Wenn das Smartphone zur Sucht für Kinder wird

Wissen / 09.10.2015 • 16:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der „Permanente Kommunikationsdruck“ setzt Kinder unter Stress. APA
Der „Permanente Kommunikationsdruck“ setzt Kinder unter Stress. APA

Eine aktuelle Studie weist auf die Risiken der exzessiven Handy-Nutzung hin.

Düsseldorf. Smartphones haben die Kinderzimmer im Sturm erobert. Nun zeigt eine Studie von Medienforschern aus Mannheim: Die neuen digitalen Begleiter des Nachwuchses bergen durchaus Risiken und Nebenwirkungen. Alle paar Minuten geht der Griff zum Smartphone.

Ständiger Begleiter

Die internetfähigen Handys sind zum ständigen digitalen Begleiter von Kindern und Jugendlichen geworden. Die große Mehrheit von ihnen besitzt bereits solch einen mobilen Zugang zum Internet und wickelt ihre Kommunikation darüber ab. Wer keines hat, ist ausgeschlossen. Viele Eltern beobachten den Umgang mit gemischten Gefühlen.

Mannheimer Forscher geben ihnen nun recht: Die ständige digitale Versuchung in der Hosentasche ist durchaus problematisch. Fast jeder zehnte (acht Prozent) junge Smartphone-Besitzer ist suchtgefährdet. Eine Verbannung der Multifunktionsgeräte halten die Wissenschafter aber dennoch für keine gute Idee.

Handys lenken ab

Für die Studie im Auftrag der Landesmedienanstalt NRW haben die Forscher 500 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren, aber auch Eltern befragt. Die Studie sei damit repräsentativ für die Handybesitzer dieser Altersgruppe. Viele Kinder und Jugendlichen räumen gegenüber den Forschern durchaus selbstkritisch einen fragwürdigen Umgang mit den mobilen Computern ein.

Fast die Hälfte gibt zu, durch das Handy abgelenkt zu werden, etwa von den Hausaufgaben (48 Prozent), oder unüberlegt persönliche Daten preiszugeben (43 Prozent). Mehr als jeder vierte junge Befragte gab an, schon einmal Nachrichten von Fremden erhalten zu haben. Jeder Vierte fühlt sich durch die permanente Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp gestresst (24 Prozent).

Jeder Fünfte (21 Prozent) ist schon auf nicht jugendfreien Seiten gelandet, gibt schulische Probleme durch seine starke Handy-Nutzung zu (20 Prozent) und hat via Smartphone schon Gewalt-Videos mit entwürdigenden Darstellungen bekommen (19 Prozent). Jeder Siebte (15 Prozent) bemängelt, dass die echten Kontakte zu Freunden zu kurz kommen. Jeder Zehnte (elf Prozent) ist bereits Opfer digitalen Mobbings oder von Ausgrenzung aus WhatsApp-Gruppen geworden. Am geringsten scheint bei den Acht- bis Vierzehnjährigen noch das Problem des sogenannten Sextings: Nur knapp jeder zwanzigste Befragte (vier Prozent) gab an, bereits intime Fotos verschickt zu haben.

Davon ausgehend, dass viele junge Befragte dazu neigen könnten, die Schattenseiten des geliebten Smartphones herunterzuspielen, seien die Zahlen Mindestgrößen – eine Dunkelziffer nach oben hin könne nicht ausgeschlossen werden, sagt Karin Knop (Uni Mannheim).

„Kommunikationsdruck“

Die exzessive Nutzung der Smartphones durch Kinder und Jugendliche sei zu einem Teil durch die Angst getrieben, aus dem Kommunikationsprozess des Freundes- oder Bekanntenkreises ausgeschlossen zu werden. So entstehe ein „permanenter Kommunikationsdruck“. „Acht Prozent müssen als suchtgefährdet eingestuft werden“, sagt Knop.

Die große Mehrheit der Jugendlichen nutzt bereits ein Smartphone. Unter den Zwölf- bis 13-Jährigen haben 85 Prozent ein Computerhandy, ergab eine Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom in diesem Jahr. Bei den jüngeren Jugendlichen zwischen zehn und elf Jahren nutzen gut die Hälfte (57 Prozent) ein Smartphone.

Acht Prozent müssen als suchtgefährdet eingestuft werden.

Karin Knop