Den Lokführer “machen”

Wetter / 06.08.2014 • 18:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Brunnhofer am Bahnhof Bludenz, wo sie gerade das Verschieben von Zugwaggons lernt. Foto: Stiplovsek
Brunnhofer am Bahnhof Bludenz, wo sie gerade das Verschieben von Zugwaggons lernt. Foto: Stiplovsek

Johanna Brunnhofer macht bei den ÖBB die Lehre zur Verschublokführerin.

bludenz. (VN-stm) In schöner Regelmäßigkeit sagt Johanna Brunnhofer Sätze wie diesen: „Es ist einfach ein cooles Gefühl, wenn man da oben sitzt und Gas gibt.“ Dass sie dabei immer sympathisch wirkt, liegt vielleicht an dem kecken Lächeln, mit dem die 19-Jährige ihre Sätze „serviert“. Oder an der Natürlichkeit, mit der Brunnhofer von ihrem Traumberuf schwärmt. Die junge Frau will nämlich Lokführerin werden.

Auf dem besten Weg dorthin ist sie bereits. Seit drei Wochen schiebt Brunnhofer am Bahnhof Bludenz die Waggons von A nach B. Ende August steht die theoretische und praktische Prüfung auf dem Programm, danach kann sie sich „Verschublokführerin“ nennen. Geht alles glatt, ist Brunnhofer dann die erst vierte Lokführerin in Vorarlberg – unter rund 150 männlichen Kollegen.

Spontane Entscheidung

Woher die Leidenschaft für Züge kommt, weiß die Fras­tanzerin selbst nicht so genau. „Ich wollte schon immer irgendwas Technisches machen“, sagt sie. Die Lehrstelle bei den ÖBB als Eisenbahntechnikerin sei ihr da gerade recht gekommen. „Es hat mir gefallen, also bin ich geblieben.“ Auf die Idee, Lokführerin zu werden, kam Brunnhofer beim Informationstag im ÖBB-Bildungszentrum in Wörth bei St. Pölten. Sie sei in der Lokführerkabine des Railjets mitgefahren und habe sich gedacht: „Das ist schon cool“, erinnert sich die 19-Jährige. „Und dann habe ich mich spontan entschieden: Ich mache jetzt den Lokführer.“ Nach Beendigung der Techniker-Lehre begann sie ihre Ausbildung zur Verschublokführerin.

Mit den fast ausschließlich männlichen Arbeitskollegen versteht sich Brunnhofer übrigens ausgezeichnet. Dass sie in der männerdominierten Zugbranche eine Besonderheit ist, bekomme sie nur gelegentlich zu spüren: Als sie am Bahnhof Feldkirch dabei war, Waggons zu verschieben, habe ein Fahrgast sie fotografieren wollen. Was die freundliche junge Frau gerne zugelassen hat.

Auch in der Freizeit beschäftigt sich Brunnhofer gerne mit „untypischen“ Hobbys. 2013 belegte sie bei den Staatsmeisterschaften im Sportschießen den dritten Rang in ihrer Klasse. Viel Zeit investiert sie außerdem in die Vorarlberger Anime und Manga-Community. Und welchen Rat hat die Frastanzerin für andere Jugendliche? „Die Mädchen sollen nicht nur deswegen etwas nicht machen, weil sie Angst haben, das einzige Mädchen zu sein.“

Ein cooles Gefühl, wenn man da oben sitzt und Gas gibt.

Johanna Brunnhofer

Zur Person

Johanna Brunnhofer

einer von drei weiblichen Lokführer-Lehrlingen in Vorarlberg

Geboren: 23. März 1995

Ausbildung: Hauptschule Frastanz, Polytechnische Schule Feldkirch

Hobbys: Schützin (3. Platz Staatsmeisterschaft 2013), Animes

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