Die „Fenster-Blickerin“

Wetter / 28.10.2013 • 18:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Regina Dünser möchte ihre Fensterblicke mit anderen teilen.  Foto: VN/hartinger
Regina Dünser möchte ihre Fensterblicke mit anderen teilen.
Foto: VN/hartinger

Regina Dünser hat mit Elke Ender einen ganz besonderen Kalender geschaffen.

Götzis. (VN-mm) Die Zeiten, in denen Regina Dünser und Elke Ender vergnügt Spaziergänge und Wanderungen unternehmen konnten, sind lange vorüber. Dennoch tragen die beiden Frauen ihre körperlichen Handicaps mit Würde. Und sie haben quasi aus der Not eine Tugend gemacht. Indem sie das fotografierten, was sich ihnen an Besonderheiten beim Blick durchs Fenster eröffnete. So ist der erste „Fensterblicke-Kalender“ entstanden. Regina Dünser versteht das Fotoprojekt als „Aufforderung an alle, die Umwelt bewusster wahrzunehmen“.

Gemeinsamer Neustart

Stolz präsentiert sie die „Fensterblicke 2014“. Fotos aus aller Herren Länder schmücken die einzelnen Monate aus. Dank Facebook hat sich das Ansinnen der kreativen Frauen, hin und wieder aus dem Fenster zu schauen und schöne Augenblicke festzuhalten, schon fast weltweit verbreitet. Elke Ender, die über 30 Jahre in Amerika lebte, übernimmt es, das soziale Netzwerk aktuell zu halten. Auch Regina Dünser, die an Multipler Sklerose leidet, war lange im Ausland. „An Weihnachten 2012 haben wir uns über eine Arbeitsinitiative kennengelernt“, erzählt sie. Gemeinsam bewerkstelligten sie den Neustart in der alten Heimat. Mittlerweile haben sich die Frauen in Götzis gut eingerichtet.

Keine Frage, dass der Schreibtisch von Regina Dünser „am schönsten Platz“ ihres Zuhauses steht. „Ich möchte die Stimmungen draußen zu jeder Zeit wahrnehmen“, sagt sie. Ein Fernseher findet sich im trauten Heim nicht. Dafür zückt Regina Dünser die Kamera bzw. das Handy, sobald sie „das Gefühl hat, dass etwas schön aussieht“. Was in ihrer besonderen Wahrnehmung sehr oft der Fall scheint. Sogar an den unwahrscheinlichsten Orten. Da gerät selbst der Blick durch das Glasdach des Sitzungszimmers im AMS in Bregenz zum fotografischen Kunstwerk. Wobei Regina Dünser die Überzeugung pflegt, dass andere das auch schaffen. „Alle Menschen haben einen schönen Blick aus dem Fenster.“

Die Idee zieht Kreise

Was durchaus sein könnte. Rund 200 Bilder sind bislang bei ihr eingetroffen. Sie werden auf Facebook veröffentlicht und bewertet. Die Fotos mit den meisten „Likes“ fanden Aufnahme im ersten „Fensterblicke-Kalender“.

Inzwischen zieht die Idee immer größere Kreise. Austra­lien, Japan, Indien, Amerika, Tahiti: Die Liste der Länder, aus denen Facebook-Nutzer ihre Fotos schicken, wird länger und länger. Regina Dünser freut sich darüber: „Es gibt viele herrliche Blicke, wenn wir nur genau hinschauen.“ Sie sieht ebenfalls „jeden Tag etwas anderes“, wenngleich sie die Krankheit deutlich einschränkt.

Entstanden ist der Kalender in der Freizeit. Denn beide Frauen sind auch beruflich sehr eingespannt. So arbeitet Regina Dünser seit April als Casemanagerin bei „fit2work“ in Dornbirn, einem Beratungsangebot für Menschen, die von Arbeitsausfällen bedroht sind. Bevor sie nach München übersiedelte, absolvierte sie die Krankenpflegeschule. Danach studierte Dünser im zweiten Bildungsweg in München noch Pflegemanagement. Als alleinerziehende Mutter kein leichtes Unterfangen. Aber: „Mein Freundeskreis war immer bereit, Betreuungsaufgaben zu übernehmen“, merkt sie dankbar an. Elke Ender wiederum engagiert sich bei „Reiz – Selbstbestimmt leben“.

Handsignierte erste Auflage

Jetzt gilt es auch noch, den Kalender unters Volk zu bringen. „Die erste Auflage wird handsigniert“, verspricht Regina Dünser. Bestellt werden kann er per E-Mail unter fensterblicke@gmx.at. Die Kosten betragen 15 Euro zuzüglich Versandspesen. Es soll übrigens nicht der letzte „Fensterblicke-Kalender“ gewesen sein.

Es gibt ­viele herrliche Blicke, wenn wir nur genau hinschauen.

Regina Dünser

Zur Person

Regina Dünser

Geboren: 18. August 1973 in Hohenems

Wohnort: Götzis

Beruf: Casemanagerin

Hobbys: Theater (Regieassistentin beim Spielkreis Götzis), Lesen, aus dem Fenster blicken

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