Gemeinden rufen zum sparsamen Umgang mit Wasser auf: “Lage außergewöhnlich”

Die anhaltende Trockenheit macht sich in Vorarlbergs Wasserversorgung bemerkbar. Ein Drittel der beobachteten Grundwasserpegel liegt auf einem Tiefststand, in vielen Gemeinden sind zusätzliche Maßnahmen notwendig. Die Trinkwasserversorgung ist dennoch gesichert.
Schwarzach Der extreme Hitzesommer ist vorbei, seine Folgen sind es nicht. In Schlins etwa zeigt sich das derzeit mitten im Ortsgebiet. Die Gemeindebrunnen sind abgedreht, aus deren Rohren fließt kein Wasser mehr. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie Bürgermeister Wolfgang Lässer auf der Gemeindeseite betont. Die Trinkwasserversorgung sei gesichert. Trotzdem bittet die Gemeinde darum, sorgsam mit Wasser umzugehen.

Dass die Trockenheit Vorarlberg nach wie vor fest im Griff hat, zeigen auch aktuelle Daten des Landes. Von 156 beobachteten Grundwasserpegeln befinden sich 52 – genau ein Drittel – auf einem absoluten Tiefststand. Nur drei lagen laut Land am Vormittag über dem aktuellen Tagesmittelwert, am Donnerstagabend waren es laut dem VOWIS-Monitor vier.
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Das Land bezeichnet die Lage auf VN-Anfrage aufgrund des lang anhaltenden Niederschlagsdefizits als “außergewöhnlich”. Grundwasserstände, Quellschüttungen und Abflüsse liegen teilweise deutlich unter den langjährigen Werten.

Quellen schütten deutlich weniger
Besonders betroffen sind Wasserversorgungen, die stark von Quellen abhängig sind. Wenige Kilometer von Schlins entfernt hat auch Schnifis einen Großteil seiner öffentlichen Brunnen abgedreht und ruft die Bevölkerung zum achtsamen Umgang mit Trinkwasser auf. Die Allmeinquelle, aus der die Gemeinde ihr Trinkwasser bezieht, schüttet laut Bürgermeister Simon Lins derzeit nur noch sieben bis acht Liter pro Sekunde. Im langjährigen Mittel sind es etwa 17 Liter.

“Es ist noch genügend Wasser vorhanden. Bleiben aber größere Niederschläge aus, könnten die kommenden Monate schwieriger werden”, erklärt Lins im Gespräch mit den VN. Denn Quellen reagieren zeitverzögert auf längere Trockenperioden. “Der Winter wird noch spannender als der Sommer”, so Lins.

Auch Lingenau rief erst am Montag dazu auf, den Wasserverbrauch auf das “unbedingt Notwendigste” zu reduzieren. Der Zulauf zu den Quellen sei weiterhin sehr schwach, die Quellschüttung “zunehmend rückläufig”.
Gemeinden müssen reagieren
In weiteren 13 Vorarlberger Gemeinden Maßnahmen über den Normalbetrieb hinaus notwendig: Alberschwende, Bezau, Dünserberg, Egg, Eichenberg, Langenegg, Laterns, Lingenau, Ludesch, Möggers, Nüziders, Riefensberg und Sulz. Dazu zählen die Aktivierung von Verbundleitungen, die Nutzung zusätzlicher Wasservorkommen oder das Abstellen öffentlicher Brunnen. Der notwendige Trinkwasserbedarf könne dennoch überall gedeckt werden.

Welchen Aufwand das bedeuten kann, zeigt Frastanz. Die Gemeinde habe ausreichend Wasser, sagt Bürgermeister Walter Gohm auf Anfrage der VN. Weil die natürlichen Zuflüsse stark zurückgegangen seien, müsse aber deutlich mehr Wasser über das Pumpwerk in die Hochbehälter befördert werden. Die Pumpleistung sei heuer im Sommer etwa zehnmal so hoch gewesen wie in vergangenen Jahren. “Das ist ein riesiger Kostenfaktor”, gibt Gohm zu bedenken. Über Notverbindungen wurden heuer zudem Ortsteile von Nenzing mitversorgt.

Verbund soll zusätzliche Sicherheit bringen
Im Mittleren Walgau entsteht derzeit ein Trinkwasserverbund zwischen Bludesch, Schlins, Röns, Schnifis, Düns und Dünserberg. Für Schnifis soll sich das Speichervolumen mit einem neuen Hochbehälter laut Bürgermeister Lins etwa verachtfachen. “Entscheidend sind vor allem Verbrauchsspitzen, wenn viele Haushalte gleichzeitig Wasser benötigen.” Auch im Bregenzerwald wird die Versorgung ausgebaut. Zehn Gemeinden sollen künftig über rund 17 km neue Leitungen miteinander verbunden werden.

Seit 2009 ist der Anteil der Vorarlberger Wasserversorgungsanlagen mit einem zweiten Standbein oder einer Verbundleitung laut Land von 30 auf mehr als 60 Prozent gestiegen. Nur rund vier Prozent der Bevölkerung werden noch von einem Versorger ohne zusätzliche Absicherung versorgt. In den vergangenen fünf Jahren investierten Gemeinden und Wassergenossenschaften mehr als 105 Millionen Euro in die Trinkwasserversorgung.
Trinkwasser in Vorarlberg
Rund 70 Prozent des Trinkwassers werden in Vorarlberg aus dem Grundwasser gewonnen, die übrigen 30 Prozent stammen aus Quellen. Gerade diese reagieren empfindlich auf längere Trockenperioden.