Gelebtes Miteinander

Wetter / 25.11.2019 • 18:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Simona Marinier ist Freude eine wichtige Antriebsfeder im Leben. BI
Für Simona Marinier ist Freude eine wichtige Antriebsfeder im Leben. BI

Simona Marinier übernahm die Leitung des MoHi in Bludenz.

Bludenz Der Umgang mit Menschen, die einer Pflege bedürfen, ist für Simona Marinier vertraut. Als Kind lebte sie zusammen mit der Großmutter in einem Haus, diese wurde von ihrer Mutter Elisabeth gepflegt. „Meine Mama war ebenfalls beim MoHi beschäftigt. Durch sie erlernte ich einen ganz natürlichen Umgang mit Krankheit, Alter und Pflege. Ich hatte nie Scheu davor, auf Menschen, die Hilfe oder Unterstützung benötigen, zuzugehen. Als meine Kinder im Kindergarten waren, begann ich selbst als Betreuerin des MoHi zu arbeiten. Ich wollte meine Zeit sinnvoll gestalten“, erinnert sich Simona.

Nachdem die engagierte junge Frau zunächst als Stellvertreterin der Einsatzleitung fungierte, übernahm sie Anfang November nun die Leitung. Ein verantwortungsvolles Aufgabengebiet, denn es sind immerhin rund 120 Helferinnen für den MoHi Bludenz im Einsatz. Vorwiegend sind dies junge Mütter und Pensionistinnen, vereinzelt aber auch Männer. „Die Aufgaben, die unsere Helfer übernehmen, sind sehr vielseitig. So sorgen sie für eine adäquate Betreuung zu Hause, indem sie ein Wohlfühlen im eigenen Wohnbereich ermöglichen. Haushaltsreinigung zählt dazu, aber es soll auch aktiv der zunehmenden Vereinsamung entgegengewirkt werden. Wir sind multifunktional: Zuhörer, Spielgegner – meistens beim Jassen, Stützen beim Spazierengehen, Mode- und Einkaufsberater, Dekorateur, Koch, Chauffeur und im Idealfall ein Freund, auf den man sich freut“, erklärt Simona. Wert und Würde eines Menschenlebens müsse in den Vordergrund gestellt werden, auch wenn manche Lebensentwürfe für die Betreuer unverständlich erscheinen: „Toleranz und Respekt sowie viel Einfühlungsvermögen sind für diese Herausforderung unabdingbare Eigenschaften.“ Es sei immer eine Grundintention von ihr gewesen, die Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Diese Wertgrundhaltung sei ihr auch im Beruf wichtig.

Als Einsatzleiterin sieht die sympathische Gesundheitsfachfrau ihre Hauptaufgabe als Anlaufstelle für Angehörige, Betreute, Helfer und Systempartner. „Es geht um ein gelebtes Miteinander. Das Wohl des zu Betreuenden steht immer im Fokus. Dies ist nur mit einem starken Team möglich. Aus diesem Grund liegen mir die Organisation von Weiterbildungen, aber auch Teamabende, Ausflüge und Feiern am Herzen“, schildert sie ihr Herangehensweise. Das Einsatzgebiet des MoHi sei in den letzten Jahren umfassender geworden. Waren es früher vor allem alte und betagte Menschen, die Unterstützung benötigten, sind es mittlerweile immer mehr Menschen aus den sozialen Randschichten, die oftmals den Halt im Leben verloren haben. „In diesem Zusammenhang werden auch gesellschaftliche Umbrüche deutlich, was eine zusätzliche Herausforderung an unser Team darstellt“, führt sie weiter aus.

Zeit kostbarer als Geld

Dennoch sehe sie es als Glück, immer wieder neue Menschen kennenzulernen, punktuell in deren Leben einzutauchen und dort eine kleine Spur zu hinterlassen: „Die Offenheit, das Vertrauen und die Dankbarkeit, welche mir oftmals entgegengebracht werden, sind der beste Lohn für das Bemühen um das Wohlergehen. Freude ist ein wichtiger Antrieb in meinem Leben. Wir brauchen nicht neue Programme für die Nöte unserer Zeit, sondern eine neue Form der Menschlichkeit. Zeit ist kostbarer als Geld, dies wurde mir in unzähligen Gesprächen immer deutlicher. Und wenn es schwierig ist, dann hilft es oftmals, alles mit einer Prise Humor zu nehmen.“ BI

Zur Person

SIMONA MARINIER

Geboren 21. Oktober 1977

Familie verheiratet mit Antoine, Tochter Adeline (17) und Sohn Damian (16)

Wohnort Bludenz

Beruflicher Werdegang HLW Rankweil, Konzessionsprüfung, einige Semester Geschichte und Französisch an der Uni Innsbruck, diverse Auslandsaufenthalte, Ausbildung zur dipl. Ordinationsassistentin

Hobbys kreatives Gestalten, Reisen, Musik, Lesen, Philosophieren, Pilates, Qi-Gong