„Singe, wo es nur geht“

Philomena Juen ist Mitglied der Big Band Liechtenstein.
Batschuns Bei geschlossenen Augen könnte man meinen, es singe eine Frau wie Aretha Franklin, die die voluminöse Stimme sichtbar darstellt. Doch es ist Philomena Juen, 17 Jahre alt und gerade einmal 1,63 Meter groß. Wenn der Zeiger der Waage bis zum 50er ausschlägt, ist es viel und ihr heller Typ trägt auch nicht dazu bei, das zu verkörpern, was den Zuhörern entgegenschmettert. Und doch scheint alles zusammen ausreichend für einen Klangkörper, der selbst gestandene Männer dahinschmelzen lässt. Wäre es anders, würde die Gymnasiastin aus Batschuns nicht am
9. Juni im TAK Theater Schaan auftreten, als einzige Frau der Big Band Liechtenstein, die mit dem Konzert an diesem Samstag ihr 30-Jahre-Jubiläum feiert. Dabei waren die 18 Männer im Alter zwischen 19 und 70 Jahren zuerst sehr skeptisch, als Leiter Benno Marxer das junge Mädchen einlud, mal bei den Proben vorbeizuschauen.
Philomena Juen ist längst eine Größe am Vorarlberger Musikhimmel. Seit sie 13 ist, besucht sie das Jazzseminar in Dornbirn und wird von Alexandra Zischg, besser bekannt als Aja, in Gesang unterrichtet. Seit einem Jahr bereitet sie sich auf die Aufnahmsprüfung für die Hochschule für Musik und Tanz in Köln vor. Dafür besucht Juen eigens Theoriekurse mit den Fächern Gehör- und Harmoniebildung, denn die junge Musikerin ist ehrgeizig. Die Jugendliche entdeckte ihre Leidenschaft schon sehr früh. Als Vierjährige gab sie gemeinsam mit Vater Thomas den Kulthit „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ zum Besten. „Das war auf der goldenen Hochzeit von Oma und Opa“, erinnert sie sich zurück. „Papa als Roy Black und ich als Anita.“
Philomena bekam ihren ersten Applaus. Seither lodert in ihr ein Feuer der Leidenschaft, sie singt, nicht nur in der Dusche oder bei ihren drei Ziegen im Stall, sondern eigentlich überall. Ihre musikalische Begabung gab den Weg vor. Auch wenn es da eine kleine Schwäche gibt. „Was Takt und Timing betrifft, bin ich beim Singen ,on point‘, aber beim Tanzen völlig daneben“, gibt sie zu und streift den Pony ihres kecken Kurzhaar-Bobs aus der Stirn.
Gibt es für die Gymnasiastin auch ein Leben ohne Musik? Wohl kaum. Aber es gibt etwas, in das sie sich ebenfalls vertiefen kann. Das sind Serien wie „Game of Thrones“ oder „Herr der Ringe“. Sie schaut diese im Fernsehen an, denn zum Lesen reicht die Zeit momentan nicht mehr. Dennoch ist Philomena Juen keine, die Luftschlösser baut, sondern jemand, der seine Träume einfach leben und dennoch mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben will: „Es genügt, wenn es mir gelingt, von der Musik gut leben zu können.“ CRO
Zur Person
Philomena Juen
geboren 13. August 2000
Wohnort Batschuns Sennewies
Ausbildung BORG Bludenz
Hobbys Musik, Tiere, Fantasy-Serien
Vorbilder Stevie Wonder, Aretha Franklin, Teresa Brewer