Muscheln, Morcheln, Maibock

Wohin / 23.05.2013 • 14:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In den Monaten ohne r wurden früher bei uns keine Muscheln angeboten, weil sie unbedingt frisch sein müssen und man vor den elektrischen Kühlmethoden nur Eisblöcke als Kühlmittel kannte. Seit es auch auf dem Transport kein Problem mehr ist, die Ware kalt zu halten, kann man die Schalentiere das ganze Jahr über verzehren – oder könnte man, denn manche Anbieter halten sich immer noch an die R-Regel. Da freut es den Austernfreund, wenn im „Mangold“ auch im Mai Fines de claires angeboten werden, und er freut sich noch mehr, wenn sie sich als Gillardeau-Austern herausstellen, weil diese merklich besser schmeckende Sorte statt der angekündigten geliefert worden ist. Serviert werden sie mit Pumpernickel-Butterbrot und Rotweinessigschalotten, Stückpreis: 3,80.

Auch sonst findet der Gourmet auf der Karte des „Mangold“ zu seinem Glück noch, was man ihm anderswo zugunsten von „Regionalität“ auszureden versucht, Entenleber, Thunfisch und Hummer. Regional ist unter anderem naturgemäß der Bodenseefisch „nach Tagesfang“. Dem Saisonalen wird ebenfalls Tribut gezollt, mit Bodensee-Spargel mit Petersilkartoffeln und Sauce Hollandaise oder mit Olivenöl und Parmesan (24 Euro), mit Rücken vom Maibock, mit Morcheln in der Spargelsuppe oder zum heimischen Kalbsrücken, mit Bärlauch und Rhabarber. Klassisch österreichische Gerichte sind Tafelspitz (23 Euro), geröstete Kalbsleber mit Butterreis (21 Euro) und Wiener Schnitzel (20 Euro). Bei den noch nicht klassisch gewordenen Speisen neigt Küchenchef Mike Schwarzenbacher zu teilweise kühnen Kombinationen: Lamm-Agnolotti mit Bärlauch und hausgeräuchertem Schäferlaib, lauwarmer Felsenoktopus mit Calamaretti und Blutwurst-Crostini, Steinköhler mit Fregola Sarda, Zitrusfrucht und Mangalitza-Lardo. (Der Schäferlaib ist ein Käse, der Steinköhler eine Dorschart, Fregola Sarda Pasta, Mangalitza-Lardo Schweinespeck, und von den kreuzungsfreudigen Zitrusfrüchten gibt es mindestens 16 ursprüngliche Arten.)

Aber wie gesagt, man könnte auch „gutbürgerlich“ essen, zum Beispiel Bunter Frühlingssalat, Tomatensuppe, Kalbsrücken, Erdbeeren mit Mascarpone. Oder Tafelspitzsuppe, Seesaibling, Käse. Nur dass im „Mangold“ das Gutbürgerliche überdurchschnittlich gut schmeckt und man auch mit glasweise offen ausgeschenktem Wein nachhaltige Eindrücke erleben kann.

Restaurant Mangold, Pfänderstraße 3, 6911 Lochau, Tel. 05574/42431, Fax –9,
www.restaurant-mangold.at, office@restaurant-mangold.at,
Küchenzeiten 11.30 bis 14 und 18 bis 22 Uhr, Ruhetage Mo und Di