Er brachte die Oesterreich zum Verschrotten – heute steht er wieder am Steuer

Vorarlberg / 21.05.2026 • 10:00 Uhr
In seiner jahrzehntelangen Kapitänszeit hat Fritz Köchle unzählige Male in Bodensee-Häfen angelegt, im Hafen der Ehe ist er mit seiner Carmen aber schon vor fast 40 Jahren in der Karibik gelandet.
In seiner jahrzehntelangen Kapitänszeit hat Fritz Köchle unzählige Male in Bodensee-Häfen angelegt, im Hafen der Ehe ist er mit seiner Carmen aber schon vor fast vierzig Jahren in der Karibik gelandet.stp

Für Oesterreich-Kapitän Fritz Köchle war Schifffahrt Sprungbrett in die große weite Welt.

Hard “Pension? – da mache ich mir noch keine Gedanken, solange es Spaß macht, die Oesterreich über den See zu steuern und den begeisterten Fahrgästen das stolze Schiff zu erklären. Offiziell bin ich ja längst, geringfügig beschäftigter’ Pensionist”, stellt Kapitän Fritz Köchle klar. Er hat die letzten Fahrgäste einer stimmungsvollen Abendfahrt verabschiedet, auch der Großteil der Crew ging schon von Bord. “Gibt es noch einen Kaffee?”, fragt er die Kollegin von der Bord-Gastronomie. Gibt es noch!

Ein „Seebär“ wie aus dem Bilderbuch: 1978 heuerte Fritz Köchle bei der Schifffahrt an, nach einer kurzen Pause kehrte er 2019 auf die Oesterreich zurück. PETER STRAUSS
Ein “Seebär” wie aus dem Bilderbuch: 1978 heuerte Fritz Köchle bei der Schifffahrt an, nach einer kurzen Pause kehrte er 2019 auf die Oesterreich zurück. stp

Maritime Regel und Tradition

Genau das Richtige, um abzuwarten, bis er als Letzter das Schiff verlassen könne, schmunzelt der Käpt’n in Anlehnung an die bekannte maritime Regel und Tradition, die in vielen Ländern – etwa in der Schweiz – sogar gesetzlich verankert ist. Gilt vor allem für Hochseeschifffahrt, wo sie immer wieder in spektakuläre Strafprozesse mündet. Etwa 2012 nach dem Costa-Concordia-Untergang im Mittelmeer.

Hunderten begeisterten Gästen hat er beim Tag der offenen Tür stolz sein Schiff vorgestellt – und nach getaner Arbeit spielte Fritz Köchle in der „Nachspielzeit“, auch noch „Gastgeber“, der Festbesuchern, die noch nicht genug hatten, eine Stärkung serviert und aus seinem Leben, über die Oesterreich und den Bodensee erzählte.
Hunderten begeisterten Gästen hat er beim Tag der offenen Tür stolz sein Schiff vorgestellt – und nach getaner Arbeit spielte Fritz Köchle in der “Nachspielzeit” auch noch “Gastgeber”, der Festbesuchern, die noch nicht genug hatten, eine Stärkung serviert und aus seinem Leben, über die Oesterreich und den Bodensee erzählte.stp

Besondere Bedeutung

Derartiges ist auf dem Bodensee zwar nur theoretisch, für Fritz Köchle hatte es aber eine andere, ganz besondere Bedeutung: Am 4. Oktober 2009 steuerte er nach der letzten Kursfahrt die Oesterreich zum Verschrotten in die Fußacher Werft und ging dort im wahrsten Sinne des Wortes als Letzter von Bord. Für fast zehn Jahre, in denen die Zukunft des Schiffs am seidenen Faden hing. Nach der Rettung und Restaurierung war er am 6. März 2019 bei den Ersten, die zur ersten Probefahrt an Bord kamen, und übernahm wieder das Steuer.

Natürlich habe er sich dafür interessiert, was aus „seiner“ Österreich - im Bild neben der alten Lindau, die tatsächlich verschrottet wurde - werden würde, dass er aber eines Tages wieder Kapitän auf dem original restaurierten Schiff sein würde, daran dachte Fritz Köchle nicht einmal im Traum.
Natürlich habe er sich dafür interessiert, was aus “seiner” Oesterreich – im Bild neben der alten Lindau, die tatsächlich verschrottet wurde – werden würde, dass er aber eines Tages wieder Kapitän auf dem original restaurierten Schiff sein würde, daran dachte Fritz Köchle nicht einmal im Traum.stp

Der Kreis schloss sich

Damit schloss sich der Kreis, erzählt er beim Feierabend-Kaffee im Salon der Oesterreich. “Begonnen hat alles in der ÖBB-Werkstätte in Bludenz, aber das war nicht meine Welt. Lärm, Staub, die Enge der Werkstatt – mir war klar, dass ich das nicht das ganze Leben machen möchte. Damals habe ich ernsthaft überlegt, Dachdecker oder Ähnliches zu erlernen, ich wollte einfach raus”, erinnert er sich fast amüsiert an seine Berufspläne. Als sein Bruder den Tipp gab, dass bei der Schifffahrt Personal gesucht werde, zog er 1978 als ausgelernter Maschinenschlosser nach Bregenz. “Die übliche Karriereleiter: erst beim ‚Bodenpersonal‘ an Land, dann Bootsmann, Schiffsmatrose, Schiffskassier, Steuermann. 2013 ging ich regulär in Alterspension, um nach ein paar Jahren Pause auf die Oesterreich zurückzukehren.”

Wenn Fritz Köchle – im Bild mit Weinprinzessin Michaela Wille – Seemannsgarn spinnt und aus fast 50 Jahren seiner Kapitänszeit erzählt, spart er auch einen kleinen Wehrmutstropfen nicht aus: „Schade, dass die Weinverkostungen auf dem Schiff nicht mehr stattfinden. Bodensee, Schifffahrt und Wein gehörten für mich irgendwie zusammen . . .“   
Wenn Fritz Köchle – im Bild mit Weinprinzessin Michaela Wille – Seemannsgarn spinnt und aus fast fünfzig Jahren seiner Kapitänszeit erzählt, spart er auch einen kleinen Wermutstropfen nicht aus: “Schade, dass die Weinverkostungen auf dem Schiff nicht mehr stattfinden. Bodensee, Schifffahrt und Wein gehörten für mich irgendwie zusammen …” stp

Eine echte Königsidee

“Rückblickend kann ich sagen, es war die beste Entscheidung – jetzt hatte ich nicht nur meinen Traumjob an der frischen Luft, war ständig unter Menschen, sondern auch die Chance, im Winter-Zeitausgleich und mit dem Freifahrtschein per Bahn ganz Europa zu bereisen. Später ging es dann noch weiter hinaus – Marokko, Kuba, Florida, Indien, Seychellen … In der Karibik habe ich dann auch meine Frau kennengelernt. Und zu meinem Hobby Reisen habe ich jetzt auch noch die Oesterreich.” STP

Zur Person

Fritz Köchle

Geburtstag 8. März 1960

Wohnort Bregenz

Beruf Pensionist, Kapitän

Familie seit 1988 mit Carmen verheiratet, ein Sohn, eine Tochter

Lebensmotto Leben und leben lassen

Ein emotionaler Moment: Fast zehn Jahre nach der letzten Fahrt mit der Oesterreich übernahm Fritz Köchle (li.) nach kurzer Einweisung durch Techniker der holländischen Spezialfirma Velden Marine Systems wieder das Steuer der Oesterreich.   
Ein emotionaler Moment: Fast zehn Jahre nach der letzten Fahrt mit der Oesterreich übernahm Fritz Köchle (li.) nach kurzer Einweisung durch Techniker der holländischen Spezialfirma Velden Marine Systems wieder das Steuer der Oesterreich. stp
Fritz Köchle – vor 48 Jahren heuerte er bei der Schifffahrt an und hat am Steuer der Oesterreich noch immer „unheimlich viel Spaß“. Keine Frage: den Hunderter des stolzen Schiffs und seinen beruflichen Fünfziger will er 2028 auf alle Fälle aktiv an Bord erleben . . .
Fritz Köchle – vor 48 Jahren heuerte er bei der Schifffahrt an und hat am Steuer der Oesterreich noch immer “unheimlich viel Spaß”. Keine Frage: den Hunderter des stolzen Schiffs und seinen beruflichen Fünfziger will er 2028 auf alle Fälle aktiv an Bord erleben …stp
„Wir sind froh, dass wir ihn haben“, zollt Oesterreich-Retter Jürgen Zimmermann seinem Kapitän Fritz Köchle - im Bild mit seinem Kollegen Felix Brandauer - höchstes Lob und ergänzt, dass „Fritz ein echter Glücksgriff wa, der großen Anteil an der Erfolgsgeschichte der Oesterreich hat.“
“Wir sind froh, dass wir ihn haben”, zollt Oesterreich-Retter Jürgen Zimmermann seinem Kapitän Fritz Köchle – im Bild mit seinem Kollegen Felix Brandauer – höchstes Lob und ergänzt, dass “Fritz ein echter Glücksgriff war, der großen Anteil an der Erfolgsgeschichte der Oesterreich hat.”stp