Im Einsatz für die Ärmsten

Wetter / 22.11.2019 • 18:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Seit 20 Jahren reist Hartmut Dünser regelmäßig nach Burkina Faso. VN/RP
Seit 20 Jahren reist Hartmut Dünser regelmäßig nach Burkina Faso. VN/RP

Hartmut Dünser erhielt Romero-Preis für sein soziales Engagement.

Kennelbach Wenn Hartmut Dünser aus Kennelbach an seine erste Reise nach Burkina Faso denkt, leuchten seine Augen. „Ich stieg aus dem Flugzeug aus, die Luft war warm und es roch leicht nach Holzkohle“, schwelgt der ehemalige Berufsschuldirektor in Erinnerungen. Das war im Jänner 2001, kurz nach seiner Pensionierung. Im letzten Jahr seiner Tätigkeit an der Berufsschule in Dornbirn hat Hartmut Dünser durch ein Schulprojekt von Burkina Faso erfahren. Ein Land, das ihn durch seine Andersartigkeit und Exotik schon immer interessierte. „Mit meiner Pensionierug kam nun der richtige Zeitpunkt, mich auf ein neues Projekt zu konzentrieren“, erzählt Dünser, der viele Jahre zuvor den Hilfsverein „Runde eine Welt“ gegründet hatte und einige Jahre seines Lebens in Amerika verbrachte.

Alphabetisierungskurse

Im Dorf Diapaga, einer Region östlich von Burkina Faso, traf der Kennelbacher erstmals auf Louis Tankoano von der Organisation „Tin Sedi“. „Schnell entstand die Idee, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen und einen Verein zu gründen“, erinnert sich Dünser. Gesagt, getan. Gemeinsam mit seinem Projektpartner zog Dünser in die Dörfer, um sich ein Bild von den ärmlichen Zuständen zu machen. Heute, fast 20 Jahre später, hat Hartmut Dünser mit der Umsetzung zahlreicher Projekte vielen Menschen aus einem der ärmsten Länder der Welt eine lebenswertere Zukunft gesichert. Es wurde ein Bildungszentrum errichtet, zahlreiche Brunnen und Rückhaltebecken sowie Getreidemühlen wurden gebaut, Gemüsegärten angelegt und Alphabetisierungskurse für Frauen durchgeführt. „Nur über Kenntnisse wie Rechnen, Schreiben und Lesen können die Frauen Eigenständigkeit erlangen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Der Wandel, den die Frauen durchlebt haben, war erstaunlich“, freut sich der 78-Jährige, der bis heute in über 60 Dörfern seine Hilfe angeboten hat.

Neben den Dorfprojekten richtete sich ein weiterer Fokus darauf, den Jugendlichen durch Ausbildungsprojekte eine Perspektive zu geben, um der Abwanderung in der Region entgegenzuwirken. „Wir haben Maurer, Schneiderinnen und Zweiradmechaniker unterrichtet. Das war ein absoluter Renner“, erzählt Dünser, der aber auch einige Rückschläge verkraften musste. Der Tod seines langjährigen Projektpartners Louis Tankoano war für den Pensionisten „wie ein Schlag ins Gesicht“. „Es war ein banges Gefühl. Aber es musste weitergehen.“ Und das tat es auch. Hartmut Dünser traf auf Ausbilder Kanfoudi Namountougi, in dem er einen geeigneten Nachfolger fand.

„Kann nicht die ganze Welt retten“

Es ist vor allem die Fröhlichkeit der Menschen, die von weniger als nichts leben, die Dünser bis heute fasziniert. „Das motiviert mich jeden Tag, weiterzumachen.“ In den vergangenen 20 Jahren reiste er 35 Mal nach Burkina Faso und es sollen noch viele weitere Besuche folgen. „Ich weiß, dass ich nicht die ganze Welt retten kann. Aber ich tu, was ich kann und hoffe, dass ich das noch so lange wie möglich machen kann“, sagt Hartmut Dünser, der am Freitagabend für sein Engagement mit dem Romero-Preis 2019 ausgezeichnet wurde.

Der Preis wird alljährlich von der Katholischen Männerbewegung Österreich verliehen und geht an Persönlichkeiten, die sich im globalen Süden für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Entwicklung einsetzen. „Der Preis ist eine große Ehre für mich“, freut sich Dünser, merkt aber auch bescheiden an: „Ohne die Unterstützung vieler helfenden Hände und meiner Frau Frieda wäre das nicht möglich gewesen.“ VN-TAS

Zur Person

Hartmut Dünser

Romero-Preis-Träger 2019

Geboren 9. Juli 1941, Neuhof/Ostpreußen

Wohnort Kennelbach

Laufbahn gelernter Techniker, pensionierter Direktor der Landesberufsschule in Dornbirn, setzt sich seit 20 Jahren für benachteiligte Menschen in Burkina Faso ein

Familie verheiratet, ein Sohn und eine Tochter sowie zwei Enkelkinder

Hobbys Lesen, Reisen