Leben retten mit Plasma

Wetter / 05.05.2020 • 18:23 Uhr
Leben retten mit Plasma

Raphael Hoor hat Covid19 hinter sich. Jetzt spendete er Blutplasma.

Feldkirch Raphael Hoor (26) hat keine Ahnung, wo er das Coronavirus aufgelesen hat. „Ich war in keinem Risikogebiet.“ Mitte März wurde der Entwicklungskonstrukteur krank. Zunächst dachte er, dass er erkältet ist. Aber er litt weder an Halsweh noch an Husten. Auch Fieber hatte er keines. „Ich war jedoch sehr kurzatmig. Außerdem waren mein Geschmacks- und Geruchssinn total weg. Das war echt schräg. Egal, was ich aß, ich schmeckte und roch nichts.“

Hoor rief auf Anraten seiner Freundin die Hotline 1450 an. In der Folge wurde er auf Covid19 getestet. Ein paar Tage später stand fest, dass er ein Opfer der neuen Viruskrankheit ist. Die Erkrankung verlief bei dem jungen Mann milde. „Nach zwei Wochen waren die Symptome weg.“  Mittlerweile kann er wieder Sport machen. „Aber so fit wie früher bin ich nicht. Beim Treppensteigen komme ich immer noch ins Schnaufen.“  Das gibt ihm zu denken. „Hoffentlich bleiben keine dauerhaften Schäden zurück.“ Hoor wäre gern wieder ganz der Alte. „Vor der Erkrankung sah ich mich als gesunden und fitten Mann.“

Als das Rote Kreuz Covid19-Genesene zum Spenden von Blutplasma aufrief, meldete sich der Feldkircher sofort. Denn: „Es freut mich, wenn ich anderen Menschen helfen kann.“  Am 23. April wurde ihm etwas mehr als ein halber Liter Blutplasma entnommen. „Es tut überhaupt nicht weh und ist entspannter als Blutspenden. Auch danach ging es mir gut.“ Als ihm später zu Ohren kam, dass eine schwerkranke Frau erfolgreich mit Blutplasma behandelt werden konnte, freute er sich enorm. „Das war für mich der Beweis, dass es funktionieren kann. Wer weiß, vielleicht war es mein Blutplasma, das der Covid19-kranken Frau das Leben rettete.“ Hoor will es nicht bei der einen Plasma-Spende belassen. Er möchte unbedingt nochmals Plasma spenden, weil es ihm einfach ein großes Anliegen ist, Menschen zu helfen.

Der Zivildienst beim Roten Kreuz verstärkte seine soziale Gesinnung. Krankentransporte und Notfall­einsätze konfrontierten den jungen Mann mit dem prallen Leben. „Als Rettungssanitäter habe ich beides erlebt: Geburt und Tod.“ Das bleibt in Erinnerung. „Einmal schaffte es eine hochschwangere Frau nicht mehr ins Spital. Das Baby kam bei ihr zuhause zur Welt. Ich habe dem Notarzt assistiert.“ Ein andermal rettete der Zivildiener einem Mann das Leben, indem er ihn erfolgreich reanimierte. Aber längst nicht alle Einsätze gehen gut aus. „Nicht jede Wiederbelebung ist erfolgreich.“ Und: „Es sterben auch junge Menschen bei Unfällen.“ Dies stimmte ihn manchmal traurig. Trotzdem gefiel ihm der Zivildienst bei der Rettungsorganisation. „Es ist schön, gebraucht zu werden. Die Menschen sind dankbar, dass wir kommen und helfen.“

Engagement bei der Feuerwehr

Nach dem Zivildienst beschloss Hoor, dem Roten Kreuz treu zu bleiben. Inzwischen ist der ausgebildete Rettungssanitäter bereits seit vier Jahren für die Organisation ehrenamtlich tätig. „Ich bin einmal in der Woche im Einsatz, oft in der Nacht, aber auch an Sonntagen  und Feiertagen.“ Dass er dafür einen Teil seiner Freizeit opfert, ist für ihn kein Problem. „Mir ist es wichtig, dass ich für andere da sein und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten kann.“ Außerdem: „Wenn ich diesen Job nicht mache, wer tut es dann?“ Es brauche Menschen, die diese Arbeit machten, die ja nicht gerade unwichtig sei.

Der 26-jährige Rotkreuzler gehört auch der Feuerwehr Feldkirch an. Auch hier wird er gebraucht. „Die Menschen sind froh, dass wir kommen. Wenn man einen Brand miterlebt und sieht wie ohnmächtig und hilflos die Opfer sind, dann weiß man, warum man Feuerwehrmann ist.“ VN-kum

Raphael Hoor wird in der Blutbank am LKH Feldkirch Plasma entnommen. Archiv
Raphael Hoor wird in der Blutbank am LKH Feldkirch Plasma entnommen. Archiv

Zur Person

Raphael Hoor
erkrankte an Covid19. Er spendete Blutplasma, um anderen Menschen zu helfen.

Geboren 17. April 1994 in Dornbirn

Ausbildung Kunststofftechniker

Familie in Partnerschaft

Hobbys Radfahren, Joggen