Die Leoniden rocken morgen die Poolbar: VN-Interview mit der deutschen Indie-Rock-Band

06.07.2019 • 17:00 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
Die Leoniden lassen es am Sonntag, 7. Juli 2019, in der Poolbar krachen. ROBIN HINSCH

Mit ihrem zweiten Album „Again“ beweist die Kieler Indie-Rock-Band Leoniden eindrucksvoll, was möglich ist, wenn man sich auf die Leidenschaft für die Musik in all ihren Facetten konzentriert. Am Sonntagabend stehen die fünf Jungs auf der Bühne der Poolbar. Die Band im VN-Interview.

Ihr habt als Schülerband angefangen. Mittlerweile seid ihr als Indie-Band sehr erfolgreich. Erzähl uns bitte mal von eurem Werdegang.

„Sehr erfolgreich“ ist relativ, aber wir freuen uns sehr, wenn das nach außen so wirkt. Das ist immer erstmal ein gutes Zeichen. Im Grunde standen wir einfach irgendwann vor ein paar Jahren vor der Entscheidung, ob wir mit der Musik aufhören und vernünftig studieren oder ob wir es wirklich einmal wagen wollen. Wir hatten bis dahin schon länger zusammen Musik gemacht, aber immer ohne ernsthafte Ziele und Ambitionen. Und dann dachten wir uns: Eigentlich gibt es nichts Schöneres und Cooleres, eigentlich macht uns nichts mehr Spaß als Konzerte zu spielen und Lieder zu schreiben, lasst uns ein Album aufnehmen und auf Tour gehen. Also haben wir genau das gemacht. Wir haben Kredite aufgenommen und sind ins Studio gegangen. Mit der fertigen Platte in der Hand mussten wir dann allerdings feststellen, dass es gar nicht so einfach weitergeht. Wir hatten weder ein Label noch eine Idee, wie man jetzt sinnvoll und erfolgreich Promo macht. Nach viel Hin und Her und einigen weniger erfolgreichen Gesprächen mit interessierten Plattenfirmen haben wir dann beschlossen, noch mehr Kredite aufzunehmen, alle unsere Freunde für dieses Projekt zu verpflichten und einfach ein eigenes Label zu gründen. Im Nachhinein war das eine der besten Entscheidungen unseres Lebens. Wir konnten so völlig unabhängig und ohne schlechte Ratschläge von Wichtigtuern aus der großen, großen Musikindustrie unser Ding nach unseren Vorstellungen durchziehen. Wir haben das einfach alles so gemacht, wie wir das wollten, sind dabei sicherlich den einen oder anderen Umweg gegangen, konnten aber so jederzeit alles selbst entscheiden und lenken. Einen schöneren Werdegang gibt es vermutlich nicht. Wir waren demnach im wahrsten Sinne des Wortes „Indie“ – also unabhängig. Wir brauchten auch keine großartige Strategie, uns war es einfach von Anfang an wichtig, dass wir möglichst viele Konzerte spielen können und nur mit Leuten zusammenarbeiten, mit denen wir abends auch Bier trinken wollen. Und genau das tun wir seit ungefähr drei, vier Jahren. Wir sind im Grunde seit Anfang 2017 auf Tour, spielen wahnsinnig viele Konzerte und haben unheimlich viel Spaß dabei. Die Konzerte werden kontinuierlich größer und wir schaffen es zunehmend, auch hier und dort im nicht-deutschsprachigen Ausland erste Shows zu spielen (Dänemark, Tschechien, Türkei, Ungarn, Polen, USA) – das hätten wir vor ein paar Jahren nicht mal zu träumen gewagt.

Aus welchen Musikrichtungen stammt ihr?

Wir haben eigentlich alle irgendwie mit Gitarrenmusik angefangen. Die einen fühlten sich immer ein bisschen bei lauteren, punkigeren Sachen wie At The Drive In, Refused oder Rage Against The Machine wohler, die anderen mochten eher Britrock wie Arctic Monkeys. Also jedenfalls zu dem Zeitpunkt, als wir vor vielen Jahren beschlossen haben, Musik zu machen, Instrumente spielen lernen und mal in einer Band spielen zu wollen. Das ist ja relativ klassisch, würde ich sagen. Spätestens sobald man dann aber selbst Musik macht, merkt man, was es alles noch zu entdecken gibt. Mittlerweile hören wir so dermaßen viel und unterschiedliche Musik, dass man die Frage nicht so einfach beantworten kann. Wir können gute Technosongs genauso feiern wie meinetwegen guten Deutschpop oder Metal. Da ist jeder Einzelne von uns echt unberechenbar, und das ergibt insgesamt schon einen ziemlich wilden Mix, denn im Grunde entdeckt tagtäglich irgendjemand von uns einen neuen Song oder eine neue Band und zeigt sie den anderen. Und da kommen dann auch die abgefahrensten Einflüsse zusammen. Aber eine einzelne Musikrichtung wäre einfach zu langweilig und zu wenig, da könnte sich niemand von uns festlegen.

Warum nennt ihr euch eigentlich Leoniden: Seid ihr nach einem Meteor-Strom benannt?

Woher der Name kommt, wissen wir nicht mehr so genau. Den hatten wir ganz von Anfang an und der gefiel uns immer gut. Das bedeutet ja auch etwas, den einen guten Namen zu finden, ist gar nicht so leicht. Um so besser, wenn man einen hat, den man seit Langem mit sich herumträgt. Der Name war immer da und bedeutet für uns einfach diese Band. Wir denken dabei nicht an Meteorenströme. Wir haben leider keine inhaltlich-romantische Geschichte dazu parat und kennen uns nicht mal gut mit Astronomie aus. Leoniden hießen wir schon vor so vielen Jahren, als wir in der Schule angefangen haben Musik zu machen, und dieser Name ist über die Zeit einfach unzertrennlich fest an uns heran gewachsen.

Euer aktuelles Album nennt sich „Again“. Was finden wir darauf?

Zehn Lieder, die wir mit wahnsinnig viel Fleiß und Liebe zwischen vielen Konzerten zu fünft zu Hause in Kiel geschrieben haben. Wir haben uns dabei größte Mühe gegeben, uns nicht zu wiederholen und uns zumindest aus unserer Sicht zu toppen. Wir haben die Lieder so geschrieben, dass wir sie mögen bzw. lieben. Das war das wichtigste Kriterium. Uns war es wichtig, dass jeder Einzelne von uns mit jedem Lied zufrieden ist, und ein Lied war immer erst dann fertig, wenn jeder von uns gesagt hat, dass das hier sein neues Lieblingslied ist. Das ist gar nicht so einfach gewesen, aber wir haben es mit viel Zeit, Arbeit und Detailversessenheit geschafft, ein Album zu schreiben, auf das wir unglaublich stolz sind. Inhaltlich geht es genau darum, was wir machen und was uns beschäftigt: viel unterwegs sein und wenig zu Hause sein, mit all den Vorzügen und Problemen, die dazu gehören. Wir schreiben keine fiktionalen Geschichten und machen Musik nicht für einen Markt, für einen Trend oder die Charts oder was auch immer. Wir machen genau das, was wir selbst am liebsten hören und freuen uns dann natürlich, wenn es anderen auch gefällt. Genau das ist „Again“.

Inwiefern unterscheidet es sich von seinem Vorgänger „Leoniden“?

Das erste Album ist in einer viel größeren Zeitspanne entstanden und zu einer Zeit, in der wir gerade erst angefangen haben, in dieser Konstellation zu fünft Musik zu schreiben. Dadurch ist auf dem ersten Album einiges experimenteller und oberflächlicher. Beim zweiten Album waren wir viel selbstbewusster und mutiger. „Again“ ist aber im Grunde ganz einfach die logische Fortführung des ersten Albums. Wir wollten das erste Album ergänzen und haben ohne großes Konzept einfach weitere zehn Lieder geschrieben, die zu uns und deshalb zu der ersten Platte passen. Wir wollten uns nicht neu erfinden oder eine „neue Richtung“ gehen. Wir haben einfach – wie beim ersten Album auch – genau das gemacht, was wir selbst am liebsten hören. Natürlich hat man aber auch beim zweiten Album, beim zweiten Mal im Studio, viele Erfahrungen, die man beim letzten Mal noch nicht hatte. Wir haben bei den Aufnahmen für das erste Album vieles dazu gelernt und konnten das natürlich bei den Aufnahmen für das zweite Album nutzen und besser machen. Das dritte Album wird demnach dann richtig gut! (lacht)

Was auffallend ist, die Songs auf „Again“ sind abwechslungsreich und stilmäßig breit gefächert.

Wir setzen uns keine Genregrenzen, es gibt keine Tabus und wir hören, wie oben schon erwähnt, wirklich wahnsinnig viel Musik. Uns wird schnell langweilig – und Langeweile ist das Schlimmste. Wir möchten uns niemals wiederholen, und alleine deshalb müssen wir den Stil ständig wechseln. Das ist kein Konzept oder so. Wenn wir alle Spaß an einer ganz bestimmten Musikrichtung hätten und uns das ausreichen würde, dann würden wir genau das machen. Aber wir haben Spaß an ganz vielen Musikrichtungen, und es wäre unvollständig, wenn wir Einflüsse weglassen würden.

Bald können wir euch beim Poolbar-Festival erleben. Was werdet ihr bei eurem Konzert im Gepäck haben?

Alles, was man für eine gute Festivalshow braucht – und vor allem hohe Erwartungen und große Vorfreude: Wir spielen viele neue und ein paar alte Lieder, haben mega Bock und freuen uns, mal wieder nach Österreich zu kommen. Die Konzerte in Österreich sind immer ultra gut und endeten bei uns bisher immer in ziemlich ausgiebigen Partys. Wir lieben es, so weit zu reisen und Konzerte viele Hundert Kilometer von zu Hause entfernt zu spielen. Wir lieben es, im Sommer unter freiem Himmel zu spielen, und wir freuen uns auf die anderen Bands. Festivals sind einfach der Hammer, man kann sich von morgens bis abends Konzerte reinziehen, feiern, und es gibt immer wahnsinnig viel zu entdecken. FA

Poolbar-Festival: 5. Juli bis 11 August. Die Leoniden sind morgen, Sonntag, 7. Juli 2019, zu sehen. Infos/Karten: www.poolbar.at