lehrer davon abgehalten haben, vom Burgenland nach Vorarlberg zu wechseln, meint Klien. Die Unterschiede seien "brutal". Foto: APA

Die Studie liefert eine Ahnung zu den Unterschieden: Die durchschnittliche Wohnkostenbelastung bei einer 60-Quadratmeter-Mietwohnung beträgt im Burgenland 515 Euro. Das sind um fast 400 Euro weniger als in Vorarlberg, für das eine Belastung von 900,50 Euro ausgewiesen wird. Sprich: Damit ein Wechsel rein finanziell attraktiv ist, muss das Einkommen hier schon viel höher sein.