Der Pilot der High Society

Wetter / 04.11.2019 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Flugkapitän Marc Philipp Stöckl fliegt mit Privatjets. Valentin Dinkov
Flugkapitän Marc Philipp Stöckl fliegt mit Privatjets. Valentin Dinkov

Marc Stöckl chauffiert die Schönen und Reichen durch die Luft.

Schwarzach, Partenen Nachdem er als Bub zum ersten Mal geflogen war (in den Urlaub), wollte Marc Philipp Stöckl Pilot werden. „Von da weg träumte ich davon, ein Flugzeug zu steuern. Mich faszinierte die Technik. Ich fragte mich, wie man überhaupt in die Luft kommt.“ Der Montafoner konnte seinen Kindheitstraum beim Bundesheer verwirklichen. Dort hatte er sich verpflichtet und es bis zum Unter- und Milizoffizier gebracht. Noch heute ist er dem Heer dankbar, „dass es mir die Chance gab, die Ausbildung zum Privat-, Berufs- und Linienpiloten zu machen.“ Den ersten Alleinflug vergisst Stöckl nicht mehr.

„Ich flog eine einmotorige Propellermaschine. Ich war sehr aufgeregt. Denn jetzt saß ich allein im Flugzeug. Ich hatte die ganze Verantwortung. Trotzdem war es ein gutes Gefühl. Nach dem Flug war ich erleichtert, dass ich es geschafft hatte.“

Weil Stöckl Business-Jets steuern wollte, machte er die Typenschulung für Geschäftsreiseflugzeuge. „Danach wurde ich bei einem regionalen Flugunternehmen als Copilot angestellt.“ Inzwischen ist er bereits seit zwölf Jahren Flugkapitän. „Dann ist man wirklich verantwortlich. Aber mit der Verantwortung hatte ich noch nie ein Problem.“ Derzeit fliegt der Freelancer für ein Schweizer und ein deutsches Unternehmen. „Ich bringe Privatpersonen und Geschäftsleute mit dem Privatjet diskret von A nach B.“ Die Privatjets werden vorwiegend von Firmen und Prominenten gechartert. Viele seiner Fluggäste gehören der sogenannten High Society an. Boris Becker, Sebastian Vettel, Thomas Gottschalk – das sind nur einige der Berühmtheiten, die er an Bord hatte. Der Wahl-Schwarzacher hat die Erfahrung gemacht, dass die Promis sehr umgänglich und unkompliziert sind. Aber hin und wieder hat er auch Diven unter seinen Passagieren. „Oft sind das reiche Russinnen, die mit 20 Stück Gepäck kommen und ausgefallene Cateringwünsche haben.“

Sein Job ist aus mehreren Gründen herausfordernd. „Das Handling rund um den Flug kann aufwendig und anspruchsvoll sein.“ Manchmal steht der Pilot, der seine Gäste am Flughafen in Empfang nimmt, vor der Herausforderung, 25 Koffer verstauen zu müssen. Einfallsreich muss der Flugkapitän auch sein, wenn der Zielflughafen aus Witterungsgründen gesperrt wurde. „Dann muss ich einen Ausweichflughafen ausfindig machen und eine Limousine organisieren, damit der Gast an sein Ziel kommt.“ Manchmal macht Stöckl selbst unmögliche Dinge möglich, immer im Rahmen der Sicherheit und der Vorschriften, versteht sich. „Das Schöne ist, dass manche mega-dankbar sind, wenn man sie schnell irgendwohin bringen kann.“

Im Sommer fliegt Stöckl, der auch Fluglehrer ist, vorwiegend Palma, Ibiza, Nizza, Cannes und Olbia an, im Winter St. Moritz, Innsbruck und Sion. Er muss aber auch Flughäfen anfliegen, die er nicht kennt oder die auf Sicht angeflogen werden müssen. „Weil wir die unterschiedlichsten Anflüge machen, ist bei uns die fliegerische Herausforderung besonders groß.“ Aber genau das macht für ihn den Reiz des Pilotenberufs aus. An seinem Beruf gefällt ihm außerdem, „dass man viel herumkommt. Ich bringe es im Jahr auf circa 200 Hotel-Nächtigungen.“ 

Es kommt ihm gelegen, dass im Winter in der Fliegerei weniger los ist. So kann er das Sportgeschäft „Stöckl“ in Partenen betreiben, das auf Touren-Ausrüstung spezialisiert ist. Dieser Job erdet ihn, weil er es als Kleinunternehmer mit ganz gewöhnlichen Menschen zu tun hat, und nicht wie sonst mit den Schönen und Reichen. „Zu denen will man gar nicht dazugehören. Sie kochen auch nur mit Wasser und haben die gleichen Probleme wie wir.“ VN-kum

Zur Person

Marc Philipp Stöckl

verwirklichte sich seinen Kindheitstraum und wurde Pilot. Er fliegt Privatjets, die von Prominenten und Firmen gechartert werden.

Geboren 23. Dezember 1977 in Schruns

Wohnort Schwarzach

Familie in Partnerschaft

Hobbies Skifahren, Schwimmen