Nachsichtig

Wetter / 30.12.2019 • 18:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Fabienne Jochum ist um gute Ernährungstipps nie verlegen. khbg
Fabienne Jochum ist um gute Ernährungstipps nie verlegen. khbg

Fabienne Jochum pflegt auch als Diätologin den Genuss.

feldkirch An besonderen Tagen üben sich sogar Diätologinnen zuweilen in kulinarischer Nachsicht. Bei Fabienne Jochum (29) kommt zum Jahreswechsel jedenfalls ein klassisch-zünftiges Fondue auf den Tisch. „Anlässe wie diese rechtfertigen die eine oder andere Sünde“, meint sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. Diese Philosophie lässt Jochum auch bei ihren Patienten gelten. Seit mehr als sechs Jahren arbeitet die Hörbranzerin als eine von sechs Diätologinnen im Landeskrankenhaus Feldkirch. Dort betreut sie täglich etwa 40 Patienten und führt durchschnittlich vier bis fünf Beratungen durch. Kranke Menschen bei der richtigen Ernährung zu unterstützen ist ihr ein Herzensanliegen, das allerdings viel Geduld und Einfühlungsvermögen verlangt, Fabienne Jochum weiß: „Essen ist eine Gewohnheitssache und die Bereitschaft zur Umstellung anfangs eher gering.“ Deshalb hält die Expertin auch wenig von strikten Ernährungsvorgaben. Sie setzt lieber auf Hausverstand und Individualität. „Gerade an Feiertagen schauen wir dazu, dass auch unsere Patienten zu ihrem Genuss kommen“, erzählt Fabienne Jochum. Gut und trotzdem praktikabel sollte die Ernährung sein. Im Gespräch könne da viel geregelt werden.

Mit Menschen arbeiten

Fabienne Jochum zog es in die Diätologie, weil sie das Ernährungsthema insgesamt interessierte. Die Ausbildung absolvierte sie in St. Pölten, das LKH Feldkirch ist ihre erste Arbeitsstelle. Mit Menschen zu arbeiten, auf sie einzugehen und ihnen einen bewussten Umgang mit dem Essen zu vermitteln macht den Job für die leidenschaftliche Musikantin jeden Tag aufs Neue spannend. „Er bietet wirklich viel Abwechslung“, bekräftigt Jochum. Dass ihr andere ganz gerne auf den Teller schauen, trägt sie mit Fassung, ebenso die öfter auftauchende Frage, ob sie denn normal essen dürfe. Fabienne Jochum lacht. Sie darf. Besonders gerne mag sie Schokolade und gönnt sich die auch ab und an ohne schlechtes Gewissen. „Die Dosis macht‘s“, bemerkt sie vielsagend. Mit der Dosis ist es an Tagen wie diesen ebenfalls so eine Sache. Meist wird gehörig über die Stränge geschlagen. Fabienne Jochum und ihre Kolleginnen wissen Rat. „Planen Sie ausreichend Bewegung ein, ein flotter Spaziergang relativiert das eine oder andere Kekserl.“

Krönchen richten

Gewarnt wird vor der „jetzt isch as eh scho wurscht“-Einstellung. „Atmen Sie tief durch und lassen Sie sich nicht von ein paar fetten Tagen aus der Bahn werfen“, lautet der Appell der Expertinnen aus den Landeskrankenhäusern Feldkirch und Bregenz. Ihre Empfehlung: „Kinn hoch, Krönchen richten und mit vernünftigem Lifestyle und Bewegung weitermachen.“ Durch gute Vorsätze werde die Ernährung nämlich oftmals auf den Kopf gestellt. „Nimmt man sich zu viel vor, halten diese Vorsätze meist nicht lange“, warnt Fabienne Jochum. Lieber kleine Veränderungen vornehmen, etwa Weißbrot durch Vollkorn- oder Sauerteigbrot zu ersetzen und damit zu beginnen, drei Hände voll Gemüse pro Tag zu essen. Und zu den Feiertagen bloß nicht auf das Frühstück verzichten. „Ob ein Müsli mit Haferflocken und frischen Früchten oder Vollkornbrot mit Hüttenkäse und Gemüse: Beides liefert wertvolle Ballaststoffe und sättigt gut. So kann man dem Keksteller besser widerstehen“, lautet eine andere wichtige Botschaft.

Die Umwelt ist Jochum auch ein Anliegen. Dazu gehört nach üppigen Gedecken die Resteverwertung. „Aus den Fleischresten von Fondue lässt sich durch Zugabe von Wurzelgemüse und Getreidekörnern ein schmackhafter Eintopf zubereiten“, hält sie auch gleich ein leicht umsetzbares Rezept parat. Bleibt Gemüse vom Raclette übrig, gibts einen Gemüseauflauf. VN-MM

Zur Person

Fabienne Jochum

arbeitet als Diätologin im Landeskrankenhaus Feldkirch und gibt zum Jahreswechsel gute Tipps

Alter 29

Ausbildung Diätologie

Laufbahn angestellt im LKH Feldkirch

Familie Freund

Hobbys Musikverein, Yoga