Zwanzig Jahre sind genug!

Wohin / 29.08.2013 • 13:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Seit 1991 schrieb ich wöchentlich eine Kolumne über Essen in Vorarlberg, seit 1995 in dieser Zeitung, seit 2005 als Restauranttipp (vorher auch über Nahrungsmittel, einschlägige Veranstaltungen und andere Food-Themen). Jetzt höre ich auf, das hier ist mein Abschiedsgruß an meine Leserschaft, die mir zwar nur selten gemailt, mich aber oft auf der Straße, auf dem Wochenmarkt oder in Lokalen angesprochen hat. Für mich ändert sich dadurch vor allem eines: Ich kann jetzt endlich wieder durch die Städte flanieren, ohne ständig denken zu müssen, der A soll einen neuen Koch haben, beim B war ich schon ewig nicht mehr, beim C sollte ich mal wieder checken, ob er seine Qualität halten konnte, und der D ist überhaupt neu, macht mir aber nicht gerade einen interessanten Eindruck. Oder es ging mir durch den Kopf, dass ich in diesem Jahr erst zwei Mal im Montafon und noch gar nicht am Arlberg oder im Kleinen Walsertal war.

Da auch diese letzte Kolumne ein Restauranttipp sein soll, verrate ich Ihnen hier meine fünf Favoriten, die natürlich eine ganz subjektive Auswahl darstellen. Diese „Gimme five“-Geste mache ich, weil der Platz beschränkt ist, ich könnte durchaus auch ein Dutzend sehr gute Lokale aufzählen (viel mehr aber nicht, und mit dem eigentlichen Jahresbedarf von 52 echten Empfehlungen habe ich mir manchmal schwer getan). Meine Fünf sind Nina Sotriffers „Neubeck“ in Bregenz, Mike Schwarzenbachers „Mangold“ in Lochau, Denise Amanns „St’Ill“ in Feldkirch, das „Gourmetrestaurant Irma“ im Hotel „Post“ in Bezau und „Hagen’s Dorfmetzgerei“ in Lech. Wenn nun jemand fragt, was ein Zwei-Hauben-Restaurant wie das „Irma“ und eine Metzgerei in Lech gemeinsam haben, kann ich nur erwidern, dass ich in beiden ganz exzellent gegessen habe, wobei Hagens Gastraum klarerweise ein anderes Ambiente darstellt als das „Irma“. Aber mich hat immer mehr interessiert, was ich auf dem Teller habe, als was ich erblicke, wenn ich über den Tellerrand schaue (wobei ich aber absolut nichts dagegen habe, dann eine Metzgerei oder die bescheiden gedeckten Tische eines ganz einfachen Gasthauses zu sehen). Andererseits ist auch das ein Vergnügen in den Interieurs und Gärten von „Neubeck“ (Art Deco), „Mangold“ (Stilvielfalt) und „St’Ill“ (klein, aber fein ohne Chi-chi). Das „Irma“ ist mir innenarchitektonisch fast etwas zu streng stilisiert, aber die Küche von Markus Wanner macht das allemal wett.

Noch ein Vergnügen ist mit dem Aufhören verbunden: Die Essensführer in den Papiermüll geben zu können.