Das Ende des Dialogs

Wetter / 03.11.2020 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Johannes Vith ist mit den USA eng verbunden. Uni Innsbruck
Johannes Vith ist mit den USA eng verbunden. Uni Innsbruck

Der Vorarlberger Dissertant Johannes Vith über „sein“ Amerika.

Innsbruck Amerika hat den Dornbirner Johannes Vith schon sein ganzes bewusstes Leben lang begleitet. Als musikalischer Bub taugte ihm die Musik, in der Schule das Fach Englisch mit USA-Bezug, zum Studieren suchte er sich selbstredend das Fach Englisch aus, seine Reisen führten ihn, eh klar, bevorzugt in die USA. Jetzt schreibt er als Universitätsassistent am Institut für Amerikastudien in Innsbruck seine Doktorarbeit zu einem komplexen ökologischen Thema.

Im Swing State Ohio

Die USA hat der 25-jährige Dornbirner zum letzten Mal im März gesehen. „Ich war von Juli 2019 bis März 2020 im Rahmen meines Studiums in Ohio. Doch dann musste ich wegen Covid-19 fluchtartig das Land verlassen. Ich war froh, noch einen Flug bekommen zu haben.“ Dass Ohio mit seinen knapp 12 Millionen Einwohnern immer ein sogenannter Swing State (ein US-Bundesstaat mit wechselnden Mehrheiten von Republikanern und Demokraten) bleiben wird, ist für Vith logisch. „Ohio ist ein Mikrokosmos der USA. Es gibt dort alles: verschiedene Kulturen, viele Ethnien, ländliche Gegenden, städtische Siedlungen, viele Fabriken, viel Natur.“

Was es im zum sogenannten „rust belt“ (Industriegürtel) gehörenden US-Bundesstaat im Nordosten des Landes seit einiger Zeit leider auch gibt: „Das ist eine unglaubliche Polarisierung“, berichtet Vith. Er gibt ein Beispiel. „Wir hatten da einmal einen rechtslastigen Vortragenden an unserer Universität in Columbus. Bevor der bei uns eintraf, wurden wir von der Universität vor möglichen Unruhen auf den Straßen gewarnt. Das empfand ich als unglaublich. Es ist, als ob das Ende des Dialogs von unterschiedlich denkenden Menschen gekommen ist.“

Die  Fabriksjobs

Die Dialogverweigerung, so Johannes Vith, habe mittlerweile auch viele Demokraten erfasst. Man bewege sich praktisch nur noch unter seinesgleichen. Andersdenkende kennt man zwar, aber man spricht nicht mehr wirklich mit ihnen. „Ich kenne natürlich in Ohio auch Trump-Fans. Aber meine Freunde dort sind alle Demokraten.“

Vith hat seine Liebe zu den USA im Allgemeinen und zu Ohio im Besonderen, dennoch nicht verloren. Begeistert berichtet er von einem Land, das keinen Horizont kennt, in dem sich über große Flächen eine Fabrik nach der anderen reiht.

„Es waren die Fabriksarbeiter, die vor vier Jahren in großer Zahl Trump wählten, weil sie sich von ihm Jobs versprochen hatten. Weil wenn für sie der Fabriksjob weg ist, dann gibt es dazu keine Alternativen“, erklärt der Dissertant, der sein Lehramtsstudium bereits beendet hat und irgendwann auch einnmal unterrichten möchte.

Aus Pädagogenfamilie

Als Lehrer wäre der junge Dornbirner erblich vorbelastet. Sein Vater ist AHS-Professor, seine Mutter Volksschullehrerin. Er selber machte seine Matura im Jahr 2013 am Bundesgymnasium in Dornbrin. Danach war für ihn klar: „Ich will Englisch studieren.“ Als Zweitfach suchte er sich Geografie aus. Dazu inskribierte er auch noch Politikwissenschaften.

Am Institut für Amerikastudien in Innsbruck hat er eine ihm liebgewonnene berufliche Heimat gefunden und kann sich in kompetentem Umfeld seiner beruflichen Weiterbildung und seiner Dissertation widmen.

Den „riesigen Kulturraum USA“ trägt Johannes Vith jedoch immer in seinem Kopf und in seinem Herzen. Dass er eines Tages lieber in ein von Joe Biden regiertes Amerika zurückreisen möchte, versteht sich von selbst. Mit dieser Haltung ist er schließlich in Europa nicht alleine. VN-HK

Zur Person

Johannes Vith

Der 25-jährige Dornbirner ist am Institut für Amerikastudien in Innsbruck tätig.

Geboren 26. Februar 1995

Beruf Universitätsassistent

Wohnhaft Innsbruck

Familie Ledig

Hobbys Wandern, Kochen

Lieblingsspeise Käsknöpfle

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.