Kabarettistin Nessi Tausendschön im VN-Interview

Wohin / 23.06.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nessi Tausendschön gastiert beim Foen-X-Festival in Hard. DILIP SAHA

Schwarzach Das Foen-X-Festival zeigt sich heuer in neuem Format. Am letzten Wochenende im Juni wird die ganze Breite der Programmvielfalt der Kulturwerkstatt Kammgarn an vier Tagen konzentriert präsentiert und umfasst Konzerte, Kabarett, Theater, Kinderveranstaltungen, Poetry Slam, Literatur und vieles mehr. Wesentlich und neu ist, dass es sich heuer um ein kostenloses Festival handelt – und die Veranstaltungen im Stedepark in Hard stattfinden. Mit dabei sein wird auch die deutsche Kabarettistin und Diseuse Nessi Tausendschön. Im VN-Interview erzählt die Künstlerin über Höhen und Tiefen ihres Schaffens.

Ihr Künstlername ist nach der Blume Tausendschön benannt. Was haben besagte Blume und Nessi Tausendschön gemeinsam?

Das Bellis Perennis gedeiht fast überall und ist robust und zart zugleich.

Sie sind bereits seit 30 Jahren als Kabarettistin unterwegs. Welche Höhen und Tiefen gab es in dieser Zeit?

Ich erzähle mal die Höhen: Man lernt so viele tolle Menschen kennen im Laufe der Zeit, lebenslange Freundschaften gingen daraus hervor. Ich hatte oftmals Erfolg mit den Auftritten, konnte viele Preise einheimsen und ich würde mal sagen, ich habe mir mit dem auf der Bühne Stehen und Bestehen eine Therapie erspart.

Welches Bühnenereignis ist Ihnen am intensivsten in Erinnerung?

Ich habe in Hamburg mit Ulrich Tukur Theater gespielt in dem Stück „Blaubarts Orchester“. Die letzte Szene war auf einer hohen Showtreppe, ein großer Filmkuss in den Armen Blaubarts, dann ein Black, also Dunkelheit. Ich weiß nicht mehr, wie es passierte, auf jeden Fall beugte ich mich zurück für den Kuss, Uli bekam mich nicht mehr zu fassen und ich fiel ca. 3 Meter tief auf die Bühne und wusste während des Fluges, ich würde tot und zerschmettert unten aufkommen.
Ich habe mich geirrt. Ich vermochte sogar noch als Zugabe auf dem Flügel tanzend das letzte Lied zu singen. Danach konnte ich ungefähr eine Woche nicht laufen, ich kam mit einer Knieprellung davon. Aber seitdem versuche ich, auf der Bühne in jedem einzelnen Augenblick wach und bewusst zu sein und hatte seitdem nie wieder Unfälle auf der Bühne.

Hat sich das Publikum bzw. der Humor des Publikums in diesen drei Jahrzehnten verändert?

Das Publikum und ich sind älter und der Humor ist schneller geworden.

In Ihrer Vita steht ein lustiger Satz. Sie schreiben: Ich habe schon immer als Jugendliche zu meinen Eltern gesagt: Solange ihr den Tisch über meine Füße stellt, wird gemacht, was ich sage.“ Nur Spaß oder würden Sie sich als Machtmenschen bezeichnen?

Nein, ganz und gar und überhaupt nicht, ich habe leider auch keinerlei Führungsqualitäten, aber dafür viele Freunde. Der Satz sollte eigentlich nur das leidvolle Ringen der jungen Menschen mit der älteren Generation kennzeichnen, das kennen wir doch alle. Und ich freue mich über die Schüler und Schülerinnen, die momentan vermehrt für ihre Zukunft und damit für unsere Umwelt kämpfen. Da bin ich dabei.

Sie sind Kabarettistin, Sängerin und mittlerweile auch im TV aktiv. Gehen diese Kunstformen bei Ihnen Hand in Hand oder bevorzugen Sie eine dieser Sparten?

Das geht tatsächlich Hand in Hand, ich arbeite die Berge einen nach dem andern ab, am vertrautesten ist mir aber die Livesituation mit dem Publikum.

Beim Foen-X-Festival in Hard präsentieren Sie ein Best of Ihres Schaffens.

Dieses Programm macht mir große Freude, denn viele der Nummern sind sturmerprobt, bewährte Figuren wie der betrunkene Schutzengel oder das alte Mädchen Gabi Pawelka tauchen noch einmal auf, alte Kracher wechseln sich mit neuen Nummern ab u,nd ich freue mich sehr auf Hard, denn dort hatten wir immer wunderbare Auftritte, außerdem bin ich zu einer Bootsfahrt eingeladen worden.

Foen-X-Festival vom 27. bis 30. Juni 2019 beim Stedepark Hard. Nessi Tausendschön ist am 27. um 21 Uhr zu sehen. Infos: https://www.kammgarn.at/foen-x, Tickets: Musikladen, ländleticket