Zahl der Hitzetage in Vorarlberg vervielfacht

40 Mal hatte es in Bregenz heuer schon 30 Grad und mehr. In Bludenz sogar 43 Mal.
SCHWARZACH. Der Sommer dauert noch an, und endlich gibt es Abkühlung. Es steht jedoch fest, dass 2026 ein Hitzejahr ist, wie noch nie eines dokumentiert worden ist in Europa, Österreich, aber auch Vorarlberg. In Bregenz hat es bisher 40 Hitzetage gegeben. Davon ist die Rede, wenn das Thermometer auf 30 Grad und mehr klettert. Zur Einordnung: Wie Daten von „GeoSphere Austria“ zu entnehmen ist, war das bis in die 1990er Jahre hinein selten öfter als zehn Mal pro Jahr der Fall. Im mehrjährigen Durchschnitt handelte es sich überhaupt nur um maximal gut fünf pro Jahr. Erst in der jüngeren Vergangenheit ist es zu einer Häufung gekommen. Im bisherigen Spitzenjahr (2015) hat es aber auch „nur“ 29 Hitzetage gegeben in der Landeshauptstadt.
Noch mehr als in Bregenz waren es heuer bisher etwa in Feldkirch (41) und in Bludenz (43). Dort sind die Temperaturen häufig etwas höher. Das hat unter anderem damit zu tun, dass es dort keinen (großen) See gibt, mit dem ein leicht dämpfender Effekt einhergeht.

„Die Entwicklung ist nicht überraschend“, sagt der Stadtklimatologe Simon Tschannett, dessen Unternehmen „Weatherpark“ in diesem Bereich tätig ist: „Es passiert genau das, wovor die Klimawissenschaft seit Jahren warnt.“ Dennoch sei es bedrückend, was damit verbunden ist – „an Belastungen für Menschen, aufgrund der Trockenheit aber auch die Natur“. Es tue weh, wenn man verdorrte Landschaften sieht. Vom Schaden für die Landwirtschaft nicht zu reden.
Die Wortwahl „neue Normalität“ gefällt dem gebürtigen Vorarlberger gar nicht. Durch sie werde der Eindruck erweckt, dass es bei den Verhältnissen bleibe, die man gerade erlebe. „Das ist jedoch falsch: So lange der CO2-Ausstoß nicht gestoppt wird, sondern weiterläuft, wird es schlimmer und ärger, wird es wärmer und auch mehr und längere Hitzewellen geben. Da darf man sich nichts vormachen.“

Mit Prognosen ist der Experte vorsichtig. Eine belastbare Basis für ebensolche werde es erst mit neuen österreichischen Klimaszenarien geben, an denen unter dem Titel „ÖKS 26“ gearbeitet wird und die im Laufe des kommenden Jahres vorliegen werden. Tschannett gehört der Steuerungsgruppe an.

Dass es zuletzt so anhaltend hohe Temperaturen gab, hat seinen Angaben zufolge mit beständigen Hochdruckgebieten zu tun: „Sie bringen uns heiße Luft, eine größere Tageserwärmung und mit fortlaufender Zeit auch immer höhere Temperaturen.“
Der Meteorologe Simon Hölzl, der für „GeoSphere Austria“ in Innsbruck tätig ist, bestätigt, dass Wetterlagen beständiger geworden sind: Der Wechsel von sonnigen und niederschlagsreichen Tagen sei seltener geworden: „Und wenn länger die gleiche Wetterlage besteht, steigt das Potenzial für außergewöhnliche Ereignisse.“

Laut der Forschungseinrichtung „Complexity Science Hub“ ist zunehmend auch der Westen Österreichs von Hitze und damit verbundenen Belastungen für Menschen betroffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Verhältnisse jenen im Osten immer ähnlicher werden: „Europa und der Alpenraum sind generell am stärksten betroffen vom Klimawandel“, erklärt Hölzl. Wien liege zudem auf nur 200 Metern Seehöhe und damit besonders tief. Auch daher bleibe es dort noch wärmer oder heißer. Tatsächlich ist das Thermometer dort heuer auch über 40 Grad geklettert. Zumindest dazu ist es hierzulande nicht gekommen. Das Maximum in Bludenz lag bei 37,4 Grad (am 30. Juli).

Und auch in den verbleibenden Wochen dürfte es nicht mehr in diese Richtung gehen. Auch jahreszeitlich bedingt erfolge jetzt ein Rückgang der Temperaturen, so Hölzl. Mittelfristprognosen zufolge könnte es zudem etwas länger weniger warm bleiben und Niederschläge geben.