Faszination Puppenspiel

Wetter / 19.06.2017 • 19:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elisabeth Wolber haucht dem Hauptdarsteller des Stücks „Das kleine Ich bin Ich“ Leben ein.  Foto: nat
Elisabeth Wolber haucht dem Hauptdarsteller des Stücks „Das kleine Ich bin Ich“ Leben ein. Foto: nat

Elisabeth Wolber gründete das „Puppentheater am Bach“ und stellt selbst Figuren und Bühnenbilder her.

götzis. (VN-nat) Das kleine Tier besteht aus einem rosa-weiß karierten Stoff und ist ziemlich rund. Es hat zwei große Glubschaugen, die traurig dreinblicken, und eine runde Nase. An seinem Kopf hängen zwei lange, orangefarbene Bänder. Pony und Schweif sind blau und fransig. Was es ist, weiß dieses Tier selbst nicht genau. Es ist der Hauptdarsteller des Puppenspiels „Das kleine Ich bin Ich“. Elisabeth Wolber führt diese Figur und haucht ihm dadurch Leben ein. Die 76-jährige Götznerin gründete vor 37 Jahren den Verein „Puppentheater am Bach“. Seitdem setzt sie Aufführungen in Szene.

Besessen vom Theater

Schon in ihrer Jugend war Wolber fasziniert vom Theater und spielte in der schuleigenen Theatergruppe mit. „Ich war wie besessen davon“, erinnert sich Wolber. Die gebürtige Wienerin zog 1954 mit ihren Eltern nach Vorarlberg. Nach der Matura an einem Bregenzer Gymnasium studierte sie in Wien Pharmazie. Zusätzlich belegte sie ein Semester das Fach Theaterwissenschaften.

1967 kehrte Wolber samt ihrem Mann Wolfgang nach Götzis zurück. Im Gemeindeblatt entdeckte sie einen Kurs, der sich mit der Fertigung von Puppenfiguren beschäftigte. Interessiert nahm Wolber daran teil. „Es war wie eine Initialzündung. Ich war völlig fasziniert davon, Einblicke in die Herstellung dieser Figuren zu erhalten“, erinnert sie sich. 1979 beschloss sie deshalb, sich an einem Figurentheater in Deutschland ausbilden zu lassen. Sie lernte dort alles rund um die Puppenführung sowie das Fertigen von Figuren und Bühnenbildern mithilfe verschiedenster Materialien. „Ich fand es wichtig, das Handwerk zu lernen und wollte zudem meinen Horizont erweitern“, begründet Wolber ihre damalige Entscheidung. Fasziniert von dem Erlernten, wollte Wolber die Kunst des Puppenspiels auch in Vorarlberg anbieten. Mit dem Mundartdichter Rudolf Kurzemann und weiteren Interessierten gründete sie 1980 den Verein „Puppentheater am Bach“. Als eines der ersten Stücke wurde das Grimm-Märchen „Der Froschkönig“ aufgeführt. Da der Verein aber keine eigenen Räumlichkeiten hatte, wurden für die Aufführungen die Turnhallen von Schulen und Kindergärten genutzt. „Es war sehr aufwendig, die Bühne immer auf- und wieder abzubauen“, erinnert sich Wolber.

Kulturbühne Ambach

1983 nahm sie die Gelegenheit wahr, die damals leerstehenden Räume der Kulturbühne Ambach zu übernehmen. Der Verein renovierte die Räume und gestaltete sie für seine Zwecke. Seitdem kommen Schulklassen und Kindergärten aus ganz Vorarlberg nach Götzis, um sich die Inszenierungen anzusehen. „Wir sind sehr froh, in der Kulturbühne Ambach spielen zu dürfen“, sagt Wolber. Drei Stücke werden das Jahr über angeboten. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Märchen und Geschichten aus Kinderbüchern. Für die Auswahl der Stücke ist Wolber verantwortlich. „Ich mache das, was mich anspricht und was sich gut umsetzen lässt“, sagt sie. Sie bastelt alle Figuren und die Bühnenbilder selbst und greift dabei auf Materialien wie Holz, Ton oder Stoff zurück. Sie schreibt auch die Drehbücher selbst und schlüpft bei den Aufführungen auch selbst in die Rollen von Puppen. Zurzeit probt sie für das Stück „Das kleine Ich bin Ich“ nach dem gleichnamigen Buch von Susi Weigel und Mira Lobe. Ob das rosafarbene Tier mit seinen großen, traurigen Augen seine Identität gefunden hat, erfährt man bei der 6. Kinder- und Jugendmesse Buch am Bach, die von heute bis Donnerstag stattfindet.

Ich fand es wichtig, das Handwerk zu lernen.

Elisabeth Wolber

Zur Person

Elisabeth Wolber

Geboren: 30. April 1941

Wohnort: Götzis

Beruf: Pharmazeutin

Familie: verheiratet, drei Kinder

Hobbys: Wandern, Schwimmen, Theater