“Es ist wie in einer Lotterie” – Kürbisbauer zieht nach Hitzesommer Bilanz

Martin Winder vom Winderhof in Dornbirn erzählt, wie sich die lange Trockenphase auf die diesjährige Ernte ausgewirkt hat und was sie für die Kunden bedeutet.
Dornbirn Im Osten Österreichs fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus. Bei vielen Kürbisbauern zeichnen sich aufgrund der langen Hitzeperiode zum Teil große Ernteeinbußen ab. In Vorarlberg fällt die Ernte heuer nach Angaben der Landwirtschaftskammer regional unterschiedlich aus. “Landesweit gibt es durchschnittlich zehn bis 15 Prozent weniger Kürbisse”, informiert Harald Rammel, der für den Gemüsebau zuständig ist.

Besonders im Oberland sind die Ernten wegen der kiesigen und durchlässigen Böden deutlich geringer. Die schweren Riedböden haben die Trockenheit hingegen besser überstanden. Das zeigt auch das Beispiel von Kürbisbauer Martin Winder vom Winderhof in Dornbirn. “Wir sind sehr zufrieden”, sagt er.

Die Kürbisernte auf den drei Hektar großen Feldern am Stadtrand von Dornbirn ist derzeit in vollem Gange. Gut die Hälfte der Kürbisse wurde bereits geerntet, rund 100 Tonnen sollen es heuer insgesamt werden. “Das ist in etwa gleich viel wie im vergangenen Jahr. Wir hatten Glück. Der Kürbisanbau ist wie eine Lotterie, man weiß nicht, was kommt”, freut sich Winder, verweist aber gleichzeitig auch auf die schwierige Saison der Grünlandbauern im Land. “Vor allem das Gras und der Mais haben heuer besonders gelitten.”

Lange Trockenphasen bereiten dem Dornbirner Kürbisbauern, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Bruder Peter führt, weniger Sorgen. “Wir bewirtschaften in Dornbirn nasse, schwere Böden. Wir haben eher ein Problem mit einem nassen Sommer, wie es vorletztes Jahr der Fall war. Wenn man früh genug aussät, finden die Kürbisse in Dornbirn ausreichend Wasser vor.” Schimmel und Fäulnis seien heuer ebenfalls kein Thema. Ganz spurlos ging die Trockenheit an den Pflanzen dennoch nicht vorbei. “Manche Kürbisse fallen heuer etwas kleiner aus”, sagt Winder und zeigt auf die Halloween-Kürbisse, die sich in den großen Holzkisten stapeln.

Eine Überraschung gab es für Winder heuer bei den Zwetschgen. “Wir hatten eine Rekordernte”, erzählt der Landwirt. Zudem seien die Früchte besonders groß geworden. “Das hat mich angesichts der Witterung selbst überrascht.”

Bei den Kürbissen beginnt die Saison Mitte Mai mit der Aussaat. Rund 100 Tage später werden die ersten Früchte geerntet. Heuer hat Winder rund 40 verschiedene Sorten Zier- und Speisekürbisse im Angebot. Jedes Jahr kommen neue und teilweise exotische Sorten hinzu. “Ich probiere jedes Jahr ein bisschen etwas Neues aus”, sagt Winder. “Dann haben die Mitarbeiter auf dem Feld auch eine Freude, wenn sie immer wieder etwas Außergewöhnliches finden”, fügt der Kürbisfan schmunzelnd hinzu.

Die Nachfrage nach Kürbissen im Land sei ungebrochen groß. “Wir waren letztes Jahr ausverkauft und rechnen auch heuer damit”, sagt er. Verkaufsschlager ist auch in diesem Jahr der Hokkaido-Kürbis, der bei trockener Lagerung über Monate haltbar ist.

Traditionell dauert die Kürbissaison bis Allerheiligen. Danach geht es für Martin Winder in die wohlverdiente Winterpause, bevor im Frühjahr die Vorbereitungen für das neue Erntejahr beginnen. Den Auftakt machen die Erdbeeren. “Vielleicht versuchen wir es nächstes Jahr auch einmal mit Wassermelonen, wenn die Hitze so bleibt”, sagt er schmunzelnd.



