Der CO2-Ballon

Wissen / 07.02.2020 • 16:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei fünf Millionen Autos in Österreich würde das Kohlendioxid einen Ballon von zwei Kilometern Durchmesser erfordern.VN/KH
Bei fünf Millionen Autos in Österreich würde das Kohlendioxid einen Ballon von zwei Kilometern Durchmesser erfordern.VN/KH

Klimarucksack einmal anders. Anschaulich.

Schwarzach Viel ist die Rede vom „ökologischen Schuhabdruck“, eine besonders unglückliche Formulierung, denn ein Schuhabdruck entsteht ja, wenn ich zu Fuß gehe; völlig falsche Konnotation, ökologisch ist bedenklich, dass wir alle möglichen Sachen machen, nur nicht zu Fuß gehen … angegeben werden dann oft Kilo oder Tonnen Kohlendioxid, die wir bei dieser oder jener Tätigkeit in die Atmosphäre entlassen. Nun ist Kohlendioxid bekanntlich ein Gas, farb- und geruchlos, es fehlt jede sinnliche Erfahrung.

Die besonders fehlende Erfahrung ist zweifellos das Gewicht. Gase haben Masse und Gewicht, aber die spüren wir nicht, außer bei Föhn und Orkan, wenn sich das Gasgemisch, das wir „Luft“ nennen, ungewöhnlich schnell bewegt. Im Normalfall verbinden wir mit Gasen keine Erlebnisse, keine Sinneseindrücke. Wenn ein Gas, das dies nicht tun sollte, irgendwo ausströmt, ist die erste Reaktion: Lüften! Es ist dann weg – natürlich nicht wirklich, es hat sich halt verdünnt. Deshalb erzeugt eine Angabe wie „120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer“ kein Bild, keine Vorstellung. Um das zu ändern, machen wir einfach ein Gedankenexperiment und behalten das erzeugte CO2 bei uns – statt den oft bemühten „Rucksack“ nehmen wir einen großen Ballon, denn das ist der Behälter, in dem uns Gase noch eher vertraut sind. Der Ballon wird über dem Autodach mitgeführt. Ein Wagen der Mittelklasse stößt pro Kilometer also 120 Gramm CO2 aus. Das sind auf einer Fahrt von Bregenz nach Bludenz über die Autobahn (52 km) schon über sechs Kilo Kohlendioxid, die bei normalem Luftdruck einen Ballon von 1,86 Meter Durchmesser aufblasen würden. Davonfliegen kann er nicht, das Gas ist schwerer als Luft.

Gesamtkohlendioxid

Fährt man nach Wien (623 km), steigt der Durchmesser schon auf über vier Meter. Behält man das Gesamtkohlendioxid eines ganzen Jahres beim Auto, liegt der Ballondurchmesser bei 12 Metern, mit diesem Riesentrum käme man auf normalen Straßen nicht mehr weiter. Bei rund fünf Millionen Autos in Österreich würde das gesamte ausgestoßene Kohlendioxid einen Ballon von fast zwei Kilometern Durchmesser erfordern. Wenn man den bauen könne, wäre er eine weithin sichtbare Landmarke – ja, das ist unrealistisch. Füllen wir das Gas lieber in vertrautere Gefäße, etwa Luftschiffe von der Größe der “Hindenburg“ – das wären dann rund 21.000 Stück, hintereinander angebunden würde die Schlange vom Nordpol bis nach Rom reichen. Gefüllt nur mit dem CO2-Ausstoß der Autos des kleinen Österreich! Und wie ist es mit dem Fliegen? Nach einem CO2-Rechner im Netz erzeugt eine Flugreise von Frankfurt auf die Kanaren pro Person mit 1400 Kilo des Klimagases einen Ballon von rund 11 Metern – also so viel wie der Ausstoß eines einzelnen Autos fürs ganze Jahr.