Reise in die Vergangenheit

Wetter / 10.09.2019 • 18:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Egon Rusch und seine Frau Andrea sind zu Taranis und Zachin geworden. VN/hrj
Egon Rusch und seine Frau Andrea sind zu Taranis und Zachin geworden. VN/hrj

Egon Rusch organisiert Mittelaltermärkte und ist selbst aktiv dabei.

hard Er nennt sich Taranis, nach dem keltischen Gott des Himmels, des Wetters und des Donners. In seinem Mittelalter-Dasein zieht er als Gaukler von einem Markt zum anderen. In der Gegenwart heißt er Egon Rusch, ist 63 Jahre alt, Pensionist und wohnt in einem Einfamilienhaus in Bregenz-Vorkloster.

Er hat den Beruf des Kaminkehrers erlernt und übte ihn acht Jahre lang aus. 1978 stellte ihn das Amt der Stadt Bregenz als Botengänger an. Zu jener Zeit begann er sich für die Zauberei zu begeistern. Vor seinem ersten Auftritt als Magier anlässlich eines Straßenfestes in Bregenz sei er ziemlich nervös gewesen, erinnert er sich: „Vor allem beim Schlucken der vielen Rasierklingen.“

Kurze Zeit später legte er sich den Namen „Mr. Pfiffikus“ zu und begann anstelle von Rasierklingen Feuer zu schlucken. Mit dieser ziemlich heißen Disziplin stellte er bisher drei Weltrekorde auf, und zwar im Dauerfeuer- und Schnellfeuerschlucken sowie im Flammenspeien. „Zwei oder drei will ich noch schaffen“, sagt er. Anfang November nimmt er an den Weltrekordspielen in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam teil.

Das Spiel mit dem Feuer ist gefährlich. Egon Rusch hat bislang zwei Unfälle überstanden, bei denen er sich schwere Verbrennungen im Gesicht und am Oberkörper zugezogen hat. Trotzdem machte er weiter.

Das Mittelalter packte ihn vor 17 Jahren. Im Bregenzer Pavillon am See wurde ein mittelalterliches Fest mit Schwertkämpfen und anderen Darbietungen ausgerichtet. Der Veranstalter bot Mr. Pfiffikus einen Auftritt mit seiner Feuer-Show an. Nach diesem Ereignis richtete sich Egon Rusch ein zweites Leben im Mittelalter ein. Im gleichen Jahr noch organisierte er gemeinsam mit einem Kollegen aus Wien den ersten Mittelaltermarkt im Bregenzer Schoeller-Areal. „Er brachte die Händler, ich die Künstler“, erinnert er sich. Der Erfolg war so groß, dass sich dieser Markt zum Kultfest entwickelt hat. Seit 2013 findet er in Hard statt.

Die Veranstaltung ist laut Egon Rusch „ein Familienmarkt ohne Verdienst“. Nicht nur er selbst, sondern alle Mitwirkenden betreiben ihr zweites Leben in der Vergangenheit als Hobby: Etwa die Schwertkämpfer der Truppe Millitis, der Barde Horda, Herold Tomberg von der Weide, der Wanderer und Geschichtenerzähler Bertram und die Fahima-Hexen, die auf ihren Besen zu den Mittelaltermärkten düsen. Sie alle, aber auch die Musiker und zahlreichen Händler sind dabei, wenn am kommenden Wochenende das Mittelalter wieder in Hard einzieht. Organisator Egon Rusch wird als Gaukler Taranis drei Tage lang zaubern und Feuer speien.

Umstieg in anderes Leben

Vor einem Jahr hat Egon Rusch die Sängerin Andrea Roth geheiratet. Auch seine Frau ist begeistert vom Mittelalter. Mit ihr lebt Egon Rusch die Epoche zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit, unter Gauklern, Herolden, Hexen und Spielmännern gemeinsam aus. „Sobald wir ins Mittelalter abtauchen, existieren Egon und Andrea nicht mehr“, erklärt er. Schon beim Wechseln der Kleidung steigen die beiden in ihr anderes Leben um und verwandeln sich in ihr zweites Ich – in den Gaukler Taranis und die Bauersfrau Zachin.

Egon Rusch faszinieren vor allem das Ungebundensein in der Zeitlosigkeit ohne Handy und Computer, sowie der Zusammenhalt der Menschen, die der wachsenden Mittelalterfamilie angehören. So ist er auch Obmann des von ihm gegründeten Bregenzer Vereins „Mittelalter Freizeit Freunde“ (MFF), dem mittlerweile rund 25 Mitglieder angehören. VN-HRJ

Zur Person

Egon Rusch

taucht als Organisator der Mittelaltermärkte in die Vergangenheit ab.

Geboren 9. Oktober 1956

Wohnort Bregenz

Laufbahn Kaminkehrer, Botengänger, Pensionist, Magier

Familie verheiratet mit Andrea, sechs Kinder, neun Enkel 

Mittelaltermarkt, Hard, Stedepark, 13.–15. September, Freitag, 16–21 Uhr, Samstag, 11–21 Uhr, Sonntag, 11–18 Uhr, Info: www.mittelalter-veranstaltungen.com