„Man muss einfach das tun, wofür man brennt“

Wohin / 29.10.2015 • 13:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Max Raabe hat sich der Musik der 20er- und 30er-Jahre verschrieben.  Foto: marcus hoehn
Max Raabe hat sich der Musik der 20er- und 30er-Jahre verschrieben.  Foto: marcus hoehn

„Eine Nacht in Berlin“: Max Raabe und sein Palastorchester demnächst in Bregenz.

schwarzach. Mit einer gelungenen Mischung aus eleganter Steifheit, Charisma und Ironie begeistern sie ihr Publikum: Max Raabe und das Palastorchester. Demnächst präsentieren sie ihr Programm „Eine Nacht in Berlin“ in Bregenz. Der deutsche Sänger sprach mit den VN über seine Musik.

Sie lieben und interpretieren sehr erfolgreich Lieder der 20er- und 30er-Jahre. Was ist das Faszinierende an dieser Zeit, dieser Musik?

Raabe: Faszinierend ist die Zeitlosigkeit und der Humor dieser Lieder. Es wird sehr ironisch über die großen Themen des Lebens gesprochen. Wir machen aber keine Nostalgie auf der Bühne. Unsere Musik hat zwar den Schlag der 20er/30er-Jahre, aber man wundert sich, wie zeitgemäß die Texte trotzdem sind. Ich werde oft gefragt, ob wir an den Texten etwas verändern, sie modernisieren, aber genau das tun wir nicht. Die Liedtexte von damals sind sehr schlagkräftig und funktionieren heute wie früher. Dazu kommt dann noch die Schönheit der Musik, diese wunderbaren Kompositionen.

Hätten Sie gerne in den 20ern/30ern gelebt?

Raabe: Ich würde gerne in diese Zeit reisen, so für einen Monat. Aber ich möchte auch wieder zurückreisen.

Hören Sie privat auch alte Musik oder sind auch Songs aus der heutigen Zeit dabei?

Raabe: Ich muss gestehen, dass ich zu Hause sehr wenig Musik höre. Ich habe sowieso immer Musik im Kopf. Wenn ich dann mal wirklich etwas anhöre, dann ist das Kammermusik und dazu setze ich mich hin.

Gehen Sie auch auf Konzerte?

Raabe: Ja, vor allen Dingen, wenn ich die Musiker kenne, die da spielen. Oder wenn ich neugierig bin auf die Künstler, die ich nur von der Platte kenne. Genauso, wie ich auch gerne ins Theater oder in die Oper gehe, auch mal zu einem Popkonzert. Wenn ich Zeit habe, bin ich in Berlin viel unterwegs.

Sie erzählen bei Ihren Konzerten zwischen den Liedern gerne auch lustige Anekdoten . . .

Raabe: Ja, die Moderationen zwischen den Stücken habe ich eigentlich deswegen eingeführt, damit die Leute, die quasi gezwungen werden, in unsere Konzerte zu gehen, also z.B. die Ehemänner, auch etwas von unseren Vorstellungen haben. So nach dem Motto: Der Sänger hat mir nicht gefallen, aber der Moderator war gut  . . .  (lacht)

Was ist das schönste Kompliment, das Sie als Musiker jemals bekommen haben?

Raabe: Was ich öfters höre, ist, dass Leute, denen es derzeit nicht so gut geht, während unserer Vorstellung alle Sorgen vergessen konnten. Wenn es uns gelingt, die Menschen für die Dauer des Konzertes aus ihrer Realität zu reißen, ist das sehr schön.   

Sie haben gerade ein Benefizkonzert zugunsten der Flüchtlingshilfe gegeben. Sind Sie ein sozialer Mensch?

Raabe: Wenn es einem selber gut geht, sollte man auch einen Blick für die haben, denen es nicht gut geht. Und nun sind bei uns Menschen gelandet, deren Leben in ihrem Zuhause sozusagen zerschossen wird. Um diese Menschen muss man sich jetzt kümmern. Ich sehe das und sehe auch den kleinen Anteil, den ich dazu beitragen kann.

Von Zeit zu Zeit sind Sie auch ohne Palastorchester zu erleben, haben Sie für die nähere Zukunft ein Soloprojekt in Planung?

Raabe: Unsere Planung geht ja schon sehr weit voraus, wir sind derzeit an der Programmaufstellung für das Jahr 2017. Und natürlich sind auch einige Solokonzerte eingeplant.

Aber meine Hauptarbeit oder sagen wir besser, mein Hauptvergnügen, liegt in den Konzerten mit dem Palastorchester. Ich glaube, um Erfolg zu haben,­ muss man einfach das tun, ­wo­für man brennt, und das tue ich.

Zur Person

Matthias Otto alias Max Raabe

Geboren: 12. Dezember 1962

Wohnort: Berlin

Familienstand: durcheinander

Lebensmotto: Alles hat seine Zeit

Max Raabe und das Palastorchester präsentieren „Eine Nacht in Berlin“. 12. November, Festspielhaus Bregenz. Karten: v-ticket.at, oeticket.com, Musikladen, Tourismusamt Bregenz, Dornbirn, Feldkirch