Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Entmenschlicht

Vorarlberg / 16.10.2026 • 15:49 Uhr

Dass man beim Schießwettbewerb von Exekutivbeamten vor drei Jahren „wirklichkeitsnahe“ Situationen haben wollte, ist nicht das Problem. Das Problem ist die Umsetzung: Dass (erstens) auf dem Kopf einer Schaufensterpuppe das Gesicht der ehemaligen SPÖ-Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner befestigt war und auf dem einer anderen das des früheren Vizekanzlers und FPÖ-Obmannes Heinz-Christian Strache; dass sie (zweitens) leicht-bekleidet auf seinem Schoß saß und ein „Massagegerät“ in einer Hand hielt; und dass die beiden (drittens) zwar nicht unmittelbar als Ziel gedacht gewesen sein mögen, das es zu treffen galt, offenbar aber niemand etwas auszusetzen hatte an dieser Szenerie in einem Kennelbacher Schießkeller.

„Politiker werden verächtlich gemacht, zu einem Tier oder einer Sache erklärt. Das geht nicht.“

Erst heute scheint das Problembewusstsein zu sickern, nachdem das Ganze durch einen Bericht im örtlichen Gemeindeblatt und den VN einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist: Da können es Landesregierung und Polizeidirektion nicht deutlich genug verurteilen, um vor allem auch Fragen entgegenzuwirken, warum sie das in den vergangenen drei Jahren nicht getan haben.

Hier geht es nicht um eine besoffene Geschichte, sondern um einen Beitrag zu einer Entwürdigung, ja Entmenschlichung von Politikern, wie sie immer häufiger stattfindet. Zum Beispiel, wenn Herbert Kickl, also Straches Nachnachfolger als Obmann der freiheitlichen Partei, „austeilt“: Als Leonore Gewessler (Grüne) noch Klimaschutzministerin war, sagte er in einer Rede vor jubelnden Anhängern, es wäre ehrlicher, wenn sie nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren würde, „sondern gleich mit dem Besen dorthin fliegt, diese Öko-Hexe“. Bei einer Maikundgebung wiederum erklärte er im vergangenen Jahr, „die linken Zecken“ hätten „wieder Oberwasser, weil eine linke Zecke in Wien als Vizekanzler das Sagen hat“. Gemeint war Andreas Babler (SPÖ).

Wo kommen wir da hin? Die möglichen Folgen sind in jedem Fall ernst zu nehmen: Die Schaufensterpuppen im Schießkeller sind mit dem Gesicht bekannter Politiker in einer Art und Weise dargestellt worden, die dazu angetan ist, den anwesenden Beamten jeden Respekt vor ihnen zu nehmen. Ähnlich, wie ihn Bürgerinnen und Bürger in Folge der Bezeichnungen „Öko-Hexe“ und „linke Zecke“ gegenüber Gewessler und Babler verlieren könnten.

Politiker werden verächtlich gemacht, zu einem Tier oder einer Sache erklärt. Im Falle der Rendi-Wagner-Darstellung etwa ist das ganz klar ein Sexobjekt. Derlei geht nicht. Dem gehört Einhalt geboten, das darf nicht geduldet werden: Demokratie ist abhängig davon, dass man selbst bei den größten Unterschieden korrekt miteinander umgeht. Und dass man sich darauf verlassen kann, dass das gerade auch Beamten als Träger von Staatsgewalt nicht anders vermittelt wird.   

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.