Ein Abend voller „erlesener Komik“

Wohin / 26.11.2015 • 14:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christof Wolfisberg (l.) und Jonas Anderhub haben mit der „Erlesenen Komik“ eine neue Kleinkunstform geschaffen.   Foto: ohne rolf
Christof Wolfisberg (l.) und Jonas Anderhub haben mit der „Erlesenen Komik“ eine neue Kleinkunstform geschaffen.  Foto: ohne rolf

„Ohne Rolf“ machen Kabarett ohne gesprochene Worte. Demnächst in Hard.

schwarzach. Sie blättern einen Abend lang in einem Stapel bedruckter Kartons und sorgen damit für jede Menge Lacher: das Kabarettisten-Duo „Ohne Rolf“. Die auf 1000 Plakate gedruckten knappen Sätze wie auch das Geschehen zwischen den Zeilen sind witzig, spannend und gelegentlich sogar musikalisch. In ihrem zweiten Programm bekommen „Ohne Rolf“ nun Nachwuchs, ein kleiner „Schreibhals“ kommt zu Wort. Die beiden Schweizer Kabarettisten Christof Wolfisberg und Jonas Anderhub erzählen im VN-Interview über ihre Kunst und ihr neues Programm.

Warum heißt Ihr eigentlich „Ohne Rolf“ – um welchen Rolf geht es da?

Christof: Eben, es geht um den Rolf, der überhaupt nicht da ist. 

Jonas: Wir heißen so, weil es zu denken gibt.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, ein Kabarett ohne gesprochene Worte zu machen?

Christof, Jonas: Vor bald sechzehn Jahren fragten wir uns, wie wir die Aufmerksamkeit der Passanten auf der Straße unaufdringlich auf uns lenken könnten. Schlussendlich stellten wir uns mit kleinen Plakaten hin, auf denen wir die Menschen schriftlich aufforderten, uns nicht zu beachten und bitte weiterzugehen, denn hier würde nichts passieren. Da blieben die Leute in Scharen stehen. Unser erstes Publikum stand uns gegenüber und ermutigte uns so, weiterzumachen.

Ihr habt ja immer einen dicken Packen Blätter vor Euch, blättert vor und auch mal zurück – da kann doch schnell mal was durcheinandergeraten – habt Ihr Euch schon mal arg verblättert?

Christof: Ja, natürlich. Das nennen wir intern „Versprecher“.

Und was macht Ihr da? Improvisieren? 

Jonas: In einer solchen Situation ist Fingerspitzengefühl im wörtlichen Sinne gefragt, weil man dann den Dialog wieder aufholen muss, indem man unbemerkt vielleicht zwei Plakate auf einmal blättern muss. 

Wenn Ihr ein Programm geschrieben habt, probiert Ihr dann im Freundes- oder Familienkreis aus, ob es zündet? 

Christof, Jonas: Wir führen mehrere Testaufführungen durch und bevorzugen da ein gemischtes Publikum, das sich aus Freunden und Fremden zusammensetzt.

Ihr habt mit Eurer Performance schon einige Auszeichnungen bekommen, u. a. letztes Jahr den deutschen Kleinkunstpreis und heuer den deutschen Kabarettpreis.  

Christof, Jonas: Ja, derartige Auszeichnungen sind immer eine schöne, öffentliche Anerkennung für unsere Arbeit.

Ihr seid sogar schon in China aufgetreten, mit Plakaten auf chinesisch. Das stelle ich mir aber sehr schwierig vor . . .  oder sprecht Ihr chinesisch?

Christof, Jonas: Wir haben unser erstes Stück „Blattrand“ so weit es ging eins zu eins übersetzen lassen. Der Vorteil beim Blättern einer Fremdsprache ist, man blättert automatisch akzentfrei. Aber man muss auch wissen, was man blättert. Da wir mit dem Stück „Blattrand“ schon über zehn Jahre unterwegs sind, konnten wir diesem Anspruch problemlos genügen.

Demnächst kommt Ihr mit Eurem Programm „Schreibhals“ nach Hard. Was erwartet uns? 

Christof, Jonas: Wir stellten uns die Frage, wie es wäre, wenn zwei Blattländer einen kleinen Schreibhals großziehen müssten und wie der dann aussähe. Das Resultat ist eine Maschine, die A3-Plakate blättert. Die Herausforderung liegt darin, dem Vehikel blätternd eine Seele einzuhauchen und es so in einen Blattländer zu verwandeln. Wir dürfen sagen, dass uns dies gelingt. Überzeugen Sie sich selbst.

Zur Person

Christof Wolfisberg

Geboren am: 2. April 1976

Wohnort: Luzern

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder.

Lebensmotto: Dasselbe wie Jonas

„Ohne Rolf“ sind am 3. Dezember um 20.30 Uhr in der Kammgarn in Hard zu sehen. Karten: kammgarn.at