Die Frau hinter der Maske

10.11.2015 • 17:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Marianne Piske gehört den „hülzernen Glächtern“ an. Die Faschingsgruppe fällt durch ihre geschnitzten Holzmasken auf.  Foto: VN/Hofmeister
Marianne Piske gehört den „hülzernen Glächtern“ an. Die Faschingsgruppe fällt durch ihre geschnitzten Holzmasken auf. Foto: VN/Hofmeister

Heute ist Faschingsbeginn. Marianne Piske von den „hülzernen Glächtern“ freut sich auf die Karnevalszeit.  

Schruns. (VN-kum) Heute um 11.11 Uhr stoßen die „hülzernen Glächter“ am Kirchplatz in Schruns mit einem Glas Sekt auf den Faschingsbeginn an. Die Gruppe ist seit 1987 fester Bestandteil des närrischen Treibens in Schruns. Sie fällt durch ihre geschnitzten Holzmasken auf, groteske Larven, die sich durch einen verzweifelt komischen Gesichtsausdruck auszeichnen, durch ein freundliches „Glüag“, durch eine gewaltige Zinkennase und einen breiten beweglichen Mund mit wenig Zähnen.

Uralter Brauch belebt

Hinter einer dieser Masken verbirgt sich Marianne Piske. Die Schrunserin erinnert sich noch, wie alles anfing: „Wir Frauen vom Hausfrauenskikurs gingen immer verkleidet in den Fasching. Als uns die Ideen ausgingen, stöberten wir im Archiv. Dort stießen wir auf die ,hülzernen Glächter‘.“ So wurden die Faschingsnarren mit den Holzmasken genannt, die ab 1870 das närrische Treiben in Schruns bereicherten, im Laufe der Jahrzehnte aber wieder von der Bildfläche verschwanden.

„Wir Skischülerinnen belebten diesen uralten Brauch wieder. Wir ließen uns nach dem Vorbild einer originalen Holzmaske, die im Besitz des Mundartdichters Otto Borger war, die Larven von dem Bartholomäberger Holzschnitzer Albert Amann anfertigen. Das Gewand – Bluse, langer Rock, Schürze und Kopftuch – nähten wir uns selbst.“ Der Rest ist Geschichte. Seit nunmehr fast 30 Jahren bringen die „hülzernen Glächter“ Schwung in das Schrunser Faschingsgeschehen.

Marianne ist froh, dass sie dieser 30-köpfigen Gruppe angehört. „Denn jetzt muss ich mir keine Gedanken mehr darüber machen, wie ich mich im Fasching verkleiden soll.“ Fasching ist für sie eine Art Ausnahmezustand. „Ich bin ein Familienmensch und lebe unterm Jahr eher zurückgezogen. Aber im Fasching hält mich nichts. Da tobe ich mich aus. Da fühle ich mich frei und lustig, da kann ich singen und tanzen und ausgelassen durch die Straßen ziehen.“ In der „fünften Jahreszeit“ kommen ihre Geselligkeit und ihr guter Humor voll zum Tragen. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht lache. Ich glaube, ich bin schon lachend auf die Welt gekommen.“ Ihre Faschingsverrücktheit kommt nicht von ungefähr. „Meine Eltern haben mir das vorgelebt. Sie haben keinen Faschingsball ausgelassen.“ Seit sie denken kann, freut sich die gebürtige Oberösterreicherin, die seit 47 Jahren in Schruns lebt, auf die Karnevalszeit. „Als Kind habe ich an den Umzügen teilgenommen, unter anderem als Prinzessin, als Cowboy und als Hexe.“ Ihre jetzige Maskierung erinnert auch an Hexen oder „lädi Wibr“.

Keiner ahnt, wer sich hinter den Masken verbirgt. Erst zu später Stunde geben sich die „hülzernen Glächter“ zu erkennen und ziehen ihre Larven hoch. Zur Überraschung vieler entpuppen sich die „läda Wibr“ als beachtlich hübsche Frauen. Mit der Gruppe hat Marianne, die am Faschingsdienstag auf dem Besen durch die Straßen reitet und in den Hotels von Tisch zu Tisch tänzelt, schon viel Schönes erlebt. „Am Faschingssonntag sind wir aufs Hochjoch gefahren und mit den Skiern einen Hang hinuntergefahren. Die anderen Skifahrer haben applaudiert“, schildert sie eine ihrer schönsten Erinnerungen. In all den Jahren war sie nur einmal nicht dabei. Sie musste pausieren, weil sie am Fuß verletzt war. „Da habe ich schon gelitten. Ich bin auf dem Kirchplatz gestanden und habe mit Tränen in den Augen zugeschaut.“

Im Fasching hält mich nichts. Da tobe ich mich aus.

Marianne Piske

Zur Person

Marianne Piske

gehört seit fast 30 Jahren der Schrunser Faschingsgruppe „hülzerne Glächter“ an.

Geboren: 4. Juni 1948

Ausbildung: Hotelfachschule

Familie: verheiratet, eine Tochter

Hobbys: Skifahren, Tennis, Radfahren