Die Berge sind sein Leben

03.11.2015 • 17:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Foto zeigt Wolfgang Loacker (r.) bei einer Tour auf den Piz Buin. Er führte schon viele auf den höchsten Berg Vorarlbergs.      Foto: privat
Das Foto zeigt Wolfgang Loacker (r.) bei einer Tour auf den Piz Buin. Er führte schon viele auf den höchsten Berg Vorarlbergs.      Foto: privat

Als Bergsteiger setzt sich Wolfgang Loacker hohe Ziele. Demnächst besteigt der Bergführer die Eiger-Nordwand.

Götzis. (VN-kum) Seine frühesten Kindheitserinnerungen haben mit den Bergen zu tun. Wolfgang Loacker war vier Jahre alt, als ihn sein Vater mit auf die Zimba nahm.  „Das war meine erste Bergtour. Ich erinnere mich daran, wie ich – wahrscheinlich bei einer heiklen Passage – im Rucksack meines Vaters gelandet bin“, erzählt Wolfgang lächelnd.

Mit 39 gestorben

Die Zimba war der Hausberg seines Vaters und sein Schicksalsberg. Auf diesem Berg im Rätikon kam Wolfgangs Vater, der ein Spitzenkletterer war und alle Viertausender in den Ost- und Westalpen bezwungen hatte, vor den Augen seines Sohnes mit nur 39 Jahren ums Leben.

Dieses Ereignis brannte sich tief in Wolfgangs Gedächtnis. „Wir waren zu dritt unterwegs. Eine Seilschaft vor uns löste Steinschlag aus. Ein Stein riss meinen Vater aus der Wand. Ein weiterer Stein schlug das Seil ab, das uns mit meinem Vater verband. Das war unser Glück. Sonst hätte es uns mitgerissen.“

Traumatisiert

Das Drama am Berg traumatisierte den damals 14-Jährigen. Er arbeitete das Erlebte auf seine Art auf. „Ich bin die Touren, die ich mit meinem Vater gemacht habe, allein gegangen. Das Gehen half mir.“ Der Psychiater, den seine Mutter zu Rate zog, meinte zu ihr, dass ihr Sohn beim Alpenverein gut aufgehoben wäre. Wolfgang: „So bin ich zum Alpenverein gekommen.“ Als Alpenvereinsmitglied bezwang der Teenager Kletterberge bis zum vierten Schwierigkeitsgrad wie etwa die Roggalspitze-Nordkante.

Der Götzner setzte sich in der Folge immer höhere bergsteigerische Ziele. „Mit 20 habe ich die Matterhorn-Nordwand bezwungen. Mit 22 die Eiger-Nordwand. Es war die zehnte Winterbegehung mit Beat Kammerlander und dessen Gefährten.“ Mit 24 absolvierte der Alpinist die Bergführerausbildung. „Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen.“

Alle heil aus der Wand gebracht

Als Bergführer bezwang Wolfang mit seinen Gästen unter anderem die großen Nordwände der Alpen (Eiger, Grandes, Jorasses, Matterhorn, Große Zinne), die sich durch ihre besondere Größe, Schwierigkeit oder Gefährlichkeit für Bergsteiger auszeichnen. „Jeder Alpinist möchte diese namhaften Touren machen.“ Ihm war es das Wichtigste, dass seinen Schützlingen nichts passierte. „Ich habe alle heil aus der Wand gebracht. Nur einmal brach sich einer meiner Gäste ein Bein.“ Brenzlige Situationen habe es einige gegeben. „Aber das darfst du den Leuten nicht zeigen. Du musst gute Miene zum bösen Spiel machen. Das erwartet man von einem Bergführer.“

„Papa schaut auf mich“

Er selbst hat ein paar Mal nur knapp überlebt. „Bei der Erstbegehung der Eiger-Nordostwand ist mir der Pickel ausgebrochen. Ich bin 30 Meter auf ein Eisfeld in die Tiefe gestürzt und habe mir die Rippen geprellt. Am Eiger-Gipfel bin ich dann aber trotzdem gestanden.“ Im Rätikon stürzte er bei der Zweitbegehung der Großen-Turm-Südwand 40 Meter ab. „Ein Tritt ist ausgebrochen.“ Und wieder kam er glimpflich davon. „Ich habe mir die Fersenbeine geprellt.“

Dass bisher das Glück immer auf seiner Seite gestanden ist, erklärt sich der 60-jährige Götzner, der sich mit Rennradfahren und Mountainbiken fit hält, so: „Vielleicht schaut Papa auf mich.“ Hoffentlich tut er das auch demnächst, wenn sein Sohn im November die Eiger-Nordwand besteigt.

Brenzlige Situationen hat es auf den Bergen einige gegeben.

Wolfgang Loacker

Zur Person

Wolfgang Loacker

arbeitet als Bergführer und im Geschäft seiner Frau: „Alpin Loacker“ (Bergsportausrüstung).

Geboren: 12. Juli 1955

Ausbildung: Bergführer, Maschinenschlosser

Familie: verheiratet, fünf Kinder