Er brachte die Oesterreich zum Verschrotten – heute steht er wieder am Steuer

Für Oesterreich-Kapitän Fritz Köchle war Schifffahrt Sprungbrett in die große weite Welt.
Hard “Pension? – da mache ich mir noch keine Gedanken, solange es Spaß macht, die Oesterreich über den See zu steuern und den begeisterten Fahrgästen das stolze Schiff zu erklären. Offiziell bin ich ja längst, geringfügig beschäftigter’ Pensionist”, stellt Kapitän Fritz Köchle klar. Er hat die letzten Fahrgäste einer stimmungsvollen Abendfahrt verabschiedet, auch der Großteil der Crew ging schon von Bord. “Gibt es noch einen Kaffee?”, fragt er die Kollegin von der Bord-Gastronomie. Gibt es noch!

Maritime Regel und Tradition
Genau das Richtige, um abzuwarten, bis er als Letzter das Schiff verlassen könne, schmunzelt der Käpt’n in Anlehnung an die bekannte maritime Regel und Tradition, die in vielen Ländern – etwa in der Schweiz – sogar gesetzlich verankert ist. Gilt vor allem für Hochseeschifffahrt, wo sie immer wieder in spektakuläre Strafprozesse mündet. Etwa 2012 nach dem Costa-Concordia-Untergang im Mittelmeer.

Besondere Bedeutung
Derartiges ist auf dem Bodensee zwar nur theoretisch, für Fritz Köchle hatte es aber eine andere, ganz besondere Bedeutung: Am 4. Oktober 2009 steuerte er nach der letzten Kursfahrt die Oesterreich zum Verschrotten in die Fußacher Werft und ging dort im wahrsten Sinne des Wortes als Letzter von Bord. Für fast zehn Jahre, in denen die Zukunft des Schiffs am seidenen Faden hing. Nach der Rettung und Restaurierung war er am 6. März 2019 bei den Ersten, die zur ersten Probefahrt an Bord kamen, und übernahm wieder das Steuer.

Der Kreis schloss sich
Damit schloss sich der Kreis, erzählt er beim Feierabend-Kaffee im Salon der Oesterreich. “Begonnen hat alles in der ÖBB-Werkstätte in Bludenz, aber das war nicht meine Welt. Lärm, Staub, die Enge der Werkstatt – mir war klar, dass ich das nicht das ganze Leben machen möchte. Damals habe ich ernsthaft überlegt, Dachdecker oder Ähnliches zu erlernen, ich wollte einfach raus”, erinnert er sich fast amüsiert an seine Berufspläne. Als sein Bruder den Tipp gab, dass bei der Schifffahrt Personal gesucht werde, zog er 1978 als ausgelernter Maschinenschlosser nach Bregenz. “Die übliche Karriereleiter: erst beim ‚Bodenpersonal‘ an Land, dann Bootsmann, Schiffsmatrose, Schiffskassier, Steuermann. 2013 ging ich regulär in Alterspension, um nach ein paar Jahren Pause auf die Oesterreich zurückzukehren.”

Eine echte Königsidee
“Rückblickend kann ich sagen, es war die beste Entscheidung – jetzt hatte ich nicht nur meinen Traumjob an der frischen Luft, war ständig unter Menschen, sondern auch die Chance, im Winter-Zeitausgleich und mit dem Freifahrtschein per Bahn ganz Europa zu bereisen. Später ging es dann noch weiter hinaus – Marokko, Kuba, Florida, Indien, Seychellen … In der Karibik habe ich dann auch meine Frau kennengelernt. Und zu meinem Hobby Reisen habe ich jetzt auch noch die Oesterreich.”
Zur Person
Fritz Köchle
Geburtstag 8. März 1960
Wohnort Bregenz
Beruf Pensionist, Kapitän
Familie seit 1988 mit Carmen verheiratet, ein Sohn, eine Tochter
Lebensmotto Leben und leben lassen


