Große Impflücke bei Masern

Landessanitätsdirektor Mischak bestätigt: Eher nur Glück, dass es keine Erkrankungen gibt.
SCHWARZACH. Im August 2025 hat es die bisher letzte bestätigte Masernerkrankung in Vorarlberg gegeben. Seit über einem Jahr ist damit keine mehr festgestellt worden. Das ist erfreulich, aber eher nur Glück, wie Andreas Mischak bestätigt, der beim Land für Sanitätsangelegenheiten verantwortlich zeichnet: “Mit der Durchimpfungsrate hat das leider weniger zu tun.” Sie ist viel zu niedrig.
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Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung Zahlen für Österreich und alle Bundesländer seit 2010 vorgelegt. Ergebnis: In Vorarlberg beträgt die Rate bei 1- bis 50-Jährigen gerade einmal unterdurchschnittliche 59 Prozent. Genauer: Bei 1- bis 4-Jährigen handelt es sich um 74, bei 5- bis 9-Jährigen um 87 und bei 10- bis 14-Jährigen um 78 Prozent. Bei 15- bis 19-Jährigen sind es wiederum 77 und bei 20- bis 50-Jährigen 48 Prozent. So viele haben sich zwei Dosen der Masernimpfung verabreichen lassen, die in der Regel als Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung läuft. Empfohlen wird die erste Dosis ab dem vollendeten neunten Lebensmonat.
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“Es ist absolutes Glück, dass es unter diesen Umständen zuletzt keine Masernfälle gegeben hat”, bekräftigt der Gesundheitsexperte Armin Fidler: “In jeder Altersgruppe sollte die Rate mindestens 95 Prozent betragen, damit Herdenimmunität garantiert ist.”
Masern können zu schwerwiegenden Folgen führen: Laut Gesundheitsministerium treten in 20 von 100 Fällen Komplikationen wie Bronchitis, Mittelohr- oder Lungenentzündung auf. In ein bis zwei von 1000 Fällen komme es zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung. In den USA, wo die Durchimpfungsrate in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, häufen sich Infektionen zurzeit stark, und es gibt auch Todesfälle.

Österreich und damit auch Vorarlberg wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO seit geraumer Zeit als nicht mehr masernfrei eingestuft. Grund dafür ist, dass ab 2023 vorübergehend viele Erkrankungsfälle verzeichnet worden sind. Das hätte nicht sein müssen, so Fidler: Eine Eliminierung des Virus wäre möglich, wenn genug Leute geimpft wären – der Impfstoff sei hochwirksam.
Auffallend: Zu einem großen Einbruch der Durchimpfungsrate im Land ist es zuletzt Anfang der 2010er-Jahre gekommen, also lange vor Corona. Zurückzuführen war das laut Fidler unter anderem auf eine Studie, die zwar mehrfach klar widerlegt worden war, deren Botschaft sich aber hartnäckig hielt. Nämlich, dass eine Impfung zu Autismus führen könne. Bei 1- bis 4-Jährigen hat sich die Quote damals halbiert und ist auf bis zu 35 Prozent eingebrochen. Viele dieser Kinder haben sich auch später nicht impfen lassen, wie die Entwicklungen über die vergangenen Jahre zeigen. Einzig bei 20- bis 50-Jährigen ist die Rate noch stetig steigend – was ganz offensichtlich mit Impfprogrammen zu tun hat, die in ihrer Kindheit begonnen worden sind.
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“Wir haben Nachholbedarf”, betont Mischak aufgrund der aktuellen Lage: “Wir würden uns wünschen, dass alle in ihren Impfpässen nachschauen, ob sie geimpft sind, und das allenfalls nachholen – es ist gratis.” Abgesehen davon versuche man, Impfungen an Schulen zu forcieren.
Reyhan Tschiderer, Impfreferentin der Ärztekammer, erklärt, um die Impflücke zu schließen, “müssen wir die Menschen von der Notwendigkeit der zweiten Dosis überzeugen, die ja für einen vollen Schutz wichtig ist”, und uns nicht nur auf Kinder, sondern auch auf junge Erwachsene konzentrieren”. Tschiderer empfiehlt eine digitale Erinnerung über den E-Impfpass, eine bessere Honorierung für Ärzte bei schwierigen und langwierigen Impfgesprächen sowie eine konsequente Kontrolle des Impfstatus – “mit daraus resultierender Beratung und Motivation” – vor Eintritt in Kindergarten, Schule und Bundesheer.