„Heimweh hatte ich nie“

Zett_Be / 23.04.2021 • 16:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Miriam Christa (rechts im Bild) absolviert aktuell einen ESK-Freiwilligendienst in einem Jugendinfozentrum in Frankreich.
Miriam Christa (rechts im Bild) absolviert aktuell einen ESK-Freiwilligendienst in einem Jugendinfozentrum in Frankreich.

Der Freiwilligendienst des Europäischen Solidaritätskorps (ESK) verbindet Reisen und soziales Engagement und eröffnet neue Horizonte.

Dornbirn Auslandserfahrungen sammeln, sich dabei freiwillig bei gemeinnützigen Organisationen verschiedenster Bereiche engagieren und neue Leute kennenlernen – das scheint wie ein Ding der Unmöglichkeit in Zeiten von Corona. Wer jedoch den Freiwilligendienst des ESK (Europäisches Solidaritätskorps) kennt, weiß, dass es durchaus machbar ist.

Die 20-jährige Miriam Christa aus Klaus ist aktuell in Frankreich und erzählt von den Erlebnissen ihres Einsatzes. Außerdem gibt Stephanie Sieber vom aha – Jugendinformationszentrum Vorarlberg Tipps für zukünftige Freiwillige. Sie koordiniert die ESK-Einsätze und ist zuständig für die Entsendung von Vorarlberger Freiwilligen ins Ausland.

Miriam, was machst du in Frankreich?

Miriam Christa Ich arbeite für ein Jugendinfozentrum hier in Lorient. Eine meiner Hauptaufgaben ist es, Workshops und Unterrichtseinheiten auf Englisch für die Jugendlichen zweier Schulen zu gestalten. Dabei animiere ich sie auf unterschiedliche Art und Weise, das Englischsprechen zu üben. Außerdem bin ich mit ein paar anderen Freiwilligen für einen Podcast des Jugendzentrums zuständig. Im Moment befinde ich mich jedoch in Selbstisolation. Da Frankreich die Schulen nun auch geschlossen hat, veränderten sich meine Tätigkeiten ein wenig. Vorübergehend organisiere ich von meiner Wohnung aus Praktikumsplätze für die Schüler*innen der Abschlussklasse.

Wieso ein ESK-Einsatz?

Miriam Christa Eigentlich war es eine recht spontane Entscheidung. Wie bei so vielen anderen wurden auch meine ursprünglichen Reisepläne von der Pandemie durchkreuzt. Über eine Freundin, die gerade in Schweden im Einsatz ist, habe ich vom ESK-Freiwilligendienst erfahren. Ich habe mich dann beim aha darüber informiert, fand die Idee toll und hatte auch sehr bald den Platz in Frankreich gefunden. Viel Zeit zum Nachdenken blieb mir da also gar nicht.

Was gefällt dir am besten?

Miriam Christa Die Arbeit mit den Jugendlichen und das damit verbundene Eintauchen in eine andere Kultur und Lebenseinstellung finde ich sehr spannend. Mir wird sehr viel Verantwortung vonseiten der Lehrpersonen an den Schulen übertragen. Deshalb habe ich auch reichlich Raum, um auszuprobieren und die Schüler besser kennenzulernen. Obwohl die Kontakte sonst eingeschränkt sind, treffe ich mich auch in meiner Freizeit in kleinem Rahmen mit Freunden, die ich hier kennengelernt habe. Wir setzen uns zusammen oder machen einen Spaziergang am Strand. Ich wohne auch mit anderen Freiwilligen in einer WG – das „Zuhausebleiben“ wird also ebenfalls nie langweilig.

Stephanie, lohnt sich ein ESK-Freiwilligendienst während Corona?

Stephanie Sieber Wenn man mit den Personen vor Ort, mit denen man zusammenarbeitet oder auch wohnt, gut klarkommt und sich wohlfühlt, ist es die Erfahrung auf jeden Fall wert! Was die Tätigkeiten angeht, können die Organisationen bereits viel besser auf die Covid-Maßnahmen der Regierungen reagieren als zum Beispiel vor einem Jahr. Die Arbeit wird angepasst an die Situation, so wie bei Miriam. Ein gewisses Maß an Flexibilität ist immer vorauszusetzen. Außerdem sollte der Einsatz auch Sinn machen und auf keinen Fall erzwungen werden.

Miriam Christa Da stimme ich zu. Heimweh hatte ich zwar nie, ansonsten gibt es jedoch immer Ansprechpersonen wie auch Stephanie, die einen unterstützen, wenn es Probleme gibt. Was ich hier ebenfalls gelernt habe, ist, offen zu sein, einen Schritt aus meiner Komfortzone rauszumachen und einfach mal „Ja!“ zur Ungewissheit zu sagen. So lernt man am meisten!

Was kostet ein ESK-Freiwilligendienst und wo kann man sich informieren?

Stephanie Sieber Der ESK bietet jungen Menschen von 18 bis 30 Jahren die Möglichkeit, für mehrere Monate ins Ausland zu reisen, sich für einen guten Zweck einzusetzen und dies fast komplett frei von jeglichen Kosten. All jene, die nun bereits das Fernweh packt, aber auch alle Unentschlossenen mit offenen Fragen, können sich bei Interesse gerne telefonisch oder per E-Mail an mich wenden (05572/52212-44 oder stephanie.sieber@aha.or.at). Wer in weitere spannende Erfahrungsberichte von anderen Jugendlichen hineinstöbern möchte, dem bieten die Blogeinträge auf www.ahamomente.at reichlich Lesematerial. Am 27. April veranstaltet das aha außerdem einen Online-Info-Abend zum ESK-Freiwilligendienst. Anmeldung und weitere Infos auf www.aha.or.at/esk.

 

Das Interview führte Elena Sezer,  19 Jahre, vom aha Jugendteam

Miriam Christa

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Stephanie Sieber

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