Architektonisch wertvoll

Wetter / 23.11.2015 • 21:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Architekt und Künstler Daniel Büchel mit dem Modell eines Sekretärs von

Architekt und Künstler Daniel Büchel mit dem Modell eines Sekretärs von „Magdas Hotel“. Foto: Heinrich Büchel

Der Architekt Daniel Büchel setzt in Wien erfolgreich seine künstlerischen Visionen um.

feldkirch, wien. (VN-ram) Vor mehr als 20 Jahren ist Daniel Büchel nach Wien gezogen. Den Feldkircher lockte damals neben dem besonderen künstlerischen Umfeld auch das universitäre Angebot, wie der Wahl-Wiener sagt. „Wien leistet sich als einzige Stadt Europas gleich drei verschiedene Universitäten für ein Architektur- oder Designstudium.“

Wien als „Homebase“

Nach einigen Jahren Praxis in Vorarlberg und der Schweiz kam Büchel also 1994 in die Bundeshauptstadt und studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste und an der Technischen Universität. Mittlerweile ist Wien zu seiner „Homebase“ geworden, erzählt Büchel, der jedes Jahr aber auch einige Zeit in Vorarlberg verbringt. „Der Austausch von Gedanken ist in der Stadt einfach vielfältiger.“

2002 gründete Büchel gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Heinrich das Architekturbüro OCPA Büchel & Büchel in Wien. Als erstes gemeinsames Projekt haben die beiden die Gestaltung des Poolbar Festivals in Feldkirch übernommen und den zugehörigen „Poolcar“ entworfen: ein mobiler Kommunikationssatellit als Zubehör für den legendären „Ape“-Dreirädler von Piraggio.

„Der Poolcar hat gleich auf Anhieb einen Preis gewonnen, woraufhin wir zu einem Wettbewerb für eine Kinderbetreuungseinrichtung in Linz eingeladen worden sind“, erzählt Büchel. Auch diesen haben die Brüder erfolgreich bestritten und das Konzept umgesetzt. Nach vielen Projekten bildete schließlich eine große Ausstellung in der Kunsthalle Wien „den Abschluss unserer gemeinsamen Zeit.“ Danach habe jeder der  Brüder eigene Ideen realisiert.

„Meine Projekte sind ganz unterschiedlich gelagert und reichen von Eventdesign über Initiativen bis zu konkreten Bauwerken“, schildert Büchel. Dazu zählen etwa die Fahrrad-Initiative „Radlager Palazzo“, die Bar „Juicebrothers“ mit dem dazugehörigen Getränkeshop (beide in Wien), die Buch- und Weinhandlung „Cervantes“ in Feldkirch, aber auch Ausstellungen auf der ArtDesign Messe 2012 oder in diversen Galerien, um nur einige wenige Beispiele herauszugreifen.

Großen Anklang fand das Projekt „Magdas Hotel“ am Wiener Prater; ein Social Business der Caritas, das zu einem großen Teil von Flüchtlingen geführt wird. Für den Entwurf von Gestaltung und Einrichtung des früheren Seniorenzentrums zuständig: Daniel Büchel. „Im Falle ‚Magdas Hotel‘ stand am Beginn meiner Arbeit die Zerlegung des Seniorenzentrums in all seine Einzelteile“, schildert der 47-Jährige.

Aus alt mach neu

Aus alten Einbauschränken wurde anschließend nach einem Schnittplan die Möblierung für die Hotelzimmer gebaut, die alten Zimmertüren verwandelten sich in beleuchtete Garderobenspiegel, Sessel aus der Kapelle dienten halbiert als Bettablagen. Türbeschläge, Griffe und Halterungen, selbst die alten Waschbecken wurden aufpoliert und wieder verwendet. Den Begriff „Upcycling“ – also die Herstellung von neuen Produkten aus vordergründig nutzlosen Stoffen – mag Büchel aber nicht. Viel lieber spricht er von „Architektur und Notwendigkeit“.

„Magdas Hotel“ wurde zum Erfolg: Nicht nur, dass es einen starken medialen Wiederhall fand, mit dem Adolf-Loos-Staatspreis für Design 2015 in der Kategorie „Räumliche Gestaltung“ erhielt es zudem eine hohe künstlerische Auszeichnung. „Dass meine Arbeit dazu wesentlich beigetragen hat, ist eine schöne Bestätigung meines Weges“, freut sich der Architekt.

Der Austausch von Gedanken ist in der Stadt vielfältiger.

Daniel Büchel
Architekt und Künstler Daniel Büchel mit dem Modell eines Sekretärs von „Magdas Hotel“.  Foto: Heinrich Büchel
Architekt und Künstler Daniel Büchel mit dem Modell eines Sekretärs von „Magdas Hotel“. Foto: Heinrich Büchel

Zur Person

Daniel Büchel

Geboren: Jahrgang 1968

Laufbahn: HTL in Tirol, Architektur-Studium an der Akademie der bildenden Künste und an der TU in Wien, Lehrgang Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst

Geburtsort: Feldkirch