“Ich möchte einfach Geschichten erzählen”

Wohin / 28.08.2014 • 13:35 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Armin Weber bringt ein bewegendes Stück über das Thema Alzheimer auf die Bühne.  Foto: ML
Armin Weber bringt ein bewegendes Stück über das Thema Alzheimer auf die Bühne. Foto: ML

Armin Weber spielt ein Stück über das Vergessen, Toleranz, Abschied und Vergeben.

schwarzach. Am 21. September feiert „Du bist meine Mutter“ von Joop Admiraal Premiere in Rankweil. Darsteller Armin Weber im VN-Interview.

Sie spielen seit über 20 Jahren Theater. Wie sind Sie damals zur Schauspielerei gekommen?

Weber: Durch ein Projekt im Deutschunterricht bei meinem damaligen Prof. Franz Kabelka in der 4. Klasse der HAK, also eigentlich recht spät.

Seit fünf Jahren gibt es nun das Theatermobil, das Sie gegründet haben. Was waren die Beweggründe, ein mobiles Theater auf die Beine zu stellen?

Weber: Eigentlich ganz einfach. Wenn die Lust auf Theater, auf Schauspiel größer ist als die Möglichkeit, es unabhängig und frei zu tun, dann startet man ein eigenes Projekt. Es war dann eine schwere, aber wunderschöne Geburtsstunde mit „Männerhort“ 2009. Die Idee zu theatermobil entstand schon Jahre früher zusammen mit meinem Freund Gerhard Zuggal.

Worin liegen die Vorteile, worin die Nachteile eines mobilen Theaters?

Weber: Die Vorteile sind, man kann spielen, wo man will und die Nachteile, man kann nicht spielen, wo man will. Klingt verwirrend, ist aber so. Die Suche nach geeigneten Spielorten ist schwieriger, als man glaubt. Die Orte sollten so beschaffen sein, dass das Publikum vor Regen, Sturm und Hagel geschützt ist. Auch sollte das Umfeld möglichst leise und eine gute Infrastruktur vorhanden sein (Strom, WC etc.). Und der Ort muss eine eigene Aura haben. Wir sind zwar mobil, aber nicht auf Freilicht fixiert. Das ginge bei unserem Wetter gar nicht.

Demnächst sind Sie in dem Stück „Du bist meine Mutter“ zu sehen. Dabei geht es um eine Frau mit Alzheimer. Es ist Ihre erste „ernste“ Produktion. Wie schwierig ist es, ein so sensibles Thema auf die Bühne zu bringen?

Weber: Sehr schwierig. Die Thematik ist topaktuell und der Umgang damit nicht immer sensibel. Rein vom Stück her liegt die Herausforderung darin, als Amateur in einer Doppelrolle wie in „Du bist meine Mutter“ glaubhaft zu sein.

Warum haben Sie ausgerechnet dieses Stück ausgewählt?

Weber: Zunächst wollte ich schon länger einmal ein Solostück spielen, ist es doch für einen Schauspieler so etwas wie die Königsdisziplin. Allein auf der Bühne, ohne Netz und doppelten Boden. Ich habe „Du bist meine Mutter“ wohl aus demselben Grund ausgesucht, aus dem Joop Admiraal es vor 30 Jahren geschrieben hat. Er hat ja mit dem Stück, in dem er Gespräche mit seiner Mutter verwendet hat, seine eigene Situation verarbeitet. Meine Mutter und meine Schwiegermutter sind beide Betroffene und so versuche ich wohl auch, diese Lebenssituation für mich aufzuarbeiten. Ich bin nicht der, der große Kunst machen möchte, ich will Geschichten erzählen und Menschen unterhalten, keine Belehrung, kein erhobener Zeigefinger. Zudem kennt fast jeder eine Person, die an dieser unsagbaren Krankheit leidet, es ist also wirklich die Zeit da, es auch auf der Bühne zu zeigen.

Was ist Ihr Ausgleich zu den Proben bzw. Aufführungen?

Weber: Ich reise gern. London ist unser zweites „Wohnzimmer“ und ich bin ein großer Fußballfan. Meine ganze Familie unterstützt den Fulham FC und wir besuchen so viele Spiele wie möglich, wahrscheinlich bin ich der einzige Saisonkartenbesitzer für den Club in Vorarlberg. Aber ich liebe generell die Nordländer, fahre gern Motorrad, koche gern und ohne Musik geht sowieso nichts!

Wenn Sie Ihre bisherige Karriere Revue passieren lassen, auf was sind Sie besonders stolz?

Weber: Darauf, dass ich es bisher zwar mit unheimlich wichtigen Sponsoren, aber ohne Förderungen geschafft habe, theatermobil am Leben zu erhalten, auch wenn es jetzt einfach nicht mehr geht. Theaterarbeit ist mit viel Schweiß und Herzblut verbunden, das muss auch der öffentlichen Hand etwas wert sein, sonst wird Theater unleistbar, für die Theater und das Publikum. Und ich bin wahnsinnig stolz auf die Menschen, die mit mir zusammen theatermobil gestalten und das Projekt lieben. Jeder, der bisher auf oder hinter der theatermobil-Bühne mitgemacht hat, gehört zur theatermobilfamilie und trägt sie mit. Unser Steuersystem tut leider
alles, um dem entgegenzuwirken.

Und was würden Sie heute anders machen?

Weber: Jessas – vieles! Zuerst einmal würde ich nicht so rasch aufgeben mit den Aufnahmeprüfungen an den Schauspielschulen. Ich würde denen solange auf den Zeiger gehen, bis sie mich nehmen und mir eine fundierte, gute Ausbildung geben würden. Das rate ich auch allen jungen Kollegen. Dranbleiben!

Zur Person

Armin Weber

Geboren: 12.3.1963

Wohnort: Sulz

Familienstand: verheiratet, 2 Kinder (Lucas 20, Tara 19)

Lebensmotto: Never give up on something that you can‘t go a day without thinking about. W. Churchill (Gib nie etwas auf, an das du jeden Tag denken musst)

Armin Weber – „Du bist meine Mutter“. Premiere am 21. September im Alten Kino Rankweil. Karten: Musikladen (www.musikladen.at, 05522/41000).

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