Stadttunnel Feldkirch: Missglückte Sprengung hat juristisches Nachspiel

Im November vergangenen Jahres wurden bei einer Sprengung auf der Stadttunnel-Baustelle mehrere Autos von Gesteinsbrocken getroffen. Der Vorfall hat ein juristisches Nachspiel.
Feldkirch Rund 5000 Interessierte nutzten Anfang Oktober die Gelegenheit, beim Tag der offenen Baustelle einen Blick hinter die Kulissen des Stadttunnel-Projekts zu werfen. Doch während die Arbeiten am Feldkircher Großprojekt voranschreiten, beschäftigt ein weniger erfreulicher Vorfall vom November vergangenen Jahres die Justiz.
Am 21. November 2025 waren bei einer Sprengung Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern auf die Vorarlberger Straße (L190) beim künftigen Tunnelportal Felsenau geschleudert worden. Mindestens fünf Fahrzeuge wurden beschädigt, verletzt wurde niemand. Die L190 war während der Sprengarbeiten nicht gesperrt gewesen.

Drei Beschuldigte, Gutachten beauftragt
Wie die Staatsanwaltschaft Feldkirch auf VN-Anfrage bestätigt, wird gegen drei Beschuldigte wegen des Verdachts der fahrlässigen Gefährdung durch Sprengmittel (§ 174 StGB) ermittelt. Ein Sachverständigengutachten aus den Bereichen technisches Unfallwesen, Arbeitsschutz und Sprengwesen wurde in Auftrag gegeben. Ob es in weiterer Folge zu einer Anklage kommt, ist noch offen. Im Fall einer Verurteilung sieht der Straftatbestand eine Geldstrafe von bis zu 720 Tagessätzen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr vor. Welche Funktionen die Beschuldigten im Zusammenhang mit den Sprengarbeiten hatten, ist nicht bekannt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Sprengschutzmatten hoben sich an
Das Land Vorarlberg als federführende Betreiberin liefert auf VN-Anfrage nähere Informationen zum damaligen Vorfall. Demnach handelte es sich um eine oberirdische Sprengung für den Voraushub einer Betonmischanlage. Obwohl laut Land sämtliche behördlichen Auflagen eingehalten worden seien, habe sich die Abdeckung der Sprengschutzmatten in einem Bereich stärker angehoben. Dadurch seien Gesteinsbrocken über den abgesperrten Gefahrenbereich hinausgeschleudert worden.
Der Vorfall sei baustellenintern untersucht und das Sicherheitskonzept entsprechend angepasst worden, heißt es vom Land. Bei vergleichbaren Sprengungen sollen künftig mehr Schutzmatten zum Einsatz kommen und Straßen sowie Freiflächen großräumiger abgesperrt werden. Für die Sprengungen beim Tunnelvortrieb sei zudem ein eigenes Sicherheitskonzept von einem befugten Ingenieurkonsulenten ausgearbeitet worden.