Es geht um die Wurst

Wetter / 18.02.2015 • 18:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gemeinsam mit einem Freund verfasste der Vorarlberger Berndt Anwander die kriminalistische Gastro-Groteske „Praterglück“. FOTO: MALECHA  
Gemeinsam mit einem Freund verfasste der Vorarlberger Berndt Anwander die kriminalistische Gastro-Groteske „Praterglück“. FOTO: MALECHA  

Berndt Anwander stellt Imbiss-Krimi mit ungewöhnlicher Entstehungsgeschichte vor.

Wien. (VN-com) Gemeinsam mit dem Chefredakteur einer österreichischen Gastgewerbezeitung, Thomas Askan Vierich, hat der Vorarlberger Berndt Anwander die kriminalistische Gastro-Groteske „Praterglück“ geschrieben. Die skurrile Geschichte handelt von zwei Brüdern, die sich nicht ausstehen können. Nur ihre gemeinsame Wurstbude verbindet sie. Der Krimi wird heute, Donnerstag, in Wien präsentiert.

„Ping Pong“-Schreiben

Als die Freunde Vierich und Anwander beschlossen, gemeinsam ein Buch zu schreiben, mussten sie kurz danach erkennen, dass es ihnen unmöglich ist, zu zweit einen Satz zu Papier zu bringen. Die Lösung dafür liefert gleichzeitig die Form: Wie ihre Alltagshelden im Buch schrieben sie sich gegenseitig E-Mails, Briefe, Post-its und SMS: „Jeder brachte den anderen in eine Situation, aus der er sich schreibend hinausmanövrieren musste.“ Die Handlung wurde vorher nicht abgesprochen, einziger Fixpunkt war der Würstelstand. Auch bei der gemeinsamen Schreibklausur saß jeder in seinem Zimmer vor dem Laptop, um die Nachrichten zu verschicken.

Handbuch für Vorarlberger

Einer der Brüder ist wie Anwander ein Wiener mit Vorarlberger Wurzeln. Mit Würstelständen und Beiseln in der Hauptstadt kennt sich der Autor gut aus. Als 21-jähriger kam der Vorarlberger zum Studium nach Wien. Die Eingewöhnung ist schnell gegangen und fiel ihm leicht. Damals lernte er die Grätzl der Stadt über Beisl-Touren kennen. Das gesammelte Wissen verarbeitete er später in seinen Büchern für den Falter Verlag. „Z’Wian si“ ist ein Handbuch für Vorarlberger in Wien, in „Beisln in Wien“ stellt er bekannte und unbekannte Orte zum Verweilen vor. Der Weg zum ersten Roman war jedoch einer mit vielen Stationen.

Architekt und Kulturmanager

Ursprünglich wollte Berndt Anwander Germanistik studieren, das Latinum hat ihn davon jedoch abgehalten. Eher zufällig hat er sich dann für ein Raumplanungsstudium an der Technischen Universität Wien entschieden. Es folgten Anstellungen in verschiedenen Architekturbüros. 1996 kam der Wendepunkt: In Jerusalem nahm er an einer Ausbildung zum Kulturmanager teil. Zurück in Wien, gründete er einen Verein, aus dem bald eine eigene Firma werden sollte. „Wir sind der sechsbeinige Hund,“ beschreibt er seine Tätigkeit. Das Portfolio der St. Balbach Art Produktion reicht von Open-Air-Kinos über Veranstaltungen mit Wohnbaubezug bis zu großen Lichtprojektionen. Da die abwechslungsreiche Arbeit noch nicht ausreichte, begann er, Sachbücher zu kulinarischen Themen zu verfassen. Endlich ist der erste Roman veröffentlicht. Nun ist ein Würstelstand in New York als Projekt für die Zukunft angedacht.

Berge und Käse

Familiäre und geschäftliche Bande verbinden den Wahl-Wiener heute noch mit Vorarlberg. In Wien fehle natürlich viel, vor allem die Berge und der Käs. Berge lassen sich schwer versetzen, aber zumindest den Käse kann man sich in großen Portionen schicken lassen. Den gibt er auch gerne an die Wiener weiter. Beim alljährlichen Straßenfest in seinem Heimatbezirk Leopoldstadt kocht er Kässpätzle in rauen Mengen. In diesem Wiener Gemeindebezirk hat er sich gut eingelebt und fühlt sich Dank der vielen guten Lokale in der Umgebung wohl. Als Wiener würde er sich dennoch nicht bezeichnen: „Gefühlsmäßig bleibt man immer Vorarlberger.“

Gefühlsmäßig bleibt man immer Vorarlberger. Die Berge fehlen mir.

Berndt Anwander
Gemeinsam mit einem Freund verfasste der Vorarlberger Berndt Anwander die kriminalistische Gastro-Groteske „Praterglück“.  FOTO: MALECHA
Gemeinsam mit einem Freund verfasste der Vorarlberger Berndt Anwander die kriminalistische Gastro-Groteske „Praterglück“. FOTO: MALECHA

Zur Person

Berndt Anwander

Kulturveranstalter und Autor

Geboren: 6. Jänner 1960, Bregenz

Ausbildung: Studium der Raumplanung an der Technischen Universität Wien

Familie: langjährige Partnerschaft

Hobbys: Lesen, Rudern, Reisen