Rekordtiefstand des Bodensees und Fischsterben: Wie geht es weiter?

Im Bodensee fehlen hunderte Milliarden Liter Wasser. In vielen Bachbetten fehlt das Wasser vollständig. Erholung ist keine in Sicht.
Bregenz Mit Stand Dienstag war der Bodensee im Bregenzer Hafenbecken 315 Zentimeter tief. Normal wäre ein Wasserstand rund um 429 Zentimeter oder zumindest zwischen 323 und 541 Zentimetern. So wenig Wasser hatte der See damit Mitte Juli mindestens seit dem Messbeginn 1864 noch nie. Und: Eigentlich ist nun die Jahreszeit, in der dank der Schneeschmelze am meisten Wasser im See sein sollte. Der aktuelle Wasserstand ist eher für April oder November üblich.
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Fischsterben
Mit sinkendem Volumen steigt die Wassertemperatur. Selbst in zweieinhalb Metern Tiefe hat der See derzeit um die 24,6 Grad Celsius. Dies entsprach am Dienstagvormittag beinahe der Lufttemperatur von 25,5 Grad.
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Der Bodensee ist zwar im Wandel, die Dramatik zeigt sich jedoch im Landesinneren. “Es sind Wasserläufe trockengefallen, die es sonst nie tun”, warnt Nikolaus Schotzko vom Landesfischereizentrum in Hard. So fließt im Koblacher Kanal oder in Teilen der Nafla in Feldkirch kein Wasser. “Das hatten wir so noch nie.” Vom Fischbach in Dornbirn bis zum Ruggbach in Lochau haben 19 der 45 Messstellen Niedrigstwasserstände. Hohe Temperaturen sorgen für Sauerstoffmangel, es droht ein Fischsterben in vielen Flachgewässern. Allein aus der Nafla entnahm der Fischereiverein Feldkirch 450 Fische, um ihnen dieses Schicksal zu ersparen.

Gerade für Forellen und Felchen bedeuten steigende Wassertemperaturen Stress und den Wegfall von Laich- und Jagdgründen. Während diese Speisefische unter der Entwicklung leiden, profitiert nicht nur der Wels von steigenden Temperaturen. Die Barbe wandert in die Bregenzer Ach, kann aber im Gegensatz zur Forelle Hindernisse nicht überwinden und diese daher nicht ersetzen.
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Es fehlen Milliarden Liter Wasser
“Bereits die vergangenen beiden Winter hatten zu wenig Niederschlag”, erinnert der Sprecher der Geosphere Austria, Andreas Tröscher. Und auch wenn man nicht seriös sagen könne, wie sich gerade der Niederschlag das restliche Jahr entwickeln wird, ist die Tendenz absehbar: “Alles wird länger und intensiver, mit der Grundtendenz, dass die Hitzetage sich häufen und früher ins Jahr hineinreichen.” Ab drei Tagen in Folge über 30 Grad sprechen die Meteorologen von einer Hitzewelle. Und vor allem im Flachland Ostösterreichs werden Sommertage mit über 36 Grad häufiger werden.
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Dabei war das Frühjahr in Vorarlberg mit Niederschlägen von 25 bis 40 Prozent unter dem Durchschnitt nicht so trocken wie in weiten Teilen Österreichs. Bundesweit waren es 50 Prozent weniger Schnee und Regen. Bereits 2025 war das vierttrockenste Jahr seit 65 Jahren, mit 1397 Millimetern lag der Niederschlag um ein Fünftel unter dem Schnitt.

Mit einer Fläche von 536 Quadratkilometern bräuchte es ebenso viele Milliarden Liter Wasser, damit der See um einen Meter hin zum langjährigen Mittel ansteigt. Da Regenwasser auch versickert und verdunstet, müsste es weit mehr regnen. Wolfram Hanefeld von der Wasserwirtschaft des Landes Vorarlberg erklärt, dass es zum üblichen Sommerregen zusätzliche 200 Millimeter Niederschlag bräuchte – also 200 Liter pro Quadratmeter. Als normaler Mittelwert auf Basis der Jahre 1961 bis 1990 gilt für Vorarlberg um die 1770 Liter pro Jahr, inklusive Schnee. Dabei regnet es im Rheintal weniger als in den Bergen zwischen Bezau und Bludenz. In Hörbranz hat ein normales Jahr etwa 1377 Millimeter Niederschlag, in Bregenz 1627 Millimeter.
Schotzko betont aber auch die Rolle des Menschen. Die Entnahme des bereits knappen Wassers aus den Gewässern verschärft die Situation. “Welchen Wasserbedarf haben wir wirklich?”, stellt er in den Raum.