„Ich bin wie ich bin“

Wetter / 15.10.2019 • 18:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christian Heinzle ist gerne Straßenkehrer. Aber noch lieber würde er Laster fahren. 
Christian Heinzle ist gerne Straßenkehrer. Aber noch lieber würde er Laster fahren. 

Christian Heinzle sorgt dafür, dass Dornbirn nicht im Müll erstickt.

Dornbirn Wegen seiner Lernschwäche schaffte es Christian Heinzle (36) nicht, einen Beruf zu erlernen. Sein Handicap fiel in der ersten Klasse Volksschule auf. Daraufhin wechselte der Bub in die Sonderschule. Nach der Schule wollte sich der Lustenauer zum Maurer ausbilden lassen. Aber seine Leistungen in der Berufsschule reichten nicht. In der Folge besuchte er die Berufsvorschule Jugend am Werk. Dort arbeitete er ein halbes Jahr in der Tischlerei. Nachfolgend bekam er eine Lehrstelle bei einer Gebäudereinigungsfirma. Auch diese Lehre musste er wegen schulischer Schwierigkeiten abbrechen. Danach gaben die Dornbirner Jugendwerkstätten dem jungen Mann eine Chance. Diese soziale Einrichtung erleichtert Jugendlichen mit befristeten Arbeitsplätzen den Weg ins Berufsleben. Die Institution war ihm mehrere Jahre eine berufliche Heimat. Dann, im Jahr 2010, übernahm ihn zu seiner Freude die Stadt Dornbirn. „Seither fahre ich mit dem Wägelchen.“

Als Straßenkehrer sorgt Heinzle in Zentrum von Dornbirn für saubere Straßen und Plätze. Dem Stadtpfleger ist bewusst, dass er eine wichtige Arbeit macht. „Ohne uns würde die Stadt im Müll ersticken.“ Seine Arbeit ist nicht ungefährlich. „Zweimal wäre ich beinahe zusammengefahren worden.“ Darum ist er froh, wenn er abends gesund heimkommt. Rund zwölf Kilometer legt der Stadtpfleger mit seinem Wägelchen jeden Tag zurück. Heinzle mag seine Arbeit, weil sie ihn ins Freie bringt und abwechslungsreich ist. Im Herbst hat er es mit viel Laub zu tun, im Winter mit Schnee, im Frühling mit überbordendem Gebüsch und im Sommer mit viel Müll. Auf der Straße begegnet er vielen Menschen. „Bei schönem Wetter grüßen sie freundlich. Wenn es eine Woche durchregnet, bekommen sie den Mund nicht auf.“ Manche sind so dankbar für seine Arbeit, dass sie ihm ein Trinkgeld geben.

Obwohl ihm seine Tätigkeit immer wieder Glücksmomente beschert, ist es nicht sein Traumjob. „Lkw fahren. Das ist mein Lebens­traum.“ Mit acht Jahren fuhr er zum ersten Mal in einem Brummi mit. Der Bub war so begeistert, dass er seine Eltern wissen ließ: „Ich werde Lkw-Fahrer.“ Diese wussten nun, wie sie ihrem Sohn eine Freude bereiten konnten. Sie schenkten ihm zu Anlässen Lastautos in Miniaturausgabe. Inzwischen ist Heinzle stolzer Besitzer von mehr als 2000 Lastern. 2014 versuchte er den Lkw-Führerschein zu machen. Aber er fiel bei der Prüfung durch. Da haderte er mit sich und seiner Lernschwäche. Inzwischen hat er sich aber wieder mit sich ausgesöhnt und sein Handicap akzeptiert. „Ich bin wie ich bin.“ VN-kum

Zur Person

Christian Heinzle

leidet unter einer Lernschwäche und konnte deshalb keinen Beruf erlernen. Er arbeitet seit 2010 bei der Straßenmeisterei Dornbirn.

Geboren 14. April 1983

Ausbildung keine

Familie ledig

Hobbies Lkw, Teilnahme an Trucker-Events